100 Jahre Bauhaus

19.07.2019 - 10:55 | Elisabeth Reisp

In diesem Jahr jährt sich die Gründung des Bauhauses zum 100. Mal. Dieser legendären Kunstschule ist auch der gleichnamige Baustil entsprungen, der die Architektur revolutionierte. Für die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi ist dieses Jubiläum ein Grund zu feiern: Das Kinderdorf wurde vom berühmten Bauhausarchitekten Hans Fischli entworfen.

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Fischli hat mit seinem Baustil das Kinderdorf geprägt.

«Ich liebe meine frischen Appenzeller Häuser, sie zeigen meine Handschrift.» In einem Satz drückt Architekt Hans Fischli umfassend sein grosses Engagement für das Kinderdorf, seine Liebe zur Architektur und auch seine Freude an der Jugend aus. Es schwingt aber auch verhohlener Stolz mit über seinen architektonischen Wurf auf dem Hügel oberhalb Trogens. Umso überraschender ist diese Aussage von Fischli im Wissen darum, dass die Appenzellerhäuser des Kinderdorfes sein atypischstes Werk überhaupt sind. Denn Hans Fischli war ein grosser Architekt des Bauhaus-Stiles. Dieser modernen Baukunst, deren Anfänge in den 1920er-Jahren liegen und die durch ihre avantgardistische Art die Bevölkerung schockierte. Typisch für diesen Baustil, der in diesem Jahr 100 Jahre alt wird, sind flache Dächer, kubistische Formen und grosse Glasfronten. Bauhaus-Architekten legten grossen Wert auf Rationalität und Funktionalität ihrer Bauten. Diesen Prämissen folgend sollte auch das Kinderdorf Pestalozzi ursprünglich erbaut werden. Der erste Entwurf sah eingeschossige Gebäude mit flachen Dächern vor.

Doch es war Fischli selbst, der davon abkam, das Kinderdorf mit kubistischen Bauten zu gestalten. Er kam zum Schluss, dass eine Heimat für Kinder auch entsprechend heimelig aussehen sollte. Ein gemütliches, beschützendes, warmes Haus, das den Kindern die Geborgenheit einer elterlichen Umarmung bieten sollte. Also verwarf er seine ursprünglichen, modernen Pläne und entschied sich, die Funktionalität des Bauhaus-Stiles in die der Umgebung entsprechende Appenzeller Form zu verpacken.

Mehr als eine Unterkunft

Das Kind stand immer im Mittelpunkt von Fischlis Arbeit für das Kinderdorf. Die Kriegswaisen sollten im hügeligen Appenzeller Vorderland nicht nur ihr Zuhause, sondern auch ihr Friedensparadies finden. Fischli plante achtsam, so als hätte er jedes einzelne Kind bereits vor seinem inneren Auge. Die künftigen Bewohner des Dorfes sollten nicht nur einen Unterschlupf finden, sondern jeder Einzelne sollte auch eine eigene «Heimstatt» erhalten. Die Heimstatt bestand aus Bett, Stuhl, Tisch und einem Schrank. Fischli, der nicht nur Architekt, sondern auch Designer und Künstler war, liess es sich nicht nehmen, auch diese Möbel selbst zu entwerfen. Er ging aber keinesfalls beliebig vor, sondern normierte das Mobiliar und folgte damit auch hier einem grösseren Plan: Dieses Normraster von 90 auf 90 Zentimeter wurde zum Gestaltungsprinzip für die Kinderhäuser.

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Mithilfe von zahlreichen Freiwilligen wurden die Häuser gebaut.

Nichts dem Zufall überlassen

Und auch die Kinderhäuser sind keinesfalls zufällig auf dem Hügel oberhalb Trogens hingewürfelt worden. Penibel analysierte Fischli die Topografie, den Sonneneinfall und die einfallenden Winde. Umsichtig berücksichtigte er auch die bereits bestehenden Bauten, nämlich das Haus Grund, das Nagelhaus und das Haus Büel. Das Haus Grund, in dem seit jeher die Verwaltung des Kinderdorfes arbeitet, wählte Fischli als Zentrum des Dorfes. Darum herum reihen sich die Kinderhäuser, alle mit hellen Stuben. Die Wohn- und Schlafräume sind auf der guten Wetterseite, also gen Süden gerichtet.

Die Umsichtigkeit seiner Planung des Kinderdorfes, aber auch seine Grösse, den eigenen Stil für die Kinder und die Umgebung anzupassen, sind deutliche Bekenntnisse, dass es ihn mit grosser Freude erfüllte, Teil der Geschichte des Kinderdorfes zu sein. Auch in seinem «Rapport» finden sich immer wieder entsprechende Aussagen. Doch genau dieses Bekenntnis zur Region und somit zur Appenzeller Architektur verhinderte später eine Aufnahme Fischlis in den renommierten Architektenclub CIAM. Die kleinen Holzhäuschen Fischlis wurden von seinen damaligen Kollegen nicht selten belächelt.

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