Humanitäres Hilfsprojekt in Honduras

Das Coronavirus verschlimmert bestehende soziale Ungerechtig­keiten. Arme Länder wie Honduras wurden besonders hart getroffen. Laut der Weltbank leben hier ­zwei Drittel der Bevölkerung in Armut. Heimunterricht stellt arme Familien vor grosse Her­aus­forderungen, zumal Geräte mit Internet­zugang für eine Kommunikation zwischen Schule und Kind meist ­­vor­­aus­gesetzt werden und Eltern oft selbst weder lesen noch schreiben können.

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Angela (Zweitklässlerin) zeigt stolz ihre selbstgebastelte Sonnenuhr: «Die Sonne zeigt dir die Zeit auch dann, wenn du kein Handy hast.»

Das abgelegene Bergdorf San Antonio de Oriente im Osten des Departementes Francisco Morazán ist sehr arm. Die meisten Menschen arbeiten als Kleinbauern. Lehrkräfte unterrichten mehrere Klassenstufen gleichzeitig und sind bereits im normalen Schulalltag stark gefordert – in Zeiten der Pandemie reichen ihre Kräfte nicht aus.

Darum engagieren wir uns hier mit einem speziellen Nothilfeprojekt dafür, dass die Kinder während der Corona­bedingten Schulschliessungen überleben – und den schulischen Anschluss nicht verlieren: Notleidende Familien werden mit Lebensmitteln und Saatgut unterstützt, während wir den Lehrkräften beim Fernunterricht unter die Arme greifen. Zudem bereiten wir sie auf den Übergang zu mehr schulischer Normalität vor.

Motivierende Lernerfahrungen

Dabei spielt ein unter anderem vom Bildungsministerium mitentwickeltes System für häusliches Lernen eine zentrale Rolle: Learning Bridges, sogenannte Lernbrücken. «Die Lernbrücken sind eine besondere pädagogische und kindzentrierte Form von Leitfäden, mit denen Kinder zu Hause arbeiten und experimentieren können», erklärt Ligia Aguilar, Bildungsverantwortliche der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi in Honduras: «Bis zum Endes des Schuljahres 2020 haben 833 Schülerinnen und Schüler davon profitiert.»

Eine davon ist Angela. Der Zweitklässlerin hat es besonders gefallen, den Stammbaum ihrer Familie zu erstellen. Oder Marco, der sich darauf freut, bald in die siebte Klasse zu gehen. Während des Lockdowns vermisste er seine Schule und die Klassenkameraden. Auch er lernt gerne mit den Lernbrücken. Besonders gefallen haben ihm Experimente. Der Sechstklässler schätzt es sehr, dass sich seine Lehrerin Zeit für die Nachbearbeitung nimmt: «Ihre Rückmeldungen ermöglichen es mir, Bezüge herzustellen.»

Auch Marcos Mutter Martha schätzt die Lernbrücken: «Als wir von den klassischen Arbeitsblättern zu den Lernbrücken wechselten, ist vieles besser geworden. Wir arbeiten zusammen. Die ganze Familie beteiligt sich, und wir konnten viel lernen.» Dieses System des Lernens habe Marco geholfen, Dinge zu analysieren – zum Beispiel, was im Land vor sich geht. Und auch die Beziehung zu seiner Lehrerin hat sich verbessert: «Sie unterstützt Marcos Lernen sehr.»

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Compatir-Mitarbeiter Nelson Reyes über­gibt die Arbeitsanleitungen von Learning Bridges an die Lehrkräfte. Er begleitet sie bei der effektiven Um­setzung von Learning Bridges bis zum Ende des Schuljahres.

Geglückter Start

Auch die Lehrkräfte schätzen die Lernbrücken sehr: 68 Prozent der Lehrkräfte finden sie ausgezeichnet, 29 Prozent sehr gut. Dania Amador unterrichtet die vierte bis sechste Klasse. Sie stellt fest, dass mit der Qualität der Arbeitsanleitungen auch das Interesse der Kinder gestiegen ist, sie häufiger Fragen stellen und die Aufgaben so gut wie möglich erledigen wollen. Auch Wendy Rodríguez hat mit ihren Erst- und Zweitklässlerinnen ähnlich positive Erfahrungen gemacht. Learning Bridges motivieren Eltern und Kinder gleichermassen. Zudem sind die Themen und Aktivitäten altersgerecht gestaltet. Ein schönes Beispiel ist ein Experiment mit Pflanzensamen: «Als einige Samen nicht keimten, wollten die Kinder wissen, warum es nicht funktioniert hat.»

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Die vom Projekt geförderten Selbst­versorger-Gärten helfen Familien, die durch die Pandemie ihr Einkommen verloren haben.

«Als wir von den klassischen Arbeitsblättern zu den Lernbrücken wechselten, ist vieles besser geworden. Wir arbeiten zusammen. Die ganze Familie beteiligt sich und wir konnten viel lernen.»

Martha – Mutter von Marco