Persönlicher Draht zu den Kindern

Auch so kann man die Folgen der Schulschliessungen abfedern: 75 Lehrerinnen und Lehrer griffen in Guatemala zum Telefonhörer und brachten so über 2000 Kindern ein Stück Schulalltag zurück! Unterstützt wurde die Aktion von der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi

«Ich war glücklich, als mir meine Lehrerin am Telefon Geschichten vorlas», erzählt die Erstklässlerin Heydi. Sie ist nicht allein: Auch Oscar ist begeistert von den Anrufen seines Lehrers, die ihn beim Lernen unterstützen. Und der Fünftklässler Francisco meint: «Die Gespräche mit meiner Lehrerin waren sehr wertvoll für mich, da meine Mutter nicht lesen kann. So konnte sie mir auch Fragen zu anderen Hausaufgaben beantworten.»

Besonders schwer

Heydi, Oscar und Francisco sind wie die meisten ihrer Mitschüler*innen Ixil. Als Zugehörige dieser sprachlichen und ethnischen Minderheit sind sie meist arm. Ihre Muttersprache erschwert es ihnen, dem spanischsprachigen Unterricht zu folgen. Sind die Schulen wegen Covid-19 fast die Hälfte des Schuljahres geschlossen, wird es für sie besonders schwierig, den Anschluss nicht zu verlieren. Darum hat sich das Team, das unser Projekt vor Ort umsetzt, dazu entschlossen, die persönlichen Anrufe zu initiieren.

«Wir waren uns schnell einig, dass dies eine gute Strategie ist, um mit den Kindern in Kontakt zu bleiben und ihr Leseverständnis zu fördern»

Sebastiana Ceto López – Projektkoordinatorin

Mehrwert für die ganze Familie

Weil die Schülerinnen und Schüler am Anfang der Pandemie Material und Lernleitfäden für den Heimunterricht erhalten hatten, konnten sie während der Telefonate mitlesen. In vielen Fällen hörten auch andere Familienmitglieder zu und beteiligten sich an der Beantwortung der Fragen. Man nahm sich auch die Zeit für zusätzliche Fragen der Kinder und für längere Gespräche.

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Geschlossene Schulen bedeuten für Kinder und Jugendliche auch den Verlust wichtiger sozialer Kontakte.

«Die Gespräche mit meiner Lehrerin waren sehr wertvoll für mich, da meine Mutter nicht lesen kann. So konnte sie mir auch Fragen zu anderen Hausaufgaben beantworten.»

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Die Telefongespräche mit den Lehrpersonen helfen, dass Kinder auch zu Hause etwas lernen können.

Lernwillen ist ungebrochen

Die persönlichen Telefonanrufe werden auch in diesem Jahr fortgesetzt und an den bevorstehenden Hybridunterricht (teils Schule, teils Heimunterricht) angepasst. Besondere Aufmerksamkeit bekommen Kinder mit Lernschwierigkeiten. Die Kinder und die Jugendlichen selbst vermissen die Schule und empfinden die Situation als deprimierend. Sie vermissen ihre Freundinnen und Freunde und werden zu Hause oft von Ein­samkeit und Langeweile übermannt. Francisco formuliert es so: «Ich bin sehr traurig, da ich lernen möchte, aber meine Lehrerin nicht sehen kann, um etwas zu lernen.» Auch deshalb sind die persönlichen Anrufe für die allermeisten ein Lichtblick in ihrem Alltag. Die Frage, ob sie sich eine Fortsetzung der Anrufe wünschen, beantworten die Kinder unisono mit Ja. Weil sie weiterlernen wollen und weil es sich gut anfühlt.