Doppelt gemoppelt

Die teilnehmenden Kinder und die Verantwortlichen waren sich schnell einig: Vom Coronavirus lassen sie sich die Kinderkonferenz nicht nehmen. Ein Gespräch mit Kinderdorf-Pädagogin Samantha Kuster über gesteigerte Reichweiten, weitreichende Massnahmen und massgeschneiderte Inklusion.

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Wie ist es euch gelungen, die Kinderkonferenz in der aktuellen Situation durchzuführen?

Samantha: Die Kinderkonferenz stand lange auf der Kippe und es war sehr schwierig, etwas zu planen. Unser grösstes Problem damals war das Versammlungsverbot ab 50 Personen, zumal bereits mehr als 50 Anmeldungen eingegangen waren. An einer grossen Sitzung mit allen Involvierten haben wir vier verschiedene Optionen ausgearbeitet: Projektabsage, Reduktion der Teilnehmenden auf 30, zweimalige Durchführung sowie eine rein digitale Variante.

Wie habt ihr euch entschieden?

Da die Kinderkonferenz ein sehr partizipatives Projekt ist, wollten wir die Kinder von Anfang an involvieren. So auch bei diesem Entscheid. Also haben wir alle angerufen. Die Kinder legten ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden an den Tag. Die Variante mit einer begrenzten Anzahl Teilnehmenden kam für sie nicht infrage. Sie haben sich klar für die zweimalige Durchführung in kleineren Gruppen ausgesprochen.

Wie haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Schutzkonzept mitgetragen?

Wir haben unser vom Arbeitsinspektorat abgesegnetes Schutzkonzept rigoros umgesetzt. Für die Kinder bedeutete dies: Maske auf ausser am Esstisch oder im Bett. Sie haben sehr gut mitgemacht und die Masken auch dann getragen, wenn sie alleine im Kinderdorf unterwegs waren. Ich glaube, dass es für sie sehr wichtig war, dass die Konferenz stattfinden konnte. Darum waren sie auch bereit, die Massnahmen mitzutragen. Für mich war es zentral, dass wir die Kinderkonferenz ohne Zwischenfälle durchführen konnten.

Welches Fazit ziehst du von der diesjährigen Kinderkonferenz?

Ich bin sehr froh, dass wir es durchgezogen haben. Es war für mich ein Höhepunkt, zu sehen, wie sehr die Kinder das wollten. Sie waren mit voller Hingabe dabei, ungeachtet aller Massnahmen, die eine Teilnahme mit sich brachte. Die Durchführung war sehr wichtig für mich: Die Erwachsenen hatten während der Pandemie auch das Recht, politisch aktiv zu sein und sich zu versammeln. Den Kindern sollten die gleichen Rechte auch zugestanden werden. Erstmals habt ihr die Abschlusskonferenz als Livestream lanciert.

Wie war das?

Eigentlich ist es ja cool, dass die Corona-Situation neben all der Unruhe auch Möglichkeiten bringt, Neues auszuprobieren. Mir war es wichtig, dass der Stream öffentlich ist und alle Zugriff darauf haben. Ich war sehr froh über die professionelle Begleitung, sodass ich mich voll auf die Kinder konzentrieren konnte. Bis alle wissen, wann sie reden müssen, ist das für sie schon aufregend genug.

«Die Kinder waren mit voller Hingabe dabei, ungeachtet aller Massnahmen, die eine Teilnahme mit sich brachte.»

Haben auf diese Art und Weise mehr Menschen den Abschluss mitverfolgen können?

Definitiv. Den Stream konnten wir sehr weit streuen. Und viele Akteure, die in der Kinderpartizipation tätig sind, haben ihn wiederum in ihren Netzwerken geteilt. Bisher beschränkte sich die Abschlusskonferenz auf Bekannte, Verwandte und Lehrpersonen. Ein Nachteil des Livestreams liegt darin, dass der Fokus stark auf dem Resultat, sprich den Forderungen der Kinder, liegt. Der ganze Prozess mit allem, was sie erarbeitet haben, kam etwas zu kurz.

