Kinderportraits aus dem Tonkla-Netzwerk

20.03.2019 - 14:46 | Christian Possa

24 Schulen mit insgesamt 743 Jugendlichen in ganz Thailand haben sich im Tonkla-Netzwerk der indigenen Kinder und Jugendlichen zusammengeschlossen. Drei Kinder geben Einblick in das Netzwerk.

Die Macherin

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Verantwortung aufzuladen und dies gleichzeitig spielend leicht aussehen zu lassen. Sie hat die Inhalte für das exkursionsbasierte Lernen mitausgearbeitet, sie ist Regisseurin des Kinderrechtstheaters und sie ist Mitglied des Jugendrates des Bezirks. Die Jugendliche ist Feuer und Flamme für das Tonkla-Netzwerk und die alternativen Lernmöglichkeiten, die das lokale Lernzentrum im abgelegenen Sanehpong bietet. Sie liebt es, rauszugehen, neue Menschen und Gruppen zu treffen, sich auszutauschen und voneinander zu lernen. «Was ich von aussen lerne, kann ich für mein eigenes Leben adaptieren. Ich kann es in der Schule oder zu Hause integrieren. » Auf ihrer letztjährigen Reise lernte Parichat beispielsweise ein Tier kennen, das ihr und auch den Älteren in ihrem Dorf bisher nicht bekannt war. Ein Tier, das ähnlich wie Bienen Honig produziert. Für die Jugendliche war dies ein Schlüsselerlebnis. «Meine Eltern und die Gemeinschaft realisierten dadurch, wie wichtig diese Art und Weise des alternativen Lernens ist.» Trotz ihrer Begeisterung für den Austausch von Kultur, von unterschiedlichen Lebensstilen und von indigenem Wissen, die das Reisen mit sich bringt, spürt Parichat eine starke Verwurzelung im ländlichen Sanehpong. «Ich möchte einst traditionelle Heilerin werden, sodass ich die Pflanzen nutzen kann, um zu helfen und zu heilen. So kann ich nahe bei meinen Eltern sein.»

Der Realist

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Als die jungen Mitglieder des Tonkla-Netzwerkes vergangenes Jahr erstmals eine Erfahrungsreise in eine andere Region Thailands antraten, sprang der Funke bei Supatchai über. Der Jugendliche produzierte auf seinem Telefon einen Kurzfilm, in dem er seine Erfahrungen festhielt: Die lokalen Produktionsprozesse anderer Gemeinschaften, die kulturellen Tänze oder die neuen Lernmaterialien. «Diese Art des Lernens ist real», schwärmt Supatchai, «es ist nicht aus Büchern. Man geht und lernt, macht eigene Erfahrungen.» Seine Begeisterung, vom echten Leben zu lernen, vermochten seine Eltern und sein älterer Bruder anfangs nicht zu teilen. Er habe sie davon überzeugen müssen, dass Lernen nicht nur im Klassenzimmer stattfindet. Als er jedoch seine Erfahrungen mit seinem Bruder teilte und ihm im Detail erklärte, was er wo gelernt hatte, wendete sich das Blatt. «Mein Bruder war sehr aufgeregt. Er ist zwar älter als ich, hatte jedoch noch nie die Möglichkeit, weit über die Gemeindegrenze hinauszugehen.» Supatchai trägt wie alle seine Mitschülerinnen und Mitschüler die traditionelle Kleidung der Karen. Seine setzt sich an diesem sommerlich warmen Tag aus einem kurzärmligen roten Hemd mit grünen Streifen sowie einem pink gestreiften Rock zusammen. Das Traditionsbewusstsein scheint bei Supatchai ebenso stark verankert wie sein Gemeinschaftssinn. «Wenn ich älter bin, möchte ich Vorsteher dieser Gemeinde werden», erzählt er. «Ich will Arbeitsplätze kreieren für die Menschen in der Gemeinschaft, damit sie ein Einkommen haben und so im Dorf bleiben können.»

Die Herzliche

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Pornruedee ist keine Person, die anderen ins Wort fällt oder sich aufdrängt. Sie hört aufmerksam zu, wenn Mitschülerinnen reden. Fixiert sie andere mit ihrem Blick, wirkt sie nachdenklich, ausser wenn ein Lächeln sie überkommt und ihren Ausdruck erhellt. Dies geschieht beispielsweise, wenn sie über ihre Erfahrungen auf der vergangenen Projektreise spricht. «Ich war sehr beeindruckt, all die Sachen zu sehen. Gleichzeitig hat es mich gefordert. Ich selber habe mich in diesem Lernprozess herausgefordert.» Als Pornruedee ins Land hinausging, lernte sie ganz viele unterschiedliche Dinge. Darauf habe sie sich zuerst vorbereiten müssen. Wie? Indem sie sich innerlich einstimmte. «Das Wichtigste ist, das Herz vorzubereiten », erklärt sie und lächelt. Die Jugendliche hat die Reise im Tonkla- Netzwerk in einem kurzen Video dokumentarisch festgehalten. Als Hintergrundmusik hat sie ein Stück gewählt, das von einer Person erzählt, die mit dem Rucksack durchs Land zieht. «Wenn man zurückkehrt und dieses Lied hört, erinnert es einen daran, was man an den jeweiligen Orten gelernt hat.» Für Pornruedee war es das erste Mal, dass sie ein Video zusammenschnitt, geschweige denn einen Computer benutzte. Dank der Hilfe der lokalen Partnerorganisation fand sie sich jedoch schnell zurecht. Beim diesjährigen Erfahrungsaustausch ist es der Jugendlichen ein grosses Anliegen, mit dem schuleigenen Theater Bewusstsein für die Kinderrechte zu schaffen. «Es geht mir aber auch darum, von anderen Studierenden zu lernen. Zu sehen, wie sie lernen, ob es gleich oder unterschiedlich ist wie bei uns. Wir wollen uns austauschen.»

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