Einen Tag lang Radio

17.05.2018 - 15:30 | Christian Possa

Der Radiobus ist das ganze Jahr über in vielen Teilen der Schweiz unterwegs und produziert gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen Sendungen. Heute nehmen wir Sie mit «on tour»: Seien Sie dabei und begleiten Sie die 2. Sekundarschule Weiden bei einem Tag mit dem Radiobus.

rmt_oz_weiden_04
9.35 Uhr

Der Countdown läuft

In 25 Minuten springt im Radiobus der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi die rote On-Air-Leuchte an. Zwei Stunden Sendematerial haben die Schülerinnen und Schüler von Daniela Huwyler vorbereitet: Jingles, Anmoderationen, Live-Interviews. Im modernen Klassenzimmer, wo die Wandtafel als einziges Relikt an vergangene Zeiten erinnert, geben die drei Radiomacher Damian Egli, Lea Bührer und Luca Altorfer letzte Instruktionen.
rmt_oz_weiden_07
9.40 Uhr

Alles ausser Stille

Projektleiter Damian fungiert diesen Vormittag als Radiocoach. In dieser Rolle bespricht er mit den Jugendlichen ihre Beiträge, klärt letzte Details und sorgt dafür, dass die Sendung ohne Unterbrechung läuft. Denn: «Im Radio ist Stille das Schlimmste.» Vor allem aber stellt der Pädagoge viele Fragen. Wie wollt ihr euren Beitrag einleiten? Wie habt ihr euch das Gruppeninterview vorgestellt? Wer wird den externen Gesprächspartner vorgängig telefonisch kontaktieren?
rmt_oz_weiden_12
9.55

Helfer im Hintergrund

Die beiden Praktikanten Lea und Luca fahren heute die Sendung. «Bevor wir live gehen, prüfen wir vorgängig produzierte Audioaufnahmen und stellen die Playlists der Schulklasse bereit», erklärt der gebürtige Basler, während er routiniert im Radiomobil hantiert. Als ultimatives Backup legen sie noch eine CD ins Abspielfach ein. «So können wir im Notfall zumindest Musik abspielen und haben dann ein paar Minuten Zeit, um zu reagieren.»
rmt_oz_weiden_17
10.00

Live vom Pausenplatz

«Hoi zämä, mir sind d'2SB vom Schuelhuus Widä und ihr losed Powerup-Radio. S'erschte Thema i dä erschte Stund isch Fuessball, wo jede glücklich macht.» Die beiden Lautsprecherboxen auf dem Dach des Radiomobils verbreiten die ersten Worte der Live-Sendung über dem Pausenplatz. Rasch bildet sich vor der mobilen Radiostation eine kleine Traube von Neugierigen. Online haben sich 87 Hörerinnen und Hörer zugeschaltet.
rmt_oz-weiden_18
10.03

Die Kinder machen lassen

Das Programm ist eng getaktet: 2 Minuten News, 1 Minute Wetter, 30 Sekunden Anmoderation, 2 Minuten Livegespräch, dann ein Musikstück. Auch wenn er die Fäden in der Hand hat, hält sich Damian bewusst zurück. «Ich will nicht, dass die Erwachsenen sagen, wie es läuft. Die Ideen sollen von den Kindern kommen und wir unterstützen sie als Coach.» Radiomachen ist für ihn auch eng mit der pädagogischen Arbeit verknüpft. Beispielsweise wenn es darum geht, den Radionovizen ein Gefühl von Sicherheit zu geben.
rmt_oz_weiden_19
10.04

Mut, Selbstkompetenz und Überwindung

Klassenlehrerin Daniela Huwyler ist begeistert und stolz. Gelingt ein Übergang besonders gut oder fällt eine Frage unerwartet pointiert aus, überfällt sie ein herzhaftes Lachen. Als Literaturredaktorin bei Radio SRF weiss sie um die Herausforderungen des Radiomachens: «Es braucht Mut, Selbstkompetenz und Überwindung.» Darum freut sie das Engagement ihrer Schülerinnen und Schüler besonders. Zwei Wochen haben sie sich vorbereitet und die Themen der Sendung selbständig erarbeitet.
rmt_oz_weiden_30
10.16

Journalismus-Luft schnuppern

Begeisterung am Radiomachen ist auf dem Pausenplatz des Oberstufenzentrums Weiden des Öfteren zu beobachten – so auch bei Livio Widmer, der gerade zwei Klassenkameraden interviewt. «Reportagen können Kribbeln, Adrenalin oder Hochgefühle auslösen», schwärmt Daniela Huwyler. Darum hoffe sie, dass die positiven Gefühle des Radiomobiltages anhalten werden und dass einzelne Schülerinnen und Schüler sich mehr für den Journalismus interessieren.
rmt_oz-weiden_36
10.48