Hat der Stream auch geholfen, Sprachgrenzen zu überwinden?

Als Projekt von nationaler Tragweite ist das schon lange unser Ziel. Der Fakt, dass die teilnehmenden Kinder noch recht jung sind und sehr vieles auf Diskussionen basiert, macht diese Aufgabe jedoch recht anspruchsvoll. Darum hat uns die Anfrage von Terres des Hommes extrem gefreut, die ein Pendant zur Kinderkonferenz in Genf durchführen wollten. Ich durfte sie in beratender Funktion von Anfang an begleiten und stand ihnen bei der Konzeption, beim BSV-Antrag sowie bei der konkreten Planung unterstützend zur Seite. Ihre Forderungen haben sie uns als Video geschickt, sodass wir sie auch in den Livestream und auf unserer Website einbinden konnten.

Wo siehst du Möglichkeiten, diesen Austausch noch zu intensivieren?

Beispielsweise beim Bundeshausbesuch, der hoffentlich im Frühling stattfinden kann. Unsere Idee ist, dass die Kinder aus Genf und der Deutschschweiz sich in Bern treffen – vormittags zum Austausch untereinander, nachmittags zum Treffen mit den Politikerinnen und Politikern, um die Umsetzung ihrer Forderungen zu überprüfen. Für uns ist es sehr wichtig, den Röstigraben zu überwinden. Wir sind eine Schweiz und die Forderungen, welche die Kinder stellen, gelten auch für die ganze Schweiz.

«Für uns ist es sehr wichtig, den Röstigraben zu überwinden. Wir sind eine Schweiz und die Forderungen, welche die Kinder stellen, gelten auch für die ganze Schweiz.»

Du hast eingangs erwähnt, dass die Kinderkonferenz ein Projekt ist, das sehr stark von der Partizipation der Kinder lebt. Wie macht sich dies bemerkbar?

Ein sehr cooles Beispiel ist die Radiosendung zum Thema Kinderrechte. Mathys, unser neuster Mobile Reporter, hat selbstständig in die Sendung eingeführt und eine Anmoderation sowie Interviews realisiert. Auch seitens der Teilnehmenden war das Interesse sehr gross. Zehn Kinder haben sich gemeldet und wollten ihm unbedingt als Interviewpartner zur Verfügung stehen. Es ist eine sehr gelungene Sendung geworden. Mathys und die anderen Kinder haben das sehr gut gemacht. Einen Schritt weitergekommen ist die Kinderkonferenz auch im Hinblick auf das Ziel, inklusiver zu werden.

Kannst du das genauer ausführen?

Der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi und auch der Kinderkonferenz als Projekt ist es ein Anliegen, die Inklusion aktiv zu fördern. Also haben wir dieses Jahr ganz bewusst alle Sonderschulen angeschrieben. Daraufhin hat sich eine Institution aus Basel gemeldet, die gerade ein Schülerparlament aufbaut und entsprechend sehr gerne Kinder schicken wollte. Das herzliche Gespräch im Vorfeld der Konferenz, an dem uns die verantwortliche Pädagogin über jedes Kind etwas erzählte, wäre eigentlich gar nicht nötig gewesen. Denn von allen anderen Kindern wissen wir auch nicht, was für Päckchen sie zu tragen haben.

Wie hat es funktioniert?

Es lief gut, wirklich gut. Persönlich erlebte ich zwar Situationen, bei denen ich dachte: Wow, hier verhält sich das Kind etwas auffällig. Für sie selber war es aber überhaupt kein Problem. In den Kursen lief es gut und sie haben mitgemacht. Und ich glaube, alle anderen Kinder haben gar nichts gemerkt. Wir haben das von uns aus natürlich auch nicht thematisiert, denn wir wollten die Kinder nicht zusätzlich stigmatisieren. Von ihrer Sozialpädagogin habe ich die Rückmeldung erhalten, dass die Kinder sehr glücklich und erfüllt zurückgekehrt seien. Sie haben sich extrem gefreut, dass es geklappt hat, und sind nächstes Jahr auch wieder dabei.

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