Lokaler Kontext als Schlüsselelement

Projektstart in Guatemala 09.07.2019 - 10:55 | Christian Possa

Nur ein Bruchteil der Kinder im Departement Chiquimula kann nach Abschluss der Primarschule ausreichend lesen, schreiben und rechnen. Was die Gründe dafür sind und wie die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi dem entgegenwirkt, zeigt ein Besuch in der Escuela Unitaria in Caserío el Limar.

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Otto Rene Nufio Gonzalez liest gemeinsam mit seiner Klasse einen Text.

Um vier Uhr dreissig in der Früh klingelt der Wecker von Otto Rene Nufio Gonzalez. Der 25-Jährige ist Lehrer und Direktor einer kleinen Primarschule in der Grossgemeinde Jocotán. Da er ausserhalb des Hauptortes wohnt, fährt er mit seinem Motorrad täglich eine Dreiviertelstunde bis zum Sammelplatz der Lehrerinnen und Lehrer. Dort steigen bis zu 15 Personen auf die Ladefläche eines Pickups und fahren zusammengepfercht stehend ihren Arbeitsplätzen entgegen. Otto Rene Nufio Gonzalez trennen 22 Kilometer auf Naturstrassen, zig Kurven und noch viel mehr Schlaglöcher von seinen Schülerinnen und Schülern.

Eingesessene Unterrichtsformen ändern

Leonel Meono kennt die Situation der Lehrpersonen in den abgelegenen Regionen Chiquimulas. Als Koordinator der Partnerorganisation Fe y Alegría kümmert er sich mit seinem Team um die 24 Projektschulen. Genau zu wissen, was die Lehrerinnen und Lehrer beschäftigt, sei für die Zusammenarbeit und die Trainings sehr wichtig. «Es geht darum, den Kontext zu kennen und wirklich auf die Bedürfnisse der Lehrpersonen eingehen zu können.» Die Trainings stellen in den Augen von Leonel Meono einen Systemwechsel im guatemaltekischen Bildungssystem dar: weg vom traditionellen Frontalunterricht.

Otto Rene Nufio Gonzalez unterrichtet eine gemischte Klasse aus Viert-, Fünftund Sechstklässlern. 22 Kinder und Jugendliche sitzen im grossräumigen Klassenzimmer. Heute ist Carlos, pädagogischer Betreuer von Fe y Alegría, zu Besuch. Von ihm konnte Otto schon viel lernen. Sei es während spezifischer Trainings zu Lesestrategien oder durch direkte Rückmeldungen aus dem Coaching.

Lehrpläne an örtliche Kultur anpassen

«Ich möchte gerne noch mehr Techniken und Strategien lernen, um den Kindern zu helfen, selbstbewusster zu sein und sich besser ausdrücken zu können.» Die lokal angepassten Lehrpläne sind ein wichtiges Instrument, wenn es darum geht, den kulturellen Kontext der Maya Chortí in den Schulalltag einzubinden. Ein Beispiel: Lernen Kinder die Maya-Zahlen, indem sie mit Bohnen oder Maiskörnern rechnen, so ist das etwas, was sie kennen und deshalb leichter verstehen.

«Ich möchte den Kindern helfen, selbstbewusster zu sein.»

Otto Rene Nufio Gonzalez – Lehrer

Aus der Perspektive als Schuldirektor hat den 25-Jährigen vor allem die verstärkte Zusammenarbeit mit den Eltern gefordert. Mit dem Projekt wuchs jedoch das Bewusstsein, wie wichtig es für die schulische Entwicklung der Kinder ist, die Eltern miteinzubinden. Fortschritte seien schon nach kurzer Zeit sichtbar gewesen. «Der erste Schritt war, näher an die Eltern heranzukommen und herauszufinden, warum beispielsweise gewisse Kinder nicht zur Schule kommen», erklärt Leonel Meono. Dann gehe es darum, Hilfestellungen anzubieten und das persönliche Gespräch zu suchen. «Die Idee ist es, Bewusstsein zu kreieren, respektive den Eltern Strategien mitzugeben, wie sie ihre Kinder motivieren können, in der Schule zu bleiben oder zurückzukommen. »

Dieser Artikel ist im Patenschaftsbericht 01|2019 erschienen.

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