Geschlagen, gehört, geschützt

Sie klären die Gemeinschaft über die Rechte der Kinder auf, sie leiten bei Kinderrechtsverletzungen entsprechende Schritte ein und prüfen deren Umsetzung. Kinderschutz-Komitees sind in Tansania kein Novum. Neu ist, dass die Gremien ihre Verantwortung kennen und diese auch wahrnehmen.

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Das Kinderschutzkomitee von Nyamalimbe: Sospeter Kalabite, Medard A. Makura, Costantine S. Glorliz, Regina J. Salum, Jonathan M. Mhogorn, Leah M. Katwale und Tiliani J. Mzunigu (von links).

Nyamalimbe liegt im Geita-Distrikt südlich des Victoriasees. Das dortige Kinderschutz-Komitee setzt sich aus sieben Mitgliedern mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zusammen: Lehrerinnen und Eltern sind ebenso vertreten wie Mitglieder des Gesundheitsdepartements oder der oberste Gemeindevertreter. In den fünf Jahren, seit sich die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi gemeinsam mit ihrer lokalen Partnerorganisation New Light Children Centre Organisation an 20 Projektschulen engagiert, habe sich im Bereich Kinderschutz vieles verändert, erzählen die sieben Mitglieder.

Inwiefern hat die Projektarbeit das Kinderschutz- Komitee gestärkt?

Medard A. Makura: Als wir in das Komitee berufen wurden, kannten wir weder die Kinderrechte noch das Konzept des Kinderschutzes in den Gemeinschaften. Im Projekt sind wir gezielt trainiert worden und kennen jetzt unsere Rolle. Wir kennen die Meldekette und wissen ganz genau, wie die Abläufe sind, wenn beispielsweise ein Kind missbraucht wird. Wir sind jetzt viel besser darin, die einzelnen Fälle zu kategorisieren und entsprechende Massnahmen einzuleiten.

Was sind die wichtigsten Aufgaben des Kinderschutz-Komitees?

Costantine S. Glorliz: Wir klären die Gemeinschaft über die Kinderrechte auf. Dies geschieht über verschiedene Kanäle wie beispielsweise Treffen auf Gemeindeebene. Weiter erhalten wir die Meldungen zu den Kinderrechtsverletzungen. Wenn es innerhalb unseres Mandats liegt, leiten wir entsprechende Schritte ein. Wenn es unsere Kompetenzen überschreitet, überweisen wir die Berichte an höhere Stellen. Bei Untersuchungen, die wir selber durchführen, machen wir auch eine Nachbereitung.

Können Sie das an einem Beispiel erklären?

Sospeter Kalabite: Geht es beispielsweise um Vernachlässigung innerhalb der Familie, führt unser Weg nicht zwingend dahin, das Kind komplett von den Eltern zu trennen. Wenn wir solche Fälle identifizieren, suchen wir als erstes immer das Gespräch mit den Eltern. Wir klären sie darüber auf, wie wichtig es ist, sich um die Kinder zu kümmern. Wenn wir ihnen zudem die rechtlichen Bestimmungen aufzeigen, fühlen sie eine stärkere Verantwortung. Nach einiger Zeit prüfen wir, ob sich die Situation verbessert hat und sich die Eltern daran halten.

«Wir klären die Gemeinschaft über die Kinderrechte auf.»

Wie gelingt es aus ihrer Erfahrung am besten, bei Eltern eine Verhaltensveränderung herbeizuführen?

Jonathan M. Mhogorn: Treffen direkt beim Gemeindevertreter, der auch unserem Komitee vorsitzt, haben sich als wirkungsvoll erwiesen. Gute Plattformen, um über Kinderrechte und Kinderschutz zu informieren, sind auch die Gemeindeversammlungen. Eine Teilnahme wird vorausgesetzt und entsprechend kommen viele Menschen zusammen. In den Dörfern ist dieses Instrument noch mächtiger als in den Zentren.

Was für Veränderungen stellen Sie seit dem Projektstart im Jahr 2016 fest?

Regina J. Salum: Als Lehrerin habe ich die Aufgabe, mich um alle Kinder zu kümmern. Wenn ich sehe, dass es einem Kind nicht gutgeht, hake ich nach und versuche herauszufinden, woran das liegt. Früher kamen Antworten wie: Ich habe seit gestern nicht mehr gegessen, ich bin gestern bis spät in die Nacht gelaufen oder ich wurde von meinen Eltern geschlagen. Das ist heute viel weniger der Fall. Das Komitee konnte solche Vorfälle massiv reduzieren. Wie viele Fälle werden an das Komitee herangetragen? Medard A. Makura: Das Kinderschutzkomitee trifft sich alle drei Monate. Jedes Mitglied rapportiert dann aus seinem Bereich, wie viele Meldungen zu Kinderrechtsverletzungen es erhalten hat.

Pro Vierteljahr sind es ungefähr drei bis fünf Fälle. Welche Rolle spielen die Kinderräte an den Projektschulen?

Regina J. Salum: Sie haben einen sehr positiven Einfluss. Dass nun Kinder selber Vorfälle melden, zeigt, dass die geschulten Kinder aus den Räten ihre Aufgabe ernst nehmen und ihr Wissen an die anderen Schülerinnen und Schüler weitergegeben haben. So verfügt eine Mehrheit der Kinder über Wissen über die Kinderrechte.

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