Wenn Mensch und Maschine verschmelzen

14.02.2020 - 16:30 | Lina Ehlert

Wie unterstützen Roboter Menschen mit Behinderungen? Auf welcher ethischen Grundlage treffen Roboter Entscheidungen? Wie baut man einen Roboter? Diesen Fragen gehen rund 50 Kinder während der Digiweek im Kinderdorf nach. Unter dem Motto «Labor der Zukunft» erleben die Kinder robotische Assistenzsysteme für behinderte Menschen hautnah und programmieren Tanzroboter.

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Armin Köhli zeigt den Kindern, wie sie sich trotz Behinderung Herausforderungen stellen.

Armin Köhli hat mit 15 Jahren bei einem Unfall seine Unterschenkel verloren. Doch das hält ihn nicht davon ab, Spitzensport zu treiben. Er ist Profi-Radfahrer und Botschafter von PluSport, dem Dachverband für Behindertensport. An der Digiweek zeigt er den Kindern, wie es ist, mit einer Behinderung zu leben und wie ihn Prothesen und robotische Assistenzsysteme unterstützen. Dafür wird in der Turnhalle des Kinderdorfes ein Parcours aufgestellt. Die Kinder spielen Basketball im Rollstuhl, laufen Slalom mit Prothesen und überwinden Hindernisse blind. Nach anfänglichen Hemmungen stellen sie sich den Herausforderungen und sie lernen schnell.

«Mit einer Prothese zu laufen, sieht einfacher aus, als es ist. Aber Übung macht den Meister.»

Jakob – 11 Jahre

«Indem die Kinder Behinderungen hautnah erleben, lernen sie, damit umzugehen und können ein entspanntes Verhältnis zu Menschen mit Behinderungen entwickeln», erklärt Armin Köhli. In einer anschliessenden Gesprächsrunde löchern ihn die Kinder mit ragen: Wie hast du deine Füsse verloren? Hattest du starke Schmerzen? Was waren deine Gedanken nach dem Unfall? Armin steht Rede und Antwort, und die Kinder folgen gespannt seiner Geschichte.

Ein Blick in die Zukunft

Im anschliessenden Cybathlon-Workshop kommen die Kinder erstmals mit robotischen Assistenzsystemen in Berührung. Sogenannte Exoskelette, also robotische Stützen für den Körper, helfen bei Lähmungen oder Muskelschwäche, die Arme und Beine zu bewegen. Sie können per Fernsteuerung, durch kleine Muskelimpulse oder sogar mit Gedanken gesteuert werden. Bis anhin ist die Technik der Exoskelette noch nicht so weit, als dass sie Rollstühle und Prothesen vollständig ersetzen könnte. Doch in Zukunft wird dies wohl bald möglich sein.

Die Kinder probieren die Exoskelette am eigenen Körper aus. Anfangs streikt die Technik, doch als es dann funktioniert, sind sie hellauf begeistert. Der Arm, eingepackt in das robotische Skelett, bewegt sich wie von alleine. «Man fühlt sich fast schon wie ein Roboter», findet Jakob.

Ein sinnvoller Umgang mit Technik

Die Kinder diskutieren auch ethische Fragen zum Thema Robotik. Sie sehen sich ein Video an, in dem ein Junge einen Roboterhund kickt. «Auch wenn der Roboter nichts spürt, finde ich es nicht okay, ihn zu kicken. Ich habe Mitleid mit ihm», meint Mara. Die Mehrheit der Kinder stimmt ihr zu. «Die Digiweek soll den Kindern nicht nur das Potenzial von Robotern aufzeigen, sondern auch, wie sie sinnvoll eingesetzt werden. Damit die Kinder in Zukunft verantwortungsbewusst und reflektiert mit technischen Innovationen umgehen», erklärt die Projektleiterin der Digiweek Lukrecija Kocmanic.

