Dichtestress im Schulzimmer

04.10.2018 - 16:53 | Elisabeth Reisp

In Ostafrika umfassen Schulklassen 100 oder noch mehr Kinder. Für Lehrperson und Schulkinder eine schier unzumutbare Situation, denn ein Lernerfolg ist unter diesen Umständen kaum zu erringen. Entsprechend haben viele Kinder grosse Defizite beim Lesen, Schreiben und Rechnen.

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Alltag in ostafrikanischen Schulen: über 100 Kinder pro Klasse.

In der Schweiz sind die Klassengrössen geregelt. Je nach Kanton beträgt diese zwischen 22 und 28 Schüler pro Klasse. Grund für die Festlegung der Maximalgrösse ist die Gewährleistung des Lernerfolgs der Schülerinnen und Schüler. Je grösser die Klassen, desto weniger Zeit bleibt der Lehrperson für die Betreuung des einzelnen Kindes. Die maximale Klassengrösse wird selten erreicht. Im Jahr 2012 waren im Kanton Zürich durchschnittlich 19 Kinder in einer Primarklasse. Dennoch haben Lehrerinnen und Lehrer bei einer Umfrage des Zürcher Lehrerverbandes angegeben, dass die Hauptbelastung nicht der administrative Aufwand sei, sondern die Klassengrösse. 6500 Kilometer entfernt, in Tansania, sitzen über 100 Kinder in einem Klassenzimmer.

Eine Toilette für 100 Kinder

In Tansania wurden die Schulgebühren 2002 abgeschafft. Es trat der erwünschte Effekt ein: Mehr Kinder besuchen seither die Primarschule. Da die Regierung die Infrastruktur noch nicht anpassen konnte, hat sich die Zahl der Lehrkräfte und Klassenräume aber kaum verändert. Folglich müssen die Lehrpersonen nun mehr Kinder unterrichten. Im Jahr 2017 betrug die durchschnittliche Klassengrösse in Tansania 80 bis 100 Kinder pro Klasse, in ländlichen Gegenden sind es bis zu 200 Kinder pro Klassenzimmer. Ein weiteres Problem: Auch die Anzahl der Toiletten an den Schulen wurde vielerorts noch nicht der Schülerzahl angepasst. Im Durchschnitt gibt es eine einzige Toilette für 100 Kinder. Hinzu kommt, dass gemäss einem Bericht der Unesco etwa 90 Prozent der Schulen keine Möglichkeit bieten, nach der Toilette die Hände zu waschen. Die unzureichende Hygiene führt gerade in Schulen zu Durchfallerkrankungen. Tansania kennt zudem kein System für die Identifikation, Erfassung oder gar für die Unterstützung von Kindern mit einer Beeinträchtigung in öffentlichen Schulen. Das bedeutet, Kinder mit einer Lern- oder Leseschwäche gehen in der grossen Masse an Schulkindern unter und werden nicht gefördert.

All das führt dazu, dass die Kinder zu wenig lernen können. Analphabetismus ist bei Schulkindern ein grosses Problem. So scheitert jeder zweite Siebtklässler daran, ein Schulbuch der 2. Klasse in Englisch (einer der beiden Amtssprachen in Tansania) zu lesen. Jeder vierte Siebtklässler kann ein Schulbuch in Swahili für Zweitklässler nicht lesen. Und mehr als die Hälfte der Drittklässler können Matheaufgaben auf Niveau der 2. Klasse nicht lösen.

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Wer keinen Platz am Pult findet, sitzt auf den Boden.

580 Lehrpersonen weitergebildet

Eine ganz ähnliche Situation zeigt sich im südlichen Nachbarland von Tansania, in Mosambik. Dort hat die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi erst im letzten Jahr ihre Tätigkeit aufgenommen. Im Land an der Ostküste Afrikas wurde die Schulgebühr im Jahr 2000 abgeschafft. Als Folge davon hat sich die Zahl der Schulkinder in weniger als zehn Jahren verdoppelt. Wie in Tansania gibt es auch in Mosambik viel zu wenige Lehrerinnen und Lehrer. Bei allem guten Willen leidet die Qualität der Schulbildung dennoch enorm.

Mit verschiedenen Projekten engagiert sich die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi in Tansania, Mosambik und Äthiopien, damit Kinder eine angemessene Schulbildung erhalten. So werden in unseren Projekten etwa Lehrpersonen weitergebildet, damit sie Kinder mit Methoden unterrichten können, die dem heutigen pädagogischen Kenntnisstand entsprechen. Im letzten Jahr haben wir in Ostafrika 580 Lehrkräfte weitergebildet. Wir konnten in Schulen Bibliotheken finanzieren, damit die Kinder eine Auswahl an Lesebüchern zur Verfügung haben. In Mosambik unterstützt die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi auch den Bau von sanitären Anlagen in den Schulen. Und wir entwickeln zusammen mit unseren Partnerorganisationen Schulbücher, weil es für Schülerinnen und Schüler, die eine Minderheitensprache sprechen, nicht einmal das gibt.

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