Wissen, wo was wirkt

24.05.2018 - 13:07 | Christian Possa

Wer Projekte mit finanziellen Mitteln unterstützt, will wissen, ob diese Mittel zielgerichtet und wirkungsvoll eingesetzt werden. Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi hat im Jahr 2016 ein übergreifendes Konzept erarbeitet, mit dem die Bildungsprojekte im In- und Ausland regelmässig auf ihre Wirkung geprüft werden.

Seit der Gründung des Kinderdorfes vor mehr als 70 Jahren steht die grösstmögliche Wirkung im Fokus der Projekte. Dreht sich die Arbeit in Trogen um die verschiedenen Facetten der Interkulturalität, konzentriert sich die Stiftung im Ausland darauf, benachteiligten Kindern Zugang zu qualitativer Bildung zu ermöglichen. Dabei verfolgt die Stiftung einen klaren Ansatz: Die Projekte werden von ansässigen Organisationen in enger Zusammenarbeit mit der Bevölkerung geplant, durchgeführt und laufend überprüft. Ein spezielles Augenmerk richtet die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi auf die Effizienz der eingesetzten Mittel. "Transparenz gegenüber unseren Geldgebern – egal ob grosse Vergabestiftung oder private Spender – hat an Wichtigkeit zugenommen", sagt Grégory Häuptli. In den Augen der Fachperson Programme International ist eine effiziente Wirkungsmessung aber nicht nur ein Kontrollinstrument, sondern gleichzeitig auch eine Methode, um die eigene Arbeit zu reflektieren und so organisationales Lernen und Weiterentwicklung zu ermöglichen.

Systematisches Vorgehen

2016 hat sich eine Fachgruppe der Stiftung intensiv mit dem Thema Wirkungsmessung auseinandergesetzt. Entstanden ist ein übergreifendes Konzept, das auf international anerkannten Standards basiert. Eine entscheidende Rolle spielt das Wirkungsmodell, welches festhält, mit welchen personellen, finanziellen und materiellen Ressourcen eine Aktivität realisiert werden soll und über welche Zwischenresultate und Wirkungsziele das übergreifende Ziel erreicht werden soll. Verglichen mit dem bisherigen Ansatz zeichnet sich das neue Modell vor allem durch eine stärkere Systematisierung aus. "Wir haben beispielsweise schon bisher mit Logframes gearbeitet", erklärt Grégory Häuptli. "Neu ist das systematische Monitoring, welches festhält, wer wann wo welche Daten erhebt und analysiert."

Erste positive Ergebnisse lassen sich in den Augen von Grégory Häuptli bereits auf die neue Wirkungsmessung zurückführen: "Wir können genauer aufzeigen, welche Erfolge in unseren Projekten erzielt werden und dies unseren Anspruchsgruppen entsprechend detaillierter kommunizieren." Gleichzeitig bewegt sich die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi mit ihrem Fokus auf Bildung in einem Segment, wo viele Daten oft nur in qualitativer Form erhoben werden können und entsprechend von der subjektiven Wahrnehmung des Interviewers gefärbt sind. Gerade in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit sieht sich die Stiftung auch oft mit der Ausgangslage konfrontiert, dass die Datengrundlagen vor Ort herausfordernd sind, bzw. quantitative Daten gar nicht oder nur in mangelhafter Qualität vorhanden sind. Ein Beispiel: Stehen in Partnerschulen keine Computer zur Verfügung oder finden nur jährlich nationale Vergleichstests statt, erschwert dies die Aufgabe, Rückschlüsse auf die Lernerfolge betroffener Schülerinnen und Schüler zu ziehen. Für Grégory Häuptli liegt die Kunst der Wirkungsmessung deshalb oft darin, eine Balance zwischen etwas Machbarem und etwas Brauchbarem im Rahmen der vorhandenen Ressourcen zu finden.

