Vorurteile fangen bei der Sprache an

26.07.2018 - 17:16 | Julika Funk

Auch Kinder haben ein Anrecht darauf, nicht diskriminiert zu werden. Wir sollten daher auf unsere Wortwahl achten, findet unsere Autorin. Denn so manche (unbedachte) Äusserung kann auf andere verletzend wirken.

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Als ich kürzlich Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren für meine kleine Nichte kaufen wollte, habe ich kurz gestutzt. Ist das noch die Pippi aus meiner Kindheit? Einige Passagen haben sich geändert. Die Stellen, an denen das Wort «Neger» vorkam, sind umgeschrieben worden mit der Begründung, sie seien nicht mehr zeitgemäss und entsprächen nicht dem heutigen Menschenbild. 

Rassismus und Vorurteile sollen an einzelnen Worten hängen? Astrid Lindgren ist über solche Vorwürfe erhaben, aus ihren Büchern spricht ein humanitärer Anspruch, Liebe und Verständnis gegenüber allen Menschen prägen ihre Kinderbücher. 

Vorurteile – was kann ich in meiner Familie tun?

Als Erwachsene neigen wir oft dazu zu denken: Was mir nicht geschadet hat, schadet auch meinen Kindern nicht. Wir verklären und verharmlosen, was wir selbst in der Kindheit erlebt haben. Ich habe doch auch keine Vorurteile, bloss weil ich als Kind «Mohrenköpfe» verputzt habe. Aber ist das wirklich so? 

Hat es bei mir nichts ausgelöst, dass wir als Kinder «Zehn kleine Negerlein» rauf und runter gesungen haben? Hat es meine Vorstellung von der Welt und anderen Menschen nicht nachhaltig geprägt? Doch, das hat es. Denn damit haben wir uns abgegrenzt von den «armen Hungerleidenden in Afrika», mit denen man zwar im besten Fall Mitleid haben kann und denen man helfen sollte, die aber doch so grundlegend anders sein sollen als «wir». Was kann ich in meiner Familie tun, wenn ich mich oder andere bei der (unbewussten) Äusserung von Vorurteilen ertappe? 

«Entschuldigung, ich meinte ‹Schaumkuss›, nicht ‹Mohrenkopf›.»

Peinlich berührt schweigen oder abwenden ist nicht hilfreich. Bei den Betroffenen hinterlässt dieses Verhalten das Gefühl, irgendwie falsch oder fehl am Platz zu sein. Da ist es besser, in die Offensive zu gehen, sich selbst auch einmal zu korrigieren und Fehler einzugestehen: «Entschuldigung, ich meinte ‹Schaumkuss›, nicht ‹Mohrenkopf›.» 

Kinder sind in der Regel sehr empathisch, haben ein gutes Gerechtigkeitsempfinden und sind sehr menschenfreundlich. Es lohnt sich, über die eigene Wortwahl zu reflektieren und wenn nötig mit Gewohnheiten zu brechen. Vorurteile fangen bei der Sprache an. Zuerst war ich befremdet, dass man in einen Klassiker der Kinderliteratur eingreift. Aber nun bin ich froh, dass ich meiner Nichte ein wirklich gutes Buch vorlesen kann und nicht zu peinlichen Erklärungen ansetzen muss: «Hier steht zwar ‹Neger›, aber weisst du, eigentlich ist das ganz anders gemeint … » Kinder lassen sich nicht verschaukeln.

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