«Ob wir weiblich oder männlich sind, ist nur ein Teil unserer Identität»

17.03.2020 - 14:00 | Veronica Gmünder

Das Thema Gender und Gleichberechtigung ist aktueller denn je. Längst überfällig ist eine tatsächliche Gleichbehandlung aller Menschen, egal, welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen. Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi hat sich dieses Thema daher zum Jahresschwerpunkt gesetzt. Doch was bedeutet Gender überhaupt und wie wird es in den Projekten in der Schweiz bereits heute umgesetzt?

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Barbara Germann fördert in ihren Workshops die Vielfalt.

Das Wort Gender kann sich auf das biologische oder das gesellschaftliche Geschlecht beziehen oder auf dessen soziale Dimension. Damit sind unter anderem die Rollen, Erwartungen, Werte und Ordnungen gemeint, die an ein Geschlecht geknüpft sind.

Unser aller Vorurteile

Im vergangenen Jahr hat die Stiftung eine Gender-Richtlinie erlassen, die zukünftig auf die Projekte im In- und Ausland Auswirkungen hat. Einen Schwerpunkt setzt die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi dabei auf die Gleichstellung der Geschlechter. Dies bedeutet, dass Frauen und Männer, Mädchen und Jungen gleiche Bedingungen, Behandlung und Chancen haben, ihr volles Potenzial zu entfalten sowie das Leben mit allen Rechten und in Würde zu verwirklichen. «Gleichstellung ist ein zentrales Thema, das in unseren Workshops immer mitläuft», erklärt Pädagogin Barbara Germann. So spricht sie mit den Kindern und Jugendlichen beispielsweise darüber, welche Vorurteile sie sogenannten Stereotypen gegenüber haben. Dürfen sich nur Mädchen die Fingernägel lackieren? Finden sie es fair, dass Jungen ihre Gefühle nicht offen zeigen sollten?

Rennen wie ein Mädchen

In einem weiteren Schritt machen die pädagogischen Fachkräfte sichtbar, wie viel Einfluss die Vorurteile auf den Selbstwert haben. Eine Übung besteht darin, dass die Jugendlichen angeleitet werden, sich in bestimmter Weise im Raum zu bewegen. Zum Beispiel zu rennen oder zu werfen wie ein Mädchen. Es sei immer wieder erstaunlich, praktisch genau die gleichen Bewegungen zu beobachten; egal, welchem Land oder welcher Kultur die Jugendlichen angehören. «Mädchen werden als hilflose, schwache, fast ein bisschen dümmliche Wesen dargestellt », sagt Barbara Germann.

Das anschliessend gezeigte Video verdeutlicht diese oftmals unbewusste Vorstellung vom Frausein nochmals. Zudem wird ersichtlich, dass bei jüngeren Kindern diese Bilder im Kopf meist noch nicht existieren: Für sie bedeutet «wie ein Mädchen» noch nichts; weder etwas Gutes noch etwas Schlechtes. «Es ist eine sehr gute Übung für beide Geschlechter. Sie zeigt auf, wie das gesellschaftliche Bild im Erwachsenenalter geprägt wird.» Barbara Germann freut sich, wenn sich die Jugendlichen danach Gedanken machen und Diskussionen entstehen. Die starren, oftmals unbewussten Meinungen werden so aufgeweicht und hinterfragt. Mit ihrer Arbeit zeige sie auf, dass es in Ordnung ist, verschiedene Aspekte zuzulassen und auszuprobieren. «Wir sind alle unterschiedlich und brauchen verschiedene Dinge. Ob wir weiblich oder männlich sind, ist nur ein Teil unserer Identität.»

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