Gleiches gilt auch hinsichtlich der Finanzierung. Eine langfristige Wirkungsmessung mit zusätzlichen Kontrollgruppen, die nicht vom Projekt profitiert haben, ist wünschenswert. Nur so lässt sich mit Bestimmtheit und wissenschaftlich ganz korrekt festhalten, welche Veränderungen das Projekt ausgelöst hat und welche von gesellschaftlichen Faktoren beeinflusst wurden. Ebenso müsste man den Erfolg des Projektes in seiner gesellschaftlichen Dimension auch nach dessen Abschluss weiterverfolgen, um die Nachhaltigkeit der Wirkung verifizieren zu können. Beides ist finanziell herausfordernd und erhöht zudem Messaufwand und Ressourceneinsatz. Dies sprengt gerade bei kleineren Projekten rasch den finanziellen Rahmen und wirft Fragen der Verhältnismässigkeit auf. Eine mögliche Antwort darauf ist, dass Projektförderer, welche diese intensive Wirkungsmessung wünschen, sich bereit erklären, die Evaluationskosten zu tragen.

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Die Wirkungsmessung dient der Profilbildung im Feld der internationalen Entwicklungszusammenarbeit - darum setzen sich auch die Länderverantwortlichen intensiv mit dem Thema auseinander.

Regelmässiger Abgleich

Ganz allgemein lässt sich der Erfolg der Aktivitäten der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi daran messen, inwiefern auf individueller, institutioneller und politischer Ebene die Resultate zu einer Verbesserung im Bereich Zugang zu qualitativer Bildung geführt, zu einer Entwicklung spezifischer Kompetenzen sowie zu einem friedlicheren Zusammenleben beigetragen haben. Entscheidend ist, dass die Aussagen der Wirkungsmessung regelmässig mit dem geplanten und erwarteten Wirkungskreislauf abgeglichen werden.

Die Projekte, welche die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi in zwölf Ländern weltweit unterstützt, erstrecken sich aufgeteilt in drei Phasen über einen Zeitraum von maximal zehn Jahren. Das Zentrum der Massnahmen zur Wirkungsmessung bildet das Projekt- und Programm-Monitoring, das den Fortschritt von Projekten und Programmaktivitäten beobachtet und mit deren Zielerreichung überprüft. "Etwas vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies", so Grégory Häuptli, "dass die Evaluation nach einer Phase die Basis für die Planung der nächsten Phase bildet."

Auf Projektebene betreffen Verbesserungen oft vermeintlich einfache Abläufe, wie ein Beispiel aus Mazedonien zeigt. Bei einem Elterntreffen wollte die lokale Partnerorganisation der Stiftung die Gründe für die hohe Schulabbruchsrate eruieren, jedoch folgten fast keine Eltern der Einladung. Nachforschungen ergaben, dass einerseits Ort und Zeitpunkt ungünstig gewählt waren. Andererseits stellte sich die Präsenz gewisser Personen als Hemmfaktor für einen lösungsorientierten Gesprächsrahmen heraus.

Frühzeitig reagieren

Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi hat die Rhythmen der Wirkungsmessung den internen und externen Reportingprozessen sowie den internen Strategie- und Planungsprozessen angepasst. Für beide Programmdepartemente gilt: Wird festgestellt, dass die effektive Leistungserbringung vom geplanten Output abweicht, werden die Gründe und Konsequenzen analysiert. So können frühzeitig korrigierende Massnahmen eingeleitet werden. Nach jeder Wirkungsüberprüfung wird in beiden Departementen ein Plan erarbeitet, wie und wann Empfehlungen umgesetzt werden.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die intensivierte Wirkungsmessung allen Betroffenen zugutekommt: Staatliche Akteure sowie Geldgeber von der Vergabestiftung bis zum privaten Spendenden haben mehr Transparenz bezogen auf die Wirkung der eingesetzten Mittel. Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi kann die gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um Wissen innerhalb der Organisation aufzubauen, für die Zukunft zu lernen und ihre Aktivitäten wirkungsorientiert zu lenken.

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Dieses Wirkungsmodell bildet die Grundlage für eine laufende Überprüfung und Weiterentwicklung der Projekte der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi.

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