Gemeinsam statt einsam

29.09.2020 - 15:42 | Christian Possa

Gerade in Ausnahmesituationen brauchen Kinder eine Stimme. Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi antwortete mit ihrem Kinder- und Jugendradio auf das Coronavirus und entwickelte eine krisenresistente Sendung, die in der Isolation vernetzte.

Neo freute sich riesig auf die bevorstehende Radioprojektwoche im Kinderdorf Pestalozzi. Dann kam der Lockdown und wie alle anderen Veranstalter musste auch das Kinderdorf ihr Programm absagen. Neos Enttäuschung war so gross, dass sich seine Mutter beim Radioteam nach Alternativen erkundigte. Die gab es: Unter dem Hashtag #powerupverbindet lancierte das Kinder- und Jugendradio der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi eine Sendung, die zum Ziel hatte, Kindern wie Neo eine Stimme zu geben. «Wir nutzten den digitalen Begegnungsort des Mediums Radio, um Kinder und Erwachsene während der Coronakrise zu vernetzen», erklärt Projektleiterin Cinzia Hänsenberger. Dadurch, dass Menschen ihre persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Krise teilen, werde Solidarität erlebbar.

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Auf Distanz im Studio, dafür mitten in den Wohnstuben der Zuhörerinnen und Zuhörer: das Live-Moderatorenduo Selina und Samuel im Radiostudio im Kinderdorf.

Vom Teenie bis zur Seniorin

Am 23. März um 11 Uhr ging das Radioteam auf Sendung. Zunächst war das einstündige Format noch sehr strukturiert: So hiessen die Rubriken Wunschkonzert, Happy News oder analoger Gamecorner. Die Community für das neue Format musste erst noch aktiviert werden.

Doch schon bald meldeten sich die ersten Kinder zu Wort. Radiopädagogin Samantha Kuster erinnert sich an den Nachbarssohn ihrer Eltern, den sie zum Mitmachen ermunterte. Der 13-Jährige meisterte das Gespräch trotz seines sehr ruhigen Naturells souverän. In der zweiten Woche habe er dann von sich aus in die Sendung angerufen, um von seinem Lieblingsbuch zu erzählen und Freunde sowie Familie zu grüssen. «Da wurde mir bewusst, dass diese Erfahrung für sein Selbstvertrauen sehr wichtig war.»

Verbindende Momente gab es beispielsweise, als ein Mädchen während einer Sendung einen Buchtipp teilte und eine Freundin grüsste, die nicht mehr im selben Dorf lebt – und diese sich daraufhin meldete. Auch ältere Menschen erzählten von ihrem Alltag in Quarantäne. Cinzia Hänsenberger hatte beispielsweise die bald 80-jährigen Eltern einer Freundin in der Leitung, die es sehr schätzten, auf diesem Weg ihr Umfeld zu beruhigen und ihre Enkelkinder zu grüssen.

Die Schule traf sich digital

#powerupverbindet entstand aus der Not heraus. Nachdem sich das Coronavirus so rasant verbreitete, mussten im Kinderdorf zahlreiche Projekte abgesagt werden. Mit Radio- und Austausch programmen die Menschen verbinden und ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen, wollte man im Rahmen des Möglichen fortfahren. «Wir wollten den Kindern und ihren Familien zeigen, dass wir für sie da sind und dass sie uns als Austauschplattform nutzen können», sagt der Radiopädagoge Adrian Strazza.

Strazza hätte Ende März eine Projektwoche mit einer Primarschule in Gais durchführen wollen. Wenn schon das Projekt ins Wasser fiel, so sollte zumindest die Vorarbeit der Kinder und Lehrpersonen nicht umsonst gewesen sein. Aus den Vorproduktionen entstand eine ganztägige Sendung mit viel Raum für Interaktionen. «So haben wir uns vom analogen Prinzip mit möglichst viel Begegnung vor Ort an eine mit dem Social Distancing konforme Variante herangetastet, bei der man sich digital trifft.» Die Sendung sei ein voller Erfolg gewesen, so Adrian Strazza. Berührt habe ihn unter anderem die gemeinsame Grussbotschaft aller Kindergärtnerinnen. «Es ist etwas Schönes, wenn Lehrpersonen auch mal sagen können: Wir mögen Kinder und freuen uns, wenn es wieder losgeht.»

Mobile Reporter

Aber dabei wollten es die Organisatoren nicht belassen, #powerupverbindet sollte noch stärker zum Sprachrohr aller Schülerinnen und Schüler werden. So wurden sogenannte mobile ReporterInnen eingesetzt – ehemalige Projektteilnehmende, angefixt vom Radiomachen. Ausgerüstet mit Laptop und Aufnahmegerät realisierten sie eigene Beiträge. Seit der dritten Sendewoche waren fünf Kinder involviert. Sie hatten Interviewpartner wie zum Beispiel die Mediensprecherin des Bauernverbands, einen Bäckermeister oder die Leiterin eines Kinderzoos zugewiesen bekommen, die sie telefonisch live aus der Sendung interviewten.

Auch der eingangs erwähnte Neo war in den Augen von Samantha Kuster ein potenzieller mobiler Reporter. Noch am selben Abend, an dem er zum ersten Mal auf Sendung war, schrieb er eine E-Mail mit der Bitte, in der kommenden Woche einen eigenen Beitrag realisieren zu dürfen. In den Augen der Radiopädagogin ein schönes Beispiel dafür, wie das Radio Kinder ermächtigen kann, selber aktiv zu werden und ihre eigene Meinung zu vertreten. #powerupverbindet habe Neo die Möglichkeit gegeben, sich in einer schwierigen Situation selber auszuprobieren und sein Selbstbewusstsein zu stärken. Ausserdem habe er etwas gefunden, das ihm Freude macht. Samantha Kuster: «Er hat die Aufgabe mit Bravour gemeistert und selbständig einen qualitativ sehr guten Beitrag über sein Hobby Basketball abgeliefert.»

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