Wenn Worte wehtun

17.03.2020 - 10:40 | Christian Possa

Kommentare im Internet können verletzen. Schülerinnen und Schüler aus Diepoldsau haben im Medienworkshop die Probe aufs Exempel gemacht und ihre eigenen Erfahrungen im Radiomobil der Stiftung Kinderdorf geteilt.

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Am eigenen Leib erfahren: Eine Schülerin kommentiert während einer Übung zum Thema Cybermobbing ihr eigenes Spiegelbild.

Das Smartphone als Zeitkiller? Bei den 11- und 12-Jährigen des Schulhauses Kirchenfeld scheint dies (noch) nicht der Fall zu sein. Nach der ersten Übung zeigt sich: Die meisten lassen sich täglich knapp eine Stunde ablenken. Als nächstes lässt Pädagogin Mariel Diez die Kinder Portraits wildfremder Personen kommentieren. Unter den Fotos sammeln sich Adjektive wie fett, lustig, hübsch, brutal, gestört oder behindert.

Schreiben, was man selber lesen möchte

In der anschliessenden Diskussion stellen die Kinder bald fest, dass viele ihrer Kommentare beleidigend wirken und die betroffene Person verletzen. Wie sich die Anonymität des Internets von der direkten Konfrontation unterscheidet, erfahren sie in der nächsten Übung. Es gilt, sein Gegenüber zu kommentieren. «Ich fand es lustig, da nur schöne Sachen gesagt wurden», sagt ein Mädchen. Andere äusserten sich durchaus kritisch. Fest stehe, resümiert Mariel Diez, dass man eine andere Meinung einfacher akzeptieren kann, wenn man die Person kennt. Und: «Erinnert euch das nächste Mal daran, nur das zu schreiben, was ihr auch gerne unter eurem eigenen Bild lesen möchtet.»

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Medienkompetenz kommt vor der Mittagspause: Gian und Sebastian berichten im Radiobus über ihre Erfahrungen aus dem Workshop.

Wo ungeahnte Talente sichtbar werden

Der Workshop «kritische Medienkompetenzen » ist eingebettet in eine Medienwoche, welche die Primarschule Diepoldsau zum zweiten Mal durchführt. «Das Thema Medien beschäftigt uns schon lange», sagt Schulleiter Nick Metzler. Man habe aufgrund wiederkehrender kleinerer Vorfälle an der Schule festgestellt, dass man im Bereich Sicherheit und Gefährdung mehr investieren müsse. Um die internen Kapazitäten nicht zu stark zu strapazieren, greift die Schule auf externe Anbieter wie die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi zurück, welche die Lehrpersonen mit ihrem Fachwissen unterstützt. Armin Lüchinger, pädagogischer IT-Supporter ergänzt: «Wirklich Radio machen zu können, ist natürlich schon nochmals eine andere Ebene.» Wenn er die riesige Motivation der Kinder sehe, sei für ihn klar, dass sich der Aufwand lohne.

«Wenn ich die riesige Motivation der Kinder sehe, ist für mich klar, dass sich der Aufwand lohnt.»

Armin Lüchinger – Pädagogischer IT-Supporter
Extrem engagiert und lebendig erlebt auch Mariel Diez die Sechstklässlerinnen und Sechstklässler. «Sie kommen freiwillig früher aus der Pause zurück, um sich auf die Sendung vorzubereiten. Und sie nehmen ihre gute Laune und ihren Drive mit in die Radiosendung.» Gian beispielsweise hat übers Wochenende einen Input zur Stiftung Kinderdorf Pestalozzi erarbeitet, den er in seiner Sendung vom Montagmittag präsentiert. Ein weiteres Thema, welches er zusammen mit seinem Moderationskollegen Sebastian aufgreift, ist die Geschichte vom bösen Wolf im Geisslein-Chat. Nick Metzler, der für ein paar Videoaufnahmen mit seinem iPad im Radiobus auftaucht, ist begeistert von der Arbeit der Schülerinnen und Schüler: «Während der Medienwoche entdeckt man Talente, die im Schulalltag sonst nicht sichtbar sind.»

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