Brennende Fragen aus dem Radiostudio

Ihre Erfahrungen teilen die Kinder auch im dorfeigenen Radiostudio. Im Workshop mit powerup_radio produzieren sie eine eigene Radiosendung. Sie recherchieren und führen Interviews miteinander. Unterstützt werden sie dabei von den Pädagoginnen und Pädagogen des powerup_radios. Sie geben den Kindern Tipps und Tricks für das Moderieren. Die Themen können die Kinder selber bestimmen. Eine Gruppe erzählt von Fussball, Eishockey und Monstertrucks. Eine andere spricht über ihre Zeit im Kinderdorf und über Robotik.

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Die Kinder bereiten sich auf ihre Sendung vor.

Vor allem die ethischen Fragen im Zusammenhang mit Robotern haben es den Kindern angetan. Wen soll ein selbstfahrendes Auto bei einem Unfall zuerst schützen? Die Fahrerin oder den Fahrer oder etwa die auf der Strasse laufenden Personen? Die Kinder führen für die Radiosendung eine Umfrage durch und kommen zum Schluss: Die meisten Menschen würden zuerst das Leben der anderen Personen schützen. Solche elementaren Fragen müssen sich derzeit die Programmierer grosser Technologie-Unternehmen stellen. Die Kinder machen sich auch Gedanken um ihre zukünftigen Berufschancen. Werden Roboter ihnen die Jobs klauen? «Nein», findet Teilnehmer Joel. «Ich denke, es gibt dann mehr Jobs, bei denen man Informatik und Technik braucht. Die Roboter müssen schliesslich programmiert werden, und dafür braucht es Menschen.»

Junge Tüftlerinnen und Tüftler

Um einen Einblick in Informatik und Technik zu erhalten, können die Kinder im «Labor der Zukunft» selber tüfteln und programmieren. Unterstützt von Lehrpersonen von mint&pepper bauen sie tanzende Roboter. Jedes Kind bekommt ein Set mit Bauteilen: Lichter, Lautsprecher, Batterien, Räder und Platten. Kursleiter Kevin Schneider erklärt ihnen, was eine Leiterplatte macht und wie sie den Lötkolben einsetzen können. Die Kinder erhitzen die Platten, giessen Lötzinn darüber und montieren dann die Bauteile. Ein metallischer Geruch verbreitet sich im Schulzimmer, vereinzelt steigen Rauchschwaden von den Tischen auf. Die Kinder sind extrem motiviert, einige von ihnen haben sogar schon ein grosses Vorwissen über Roboter und wie man diese baut.

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Beim Löten ist viel Fingerspitzengefühl gefragt.

Nach dem Löten geht es an das Dekorieren der Roboter und das Programmieren der Tanzchoreografie. Im Computerprogramm wählen die Kinder ein Lied aus und bestimmen die Bewegungen des Roboters dazu. Hier geht es ums Ausprobieren und ums Kreativsein.

«Robotik ist ein spannendes Thema, das in Zukunft immer wichtiger werden wird. Wir zeigen den Kindern die Robotik auf eine spielerische Art, sodass sie Spass dabei haben. Und vielleicht entscheidet sich ja jemand später für ein Studium in Robotik.»

Kevin Schneider – Kursleiter Robotik
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Die Kinder programmieren, wann sich der Roboter dreht, im Slalom fährt oder blinkt.

Die Tanzpartner der Zukunft

Der Höhepunkt der Woche ist die grosse Abschlusspräsentation am Schluss. Nun können die Kinder ihr erlerntes Wissen zur Schau stellen. Verwandte und Bekannte der teilnehmenden Kinder versammeln sich in der Turnhalle. Die Kinder haben zum Lied «Happy» von Pharell Williams eine Choreografie einstudiert. Aufgeregt stehen sie auf der Bühne. Das Lied fängt an, und kichernd beginnen sie ihren Tanz. Neben jedem Kind blinkt und surrt es. Die Kinder stehen nicht alleine auf der Bühne, sie werden von ihren futuristischen Tanzpartnern begleitet: den Robotern!

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Mensch und Maschine tanzen gemeinsam am Abschlussabend.

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