Gleiches Recht für alle

14.11.2018 - 09:43 | Veronica Gmünder

Vom 15. bis 18. November findet zum dritten Mal die Kinderkonferenz im Kinderdorf Pestalozzi statt. 40 Kinder aus der Deutschschweiz und dem Fürstentum Liechtenstein kommen in Trogen zusammen, um über ihre Rechte zu diskutieren. Die 10- bis 13-Jährigen setzen sich mit den Themen Beteiligung, Diskriminierung und Kinderrechtsverletzung auseinander.

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Stefanie Rinaldi, Menschenrechtsexpertin

Mitbestimmen zu können, wenn Politik, Behörden oder Erwachsene Dinge entscheiden, die den Alltag der Kinder verändern, ist für viele nicht selbstverständlich. Meist entscheiden Eltern oder Lehrpersonen über das Wohl der Kinder, welche die Entscheidung hinnehmen müssen. Dies ärgert Hannah aus Bern: «Wir wollen mitbestimmen und gefragt werden, wenn die Schweiz über Themen abstimmt, die unseren Alltag beeinflussen.» Ihre Freundin Rayya ergänzt: «Ausserdem wollen wir, dass Kinderrechte Teil des Schulunterrichts werden.»

Kinder helfen Kindern

Diese Unzufriedenheit veranlasste in den vergangenen Jahren rund 120 Kinder, an der Kinderkonferenz teilzunehmen,um mehr über ihre Rechte zu erfahren und sich dafür einzusetzen. Am Ende der Konferenzen produzierten die Jungen und Mädchen Radiobeiträge im Studio des Kinderdorfes. In diesen Beiträgen erklärten sie, was sie über die Kinderrechte gelernt haben: «Es ist wichtig,dass jedes Kind gleichbehandelt wird. Egal, ob es eine Behinderung oder eine andere Hautfarbe hat. Alle Kinder sind gleich viel wert», erklärte beispielsweise Nevio aus Basel.

Eine Menschenrechtsexpertin klärt auf

Stefanie Rinaldi ist promovierte Menschenrechtsexpertin. Seit zehn Jahren bietet sie Weiterbildungen auf diesem Gebiet an. Und sie weiss, es gibt noch vieles zu tun: In der Schweiz werden gemäss Rinaldi täglich Menschenrechte verletzt.

Stefanie, welches sind die wichtigsten Menschenrechte?

Ich möchte die Menschenrechte nicht in wichtige und unwichtige einteilen. Menschenrechte sind unteilbar und komplementär. Nur wenn alle Menschenrechte verwirklicht sind, kann sich der Mensch frei entfalten und ist seine Würde garantiert. Es gibt aber einige Menschenrechte, die als absolut gelten. Für diese sind keine Einschränkungen möglich. Dazu gehören zum Beispiel das Folterverbot oder das Diskriminierungsverbot.

Weshalb ist es wichtig, dass jede und jeder Einzelne seine Rechte kennt?

Nur wenn ich meine Rechte kenne, kann ich sie respektieren und für sie einstehen.

Wie oft werden die Menschenrechte in der Schweiz verletzt?

Diese Frage kann ich nicht mit einer Zahl beantworten. Menschenrechte werden auch in der Schweiz täglich verletzt. Es gibt zum Beispiel Rassismus und unrechtmässige Ausschaffungen. In der Schweiz ansässige Unternehmen ermöglichen Menschenrechtsverletzungen, indem sie beispielsweise Kriegsmaterial exportieren oder von Zulieferern einkaufen, die Menschenrechte verletzen.

Weshalb existieren Kinderrechte, wenn es Menschenrechte gibt?

Kinder sind in einer besonderen Lebenslage und teilweise verletzlich. Die Kinderrechte konkretisieren die Menschenrechte speziell für Kinder, um diesen Umständen Rechnung zu tragen. So haben Kinder in der Schweiz kein Wahlrecht. Das Recht auf Partizipation garantiert jedoch, dass Kinder bei Entscheidungen, die sie selbst betreffen, mitwirken können und dass ihre Stimme gehört wird.

Wie können sich Kinder über ihre Rechte informieren?

Kinderrechte sollten integraler Bestandteil unseres Bildungssystems sein. Wenn sich Kinder selbst informieren möchten, gibt es zum Beispiel von der Kinderlobby Schweiz Informationen.

Wie können sich Schweizer Kinder für ihre Rechte starkmachen?

Kinder können in ihrem Alltag ihre Rechte einfordern und darauf hinweisen, wenn sie sich in ihren Rechten verletzt fühlen. Braucht ein Kind dabei Unterstützung, kann es sich an eine spezialisierte Institution, wie zum Beispiel die Kinderanwaltschaft Schweiz oder den Verein Ombudsstelle Kinderrechte, wenden.

Die Schweizer Bevölkerung lebt in sehr guten Verhältnissen. Wie stark ist das Bewusstsein für die Menschenrechte?

Als Alltagsbegriff ist das Wort Menschenrechte bekannt und weit verbreitet. Wenn es darum geht, dessen Bedeutung genau zu erfassen, kommt es oft zu Missverständnissen. So gelten Menschenrechte oft als letzter Anker, wenn eine Person Ungerechtigkeit erfährt, auch wenn es sich dabei nicht um eine Menschenrechtsverletzung handelt. Das zweite grosse Missverständnis ist die Wahrnehmung, Menschenrechte schützten immer nur die anderen: die Ausländerinnen und Ausländer, die Kriminellen, die Terroristinnen und Terroristen. Menschenrechte schützen uns alle und wir sollten uns davor hüten, den Menschenrechtsschutz zu schwächen.

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