Anfangsnervosität schwindet rasch

Marco Hürzeler amtet in der ersten Sendestunde als Moderator und hat einen entsprechend hohen Redeanteil. «Ich habe es cool gefunden und mir ist nie langweilig geworden», resümiert der Fünfzehnjährige. Gleichzeitig sei er zu Beginn sehr nervös gewesen. Dies habe sich dann aber rasch gelegt. Nicht zuletzt dank der Unterstützung der Sendungsmacher Lea und Luca, welche die Jugendlichen durch die Sendung führen und ihnen bei technischen Kniffs unter die Arme greifen.
rmt_oz_weiden_43
11.01

Blick in die Zukunft

Den zweiten Sendeblock widmen die Sekundarschülerinnen und –schüler aus Jona dem Thema Zukunft. Dabei tauchen Fragen auf wie: «Was ist dein erster Gedanke, wenn du an 2050 denkst?», «Denkst du, dass das Handy immer noch die gleiche Bedeutung haben wird wie heute?» oder «Glaubst du, dass es bis 2050 einen dritten Weltkrieg geben wird?».
rmt_oz_weiden_51
11.20

Zuhören ist Wertschätzung

Elijona hat ihren Einsatz bereits hinter sich und folgt mit dem Rest der Klasse entspannt der Sendung ihrer Mitschüler. Gibt es einen Wechsel im Radiobus, fallen Gratulationen und Glückwünsche zum erfolgreichen Auftritt. In den Augen von Damian eine schöne Geste. «Zuhören ist auch eine Wertschätzung für die geleistete Arbeit.» Und die kann es durchaus in sich haben. Elijona musste bei ihrem Quiz beispielsweise feststellen, dass es als Moderatorin sehr herausfordernd sein kann, wenn man sehr kurze oder stets identische Antworten erhält.
rmt_oz_weiden_59
11.33

Begeistern oder beruhigen

Im Radiobus geht’s Schlag auf Schlag. Im Mittelpunkt stehen die Jugendlichen, die ihre vorbereiteten Beiträge nach eigenem Gusto präsentieren und auch die Musik dazwischen selber auswählen. Die Radiomacher halten sich bewusst zurück. «Unsere Aufgabe ist, die Restspieldauer von Musikstücken anzusagen oder mit den Kids zu klären, wer seinen Kopfhörer offen haben will», erklärt Lea. Im pädagogischen Bereich gehe es oft auch darum, die Stimmung und die Dynamik unter den teilnehmenden Schülern zu erfassen und entsprechend zu reagieren.
rmt_oz_weiden_61
11.39

Leidenschaft Radio

Daniela Huwyler wird nicht müde, ihre Schützlinge mit den wichtigsten Tipps und Tricks aus der Radiowelt zu versorgen - vom Nachfassen bei Interviews bis hin zu sprachlicher Intonation und Dramaturgie. «Für uns sind solche Lehrpersonen ein Geschenk», schwärmt Damian und relativiert aber zugleich: «Radiowissen oder technisches Flair sind keine Grundvoraussetzungen für eine Teilnahme an einem Radioprojekt.» Die Mitarbeitenden der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi würden mit dem arbeiten, was vorhanden ist. Genau dies mache jedes Projekt einzigartig und spannend.
rmt_oz_weiden_73
11.51

Lernen in der Praxis

Für die 19 Schülerinnen und Schüler der 2. Sekundarklasse war der Radiotag ein Sprung ins kalte Wasser. Warum sie ihre On-Air-Erfahrungen mit einem Freudensprung abschliessen können, erzählen einige Probanden gleich selbst. Giona: «Mir hat das Radioprojekt geholfen, weil ich gelernt habe, ein Interview zu machen, welches auch spannende Fragen enthält.» Lakisha: «Am Tag der Live-Aufnahme war ich schon ziemlich aufgeregt. Als ich dann aber im Radiobus sass, ging das alles weg und ich war total konzentriert.» Amira: «Ich würde das Projekt sicher weiterempfehlen. Ich denke, es hat die Klasse ein wenig näher zusammengebracht und ich glaube, dass es für alle eine gute Übung zum Flüssigreden war."

Am Radio reflektieren

Lehrpersonen nutzen den Radiobus der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi oft als Reflexionstool. Schulklassen, welche eine Projektwoche im Kinderdorf in Trogen verbrachten, können auf diese Weise ein paar Wochen danach an ihrem Wohnort darüber berichten, was sie alles gelernt haben. Was im Zusammenhang mit dem Radiobus alles möglich ist, beschreibt die Webseite von Powerup-Radio umfänglich.

Weitere Artikel von Christian Possa

Spenden

Placeholder disclamer

Ja, ich möchte für die dringendsten Projekte spenden.

Ja ich möchte für das Kinderdorf spenden.

Ja ich möchte für Ostafrika spenden.

Ja ich möchte für Südostasien spenden.

Ja ich möchte für Südosteuropa spenden.

Ja ich möchte für Zentralamerika spenden.

Ja, ich möchte dem Freundeskreis beitreten.

Herzlichen Dank für Ihre Spende

Erzählen Sie Ihren Freunden vom Kinderdorf Pestalozzi.

Weitersagen