Zeit für sich

Internationales Austauschprojekt Moldawien 22.08.2019 - 08:52 | Simon Roth

Wer bin ich? Und weshalb? Zu Beginn ihres zweiwöchigen Aufenthaltes im Kinderdorf Pestalozzi beschäftigen sich 80 Jugendliche aus Moldawien und Mazedonien mit dem Thema Identität. Die Workshops helfen, Vorurteile abzubauen und fördern den interkulturellen Austausch.

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Während des interkulturellen Austausches bauen die Jugendlichen Vorurteile ab und bilden nationenübergreifende Freundschaften.

In einem grossen Kreis sitzen die Jugendlichen in der Turnhalle. Erst einige Tage haben sie im Kinderdorf verbracht, kommen aus verschiedenen Ländern und Regionen. Der Tag beginnt mit Kennenlernübungen und Vertrauensbildung. Die Jugendlichen erhalten einen Buchstaben und ein Namensschild. Sie sollen sich jene Personen suchen, die einen Teil ihres Namens in den Händen halten. Sogleich löst sich der Kreis auf. Die Ordnung weicht dem Gewusel. Die jungen Erwachsenen führen Gespräche mit Unbekannten, das Eis ist gebrochen. «In den Workshops zum Thema Identität geht es darum, sich Zeit für sich zu nehmen », sagt Daniel Zuberbühler. Etwas, das man viel zu wenig tue, wie der Pädagoge der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi findet. Wie viel die Jugendlichen von ihrer Persönlichkeit offenbaren, bleibt ihnen selbst überlassen. Denn: «Wir alle sind verletzlich und besitzen Charakterzüge, auf die wir mehr oder weniger stolz sind», sagt Zuberbühler. Er will aufzeigen, dass es sich lohnt, andere Personen am eigenen Leben teilnehmen zu lassen, indem man sich ihnen öffnet.

Im Verlauf des Tages setzen sich die Jugendlichen mit sich und ihrer Umgebung auseinander. In einem Workshop stellen sie sich die Frage, an welchem Punkt ihres Lebens sie sich befinden. Mit Klebeband bilden sie ihre Befindlichkeit in Form einer Körperhaltung irgendwo im Raum ab. Für die 17-jährige Tanya eine schwierige Übung: «Ich bin mir noch unsicher, was ich im Leben erreichen will.» Anders als im Alltag kann sie im Kinderdorf Aspekte ihres Wesens entdecken, ohne dafür gewertet zu werden.

«Die Übungen helfen mir, meine Stärken zu erkennen»

Tanya – 17, aus Moldawien

Kindheitserinnerungen werden zu Kunstwerken 

Die Workshops bringen sichtbare Resultate hervor. Die Jugendlichen füllen die geklebten Körperumrisse an Wänden, Boden und auf den Tischen mit Leben. Einige geben ihrem Werk ein Gesicht, andere notieren «Hoffnung» oder «Frieden » über ihren Kopf und wieder andere weisen auf ihre Hobbys hin. Auch in den Übungen zum Thema Kindheit und Beziehungen setzen sich die Jugendlichen aktiv mit sich auseinander. Die mitgebrachten Kindheitserinnerungen sind in einem Raum ausgestellt. Zu jedem Gegenstand gehört ein Zettel, auf dem die Jugendlichen erklären, was sie damit verbinden. Nach jedem Workshop begutachten die Jugendlichen die Arbeiten der anderen. Die Neugier verdrängt schnell die anfängliche Schüchternheit, und so entwickeln sich bereits nach kurzer Zeit angeregte Gespräche.

Die mitgereisten Begleitpersonen aus den beiden Projektländern bemerken die Veränderung, die sich bei den Jugendlichen einstellt: «In der speziellen Umgebung des Kinderdorfes arbeiten die Jugendlichen zusammen, interagieren, kommunizieren», sagt Elisaveta Vasileva. In ihrer Heimat Mazedonien fehlten diese Kompetenzen. Im ethnisch stark durchmischten Land seien die kulturellen Differenzen immer wieder Ursache für Konflikte. «Stereotypen waren schon immer ein Problem», sagt die Lehrerin. Im Umgang mit Gleichaltrigen aus einem anderen Land könnten die Jugendlichen solche Klischeebilder jedoch ablegen. Elisavetas Kollegin aus Moldawien pflichtet ihr bei und betont die Wichtigkeit solcher Austauschprojekte: «Vielleicht denken die Jugendlichen hier im Kinderdorf zum ersten Mal intensiv über sich und ihre Umgebung nach.»

Dieser Artikel ist im Patenschaftsbericht 01|2019 erschienen.

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