Einen Gegenpol zur digitalen Welt aufbauen

11.09.2020 - 16:29 | Lina Ehlert

An der Fachtagung für Medienpädagogik im Kinderdorf Pestalozzi haben sich Fachpersonen über Medienkompetenz im Unterricht ausgetauscht. Florian Karrer, Leiter der Fachtagung, spricht im Interview über Herausforderungen, Gefahren und Lösungsansätze.

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Podiumsgespräch mit Maya Götz, Sarah Genner, Nina Waldhier und Martin Hofmann.

Florian, warum braucht es die Fachtagung Medienpädagogik überhaupt?
Wir haben in den Radioprojekten an den Schulen gemerkt, dass die Lehrpersonen mit den sozialen Medien sehr gefordert sind. Die Kinder haben immer früher digitale Geräte im Unterricht dabei. Das beeinflusst den Schulalltag massiv. 90 Prozent der Jugendlichen sind zudem mehrere Stunden am Tag im Netz. Mit dieser Realität müssen wir uns als Gesellschaft auseinandersetzen. Mit der Fachtagung wollen wir Sensibilisierungsarbeit leisten. Und somit auch die Kinder schützen.

Welche Herausforderung bringen digitale Medien für Lehrpersonen mit sich?
Die grösste Herausforderung ist wohl die Omnipräsenz des Smartphones, vor allem ab der Oberstufe. Die Lehrpersonen sind gefordert, einen Umgang damit zu finden. Das Smartphone sollte sinnvoll in den Unterricht integriert sein, und es sollte Regeln geben, welche das Miteinander fördern. Häufig wissen die Kinder und Jugendlichen auch schon viel mehr über den Gebrauch des Smartphones als die Erwachsenen. Viele Lehrpersonen sind damit überfordert.

Kommt an dieser Stelle die Fachtagung ins Spiel?
An der Fachtagung wollen wir die Lehrpersonen ermutigen, Medienkompetenz proaktiv anzugehen. Und zu guter Letzt: Das Internet ist auch ein Ort mit nicht adäquaten Inhalten, vor denen Kinder und Jugendliche geschützt werden müssen. Dafür müssen sowohl Erwachsene als auch Kinder und Jugendliche sensibilisiert werden.

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Florian Karrer, Leiter vom Kinder- und Jugendradio

Was sind das für Gefahren?
 
Referentin Maya Götz, Medienwissenschaftlerin und Medienpädagogin am internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen in München, hat an der Fachtagung sehr eindrücklich über die von den Medien vermittelten Rollenbilder gesprochen. Dabei geht es zum Beispiel um verzerrte weibliche und männliche Körperbilder, die vor allem in Serien und Filmen propagiert werden. Normale Menschen können die dargestellten Körperproportionen gar nicht erfüllen, das wäre krankhaft. Dennoch werden sie in den Medien als Idealbild dargestellt. Auf der psychologischen Ebene geben diese Körperbilder den jungen Menschen ein ständiges Gefühl nicht zu genügen. Zudem kann man auf den Sozialen Medien sehr schnell jemanden blossstellen. Verletzungen werden breitenwirksam in die Masse gestreut. Und das Netz vergisst nicht.

Wie können Lehrpersonen die Medienkompetenz im Unterricht fördern?​
Lehrpersonen können versuchen, einen analogen Gegenpol zur digitalen Welt aufzubauen. Zum Beispiel in Form eines Experiments, bei dem die ganze Klasse bewusst eine Woche auf das Smartphone verzichtet. Die Erfahrungen können dann gemeinsam reflektiert werden. Wenn das Smartphone fehlt, geht es meistens um die gleichen Themen: Identität, Selbstwertgefühl und Ängste. «Ich höre meine Freunde nicht, ich bin nicht im Chat, ich kriege das nicht mit.»  

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