„Die neue Generation muss es wagen, etwas zu ändern. Ich wünsche mir ein goldenes Zeitalter für Serbien.“
Jovanna (17), Serbien
Jovanna kommt jede Woche in den Jugendclub in Nis. Hier unter den Kolleginnen und Kollegen fühlt sie sich wohl. In den Workshops geht es um Themen, die im Gymnasium keinen Platz finden. „Alle haben die gleichen Rechte beim Sprechen. Alle Meinungen sind gültig. Es gibt soziale Regeln, die unser Zusammenleben erleichtern. Und diese Regeln bestimmen nicht die Stärkeren, die stellen wir selber auf.“
Jovanna schätzt die Ernsthaftigkeit und die Verlässlichkeit im Klub. Diese Erfahrungen sind ihr so wichtig, dass sie jede Woche an den Workshops teilnimmt. Wichtig sind auch Themen, die in der Schule keinen Platz finden. „Wir sprechen immer wieder über uns, über unsere Freuden und auch über unsere Ängste.“ Und die sind seit dem Krieg grösser geworden. Zum Beispiel die Arbeitssituation. „Viele Betriebe haben in den letzten Jahren ihre Tore geschlossen. Die Arbeiter stehen auf der Strasse. Wie sollen sie jetzt ihre Familien ernähren?“
Jovanna ist nicht in gleichem Masse betroffen. Ihre Mutter arbeitet als Krankenschwester und der Vater hat eine kleine Fensterfabrik. Das gibt der Familie etwas Sicherheit. Trotzdem möchte Jovanna nicht in den elterlichen Betrieb einsteigen.
Richterin möchte sie werden. „Das EU Recht muss sich bei uns etablieren. Sonst hat Serbien keine Chance, den Anschluss an Europa zu finden.“ Ein Studium in Wien schwebt ihr vor, dort, wo ihr Grossvater lebte. „Doch ich möchte nachher wieder zurückkommen. Hier bin ich zu Hause, hier möchte ich der Gesellschaft wieder etwas zurückgeben. Die neue Generation muss es wagen, etwas zu ändern. Ich wünsche mir ein goldenes Zeitalter für Serbien.“ Und Jovannas Beitrag? „Ich möchte dem Recht zum Durchbruch verhelfen. Minderheiten müssen geschützt und die Kinderrechte durchgesetzt werden.“
Vor zehn Jahren endete der Krieg im Balkan. Noch sind nicht alle Massengräber ausgehoben, noch laufen Kriegsverbrecher frei im Lande herum. Ernsthaftigkeit und Verlässlichkeit – Jovannas Erfahrungen im Workshop kontrastieren Serbiens Politik der letzten Jahre. Friede setzt Rechtssicherheit voraus und Rechtssicherheit braucht mutige und verlässliche Richter. Für Jovanna hat die Zukunft begonnen, früher als sie merkt.




