«Meine Geschichten haben einen Platz»

Im Dezember hat das Radiomobil der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi in Jenins Halt gemacht. Eine Woche lang haben die Schülerinnen und Schüler – vom Kindergarten bis zur sechsten Klasse – eigene Sendungen realisiert und dabei viel dazugelernt.

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Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern diskutiert im Radiobus die Vor- und Nachteile von regionalem und saisonalem Gemüse.

«Ich weiss jetzt, wie man Radio macht», sagt Daniele. Der 12-Jährige hat gemeinsam mit seinem Freund Joel Newsbeiträge erstellt. Zur Vorbereitungen haben sie jeweils verschiedene Zeitungen durchgeblättert, Themen gewichtet und ausgewählt, wo nötig mit Internetrecherchen ergänzt und dann in eigenen Worten in einem Word-Dokument zusammengefasst. Das Vorbereiten sei schon cool gewesen, findet auch Joel. «Aber es hat auch richtig Spass gemacht, in den Radiobus einzusteigen und Radio zu machen.»

In vielen Bereichen wachsen

Was die Kinder alles unbewusst dazulernen, während sie mit Begeisterung ihren Arbeiten nachgehen, ist für die Lehrpersonen aus Jenins ein grosses Plus des Mediums Radio. Martin Gredig nennt die Auftrittskompetenz als ein Beispiel. Aber auch in der Sprachförderung liessen sich sehr viele Kompetenzen abdecken: «Die Schülerinnen und Schüler lernen, Texte zu verfassen, zu verarbeiten und so umzuformulieren, dass sie präsentiert werden können und von anderen verstanden werden.» Und dann kämen noch all die sozialen Aspekte dazu, ergänzt Franziska Lerjen. Sprich: die ganzen Rückmeldungen, die sie von ihren Eltern, Grosseltern und Freunden erhalten. Die Kindergartenlehrperson erinnert sich gerne an den ersten Tag zurück, als ein Primarschüler vier Kindergartenkindern auf eine gemeinsame Sendung rückmeldete: Ihr seid so sensationell gewesen, ihr wart super! «Da strahlen sie dann auch und fühlen sich grad etwas grösser als sonst.»

Über den eigenen Schatten springen

Eine gewisse Nervosität gehört beim Radiomachen mit dazu – schliesslich kann die ganze Welt mithören, wenn sie denn will. Bei den meisten Kindern legt sich die anfängliche Aufgeregtheit aber rasch. Dies hat auch Primarschülerin Severina festgestellt. Für zukünftige Radiomacher:innen hält sie schon mal einen wertvollen Tipp bereit: «Wenn man sich verspricht, dann sagt man es einfach nochmals und macht ganz normal weiter.» Dass sich im Verlauf der Woche eine gewisse Routine einstellt und sich die Schülerinnen und Schüler von Sendung zu Sendung verbessern, hat auch Franziska Lerjen beobachtet. Man habe bei allen gehört, dass sie sich weiterentwickeln. «Die Kinder merken: Ich bin jemand, ich werde gehört und meine Geschichten haben einen Platz.» Martin Gredig pflichtet ihr bei: «Es war für mich ein Highlight, zu sehen, wie Kinder, die sich Anfangs der Woche kaum getrauten, ihren Mund zu öffnen, plötzlich den Mut fanden, vor das Mikrofon zu treten und ihre Sachen zu verkaufen.»

«Die Schülerinnen und Schüler lernen, Texte zu verfassen, zu verarbeiten und so umzuformulieren, dass sie präsentiert werden können und von anderen verstanden werden.»