Ein Hauch einer Perspektive

08.04.2019 - 11:20 | Christian Possa

Viele Roma-Kinder in Nordmazedonien drohen den Anschluss ans Bildungssystem zu verlieren. Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi unterstützt besonders gefährdete Familien in zwölf Gemeinden bei der Einschulung ihrer Kinder. Ein Besuch bei Ajnur und seinen Söhnen Sefedin und Rahmet.

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Dankbar für die Unterstützung: Aynur mit seinen beiden Söhnen Sefedin (links) und Rahmed (rechts) sowie deren Cousine.

So unscheinbar die steinerne Treppe mit ihren fünf Stufen ist, so unweigerlich symbolisiert sie eine kulturelle Grenze in diesem Aussenquartier von Bitola. Einfamilienhäuser mit verputzten Fassaden weichen Backstein-Rohbauten, von Abfall gesäumte Wege lösen Pflastersteinstrassen ab. Einige Kurven weiter dominieren noch bescheidenere Hütten das Quartierbild. Backsteine, Restholz, Plastik und Ziegelsteine halten die kleinen Eigenheime zusammen – Fenster sucht man vielerorts vergebens. Hier in Bair wohnt Ajnur mit seinen zwei Söhnen Sefedin und Rahmet.

Kinder sollen es besser haben

Der alleinerziehende Familienvater ist in diesem Roma-Viertel in der Peripherie von Bitola aufgewachsen und damit wie seine beiden Kinder in eine festgefahrene Situation am Rande von Nordmazedoniens Gesellschaft hineingeboren worden. Schulbildung? Fehlanzeige. Arbeit? Nicht in Aussicht. Der damit verbundene Mangel an finanziellen Möglichkeiten schränkt Ajnur extrem ein. Momentan sollte er Holz organisieren, um im Winter heizen zu können, doch das Haushaltsbudget macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Die Unterstützung der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi ist für ihn deshalb ein kleiner Lichtblick. «Ich bin sehr glücklich darüber, dass meine Kinder zur Schule gehen können.» Gerade da ihm selbst diese Möglichkeit verwehrt blieb, ist es Ajnur so wichtig, dass seine Söhne Zugang zu Bildung erhalten.

«Ich bin sehr glücklich darüber, dass meine Kinder zur Schule gehen können.»

Seit letztem Jahr besuchen Sefedin und Rahmet die zweite Klasse. Ajnur unterstützt sie dabei so gut er kann. Er bringt sie zur Schule und holt sie wieder ab. «Dieses Jahr starteten sie mit dem Alphabet», erzählt er stolz. Dass er ihnen bei den Hausaufgaben nicht helfen kann, belastet ihn. Er fühle sich schlecht deswegen. Eine lokale Koordinatorin schaut regelmässig bei Ajnur und seinen beiden Kindern nach dem Rechten. Der alleinerziehende Vater schätzt dies sehr. «Sie ist sehr gut zu den Kindern.»

Im Projekt «Inklusion von schulabgängigen Roma-Kindern» unterstützt die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi derzeit rund 50 Familien wie diejenige von Ajnur. Gemeinsam mit lokalen Partnern hilft sie den Familien bei Einschreibeprozessen an Schulen oder in anderen administrativen Belangen. Die Arbeit bezieht aber auch das Schulpersonal mit ein. Lehrpersonen lernen beispielsweise kindgerechte Methoden kennen, was es ihnen vereinfacht, die Kinder in die Klassen einzubinden und so ins Bildungssystem zu integrieren. Auf politischer Ebene setzt sich die Stiftung für gekürzte Lehrpläne, den Austausch von Schülerdaten und für die kostenlose Anerkennung von Diplomen ein.

Dieser Artikel ist im Patenschaftsbericht 01|2019 erschienen.

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