Am liebsten schreibt sie kleine Brieflein, in die sie ihre Gedanken legt.
Arbenita (6), Mazedonien
Frühling in einer Romasiedlung in Kumanovo: Familien tragen Teppiche auf die Strasse. Mit Strupper und Seife fegen die Frauen den Schmutz des letzten Winters aus dem Gewebe. Endlich ist es warm geworden, endlich scheint die Sonne und die angenehmere Jahreszeit kann beginnen. Höchste Zeit also, den Frühlingsputz in Angriff zu nehmen!
Hier in diesem Teil der Stadt neben der Abfallhalde lebt Arbenita mit ihren vier Brüdern, den fünf Schwestern und ihren Eltern. Die zwölfköpfige Familie bewohnt ein kleines Haus mit zwei Zimmern zum Kochen, Essen und Schlafen. Gardinen verwehren den Blick ins Innere, an den Wänden hängen Photos und ein Teppich, auf dem ein wildes Pferd sich aufbäumt. "Arbenita schläft gleich neben der Krippe der Kleinsten", erklärt der Vater die Schlafordnung. In der Ecke steht noch der Fernseher und ein Ofen für den Winter.
Arbenita wächst in einer Familie auf, in der Bildung keinen hohen Stellenwert hat. Ihre Mutter kann weder lesen noch schreiben, der Vater kennt die Buchstaben ein wenig. Die Eltern sammeln Altmetall und verkaufen es für ein paar Denare dann weiter. So kommt das nötige Essen jeden Tag auf den Tisch.
Wenn immer möglich kommt Arbenita ins Zentrum "Vrama Si" in Kumanovo. Sie kommt nicht alleine, sondern mit einigen ihrer Geschwister, die in den Hausaufgabenhort gehen. Farbstifte, Papier und Spielsachen reichen aus, um ihr Kinderleben glücklicher werden zu lassen. Am liebsten schreibt sie kleine Brieflein, in die sie ihre Gedanken legt. Das Zentrum unterstützt Arbenita aber nicht nur beim Erlernen der Kulturtechniken. Hände waschen, Zähne putzen und Haare kämmen gehören ebenso zum täglichen Programm.
Gerne würde Arbenita Sängerin werden. Dass sie gut singen kann, stellt sie gleich selbst unter Beweis: "Seht meine Hände, seht was die alles können!" Ein Lied, das die ganze Gruppe vor ein paar Tagen lernte. Und seine Bedeutung für das Leben der Kleinen? An ihren Händen soll's nicht liegen, wie sie ihre Zukunft gestalten können.




