Dzengis (17), Mazedonien

"Arbeit, einfach Arbeit. Und dann eine glückliche Familie. Und dann helfe ich allen, die Hilfe brauchen."

Dzengis (17), Mazedonien

 

 

Wer die Räumlichkeiten vom "Romano pro Angle" in Prilep betritt, der staunt nicht schlecht. Kinder im Kindergartenalter laufen im Kreis um ein weinendes Kind herum und singen: Du musst nicht weinen, schau die Sonne, sie scheint auch für dich! Das Spiel geht weiter mit der Aufforderung: Steh doch auf und begrüsse jemanden von uns! Angeleitet wird die Gruppe unter anderem von zwei Personen, unter ihnen Dzengis: 17 jährig, Roma und vor allem eines - ein junger Mann! Dzengis hilft regelmässig den Schulkindern im Hausaufgabenhort. Ist Not am Manne in der Gruppe der ganz Kleinen, so springt er auch schon da mal ein und singt mit ihnen, hilft beim Malen oder spielt Geschichten.

 

Dzengis hat keine Vorbilder, denen er abgucken könnte, wie ein Mann mit so kleinen Kindern in einem Kindergarten umgehen könnte. Trotzdem wirkt er nicht verlegen. "Die anderen nerven sich über das Geschrei oder wenn sich die Jungen unter den Tischen verstecken." Nicht so Dzengis. Er bleibt auch bei diesen Neckereien die Ruhe in Person.

 

Dzengis lebt mit seiner Mutter und der Schwester, die bereits verheiratet ist, in einem Zimmer. Hier kochen, schlafen und essen sie zusammen. Von Zeit zu Zeit findet die Mutter Arbeit im nahe gelegenen Spital. Dann putzt sie dort die Gänge, um die nötigen Denare fürs Essen zu verdienen. Sie ist stolz auf Dzengis, weil er sich so für die Gemeinschaft im "Romano pro Angle" einsetzt.

 

Noch geht Dzengis selbst zur Schule. Er besucht den Unterricht in der Technischen Hochschule für Transport und Spedition. In zwei Jahren wird er diplomiert und für ihn stünde der Weg offen, an der Universität weiter zu studieren. Stünde, denn die Kosten von geschätzten 200 Euro für Unterhalt in Skopje, Einschreibegebühren und Schulmaterial für das erste Semester überschreiten um ein Vielfaches das schmale Familienbudget. So ist Dzengis' grösster Wunsch für die Zukunft: "Arbeit, einfach Arbeit. Und dann eine glückliche Familie. Und dann helfe ich allen, die Hilfe brauchen."

 

Eigentlich wäre das Gespräch hier fertig. Dzengis' Wunsch nach einem Leben ohne Angst um die Existenz war so überzeugend wie sein Einsatz gross für die Allgemeinheit im "Romano pro Angle". Doch weiss er, wieso heute ein Photograph im Zentrum photographiert? Hat er schon etwas vom Kinderdorf Pestalozzi gehört? Dzengis verstummt. Keine Antwort. Sein Blick kehrt sich nach innen. Doch dann nach einer Weile mit glühenden Augen: "Mir fehlen die Worte! Die Begegnungen vor zwei Jahren in Trogen werde ich nie vergessen!" Keine Bemerkung im Vorfeld des Gespräches, kein Hinweis während des Interviews über seinen Aufenthalt im Kinderdorf! Da wächst ganz leise weiter, was vor zwei Jahren woanders gesät wurde. Dzengis ist aufgestanden, um die Welt zu begrüssen.

 

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