«Pro Woche suchen bis zu sieben Kinder Rat»

Die beiden Lehrkräfte Jesca Emmanuel und Edmund Rugabamu sind als Vertrauenspersonen erste Anlaufstelle für alle Kinder an ihrer Primarschule im tansanischen Bukoba Distrikt. Im Interview erzählen sie von Kinderrechtsverletzungen, Vertrauen und Veränderungen.

Die Kemondo Primarschule liegt am Westufer des Viktoriasees, eingebettet zwischen Bananenbäumen oberhalb einer kleinen Bucht, die kegelförmig rund zwei Kilometer ins Landesinnere reicht. Wie die meisten Schulen im Bukoba Distrikt drängen sich auch hier weit über 100 Schülerinnen und Schüler in ein Klassenzimmer – eine riesige Herausforderung für die meist schlecht ausgebildeten Lehrkräfte. Knapp 200 Personen haben im Projekt «Erhöhte Unterrichtspartizipation in einem gewaltfreien Umfeld » bereits eine gezielte Weiterbildung durchlaufen. So auch Jesca Emmanuel und Edmund Rugabamu, die sich in ihrer Funktion als Vertrauenspersonen für die Anliegen der Kinder stark machen.

Seit wann gibt es Vertrauenspersonen?

Jesca Emmanuel: Seit gut zweieinhalb Jahren.

Sie haben ein spezielles Training erhalten. Was haben Sie daraus mitgenommen?

Edmund Rugabamu: Durch das Training verstand ich mich selber besser und ich erhielt mehr Zeit, die Kinder zu verstehen, mit denen ich arbeite. Ich bin zur Einsicht gelangt, dass Bestrafung nicht die Art ist, um ein Kind zu ändern. Die meiste Zeit brauchen Kinder Führung. Jesca Emmanuel: Der Prozess startete damit, dass die Kinder diejenigen Lehrkräfte auswählten, die sie als VertrauenslehrerIn geeignet fanden. Im Training lernte ich, wie ich die Kinder betreuen und mit ihnen kommunizieren kann, wenn sie spezifische Anliegen haben. Wenn ein Kind in einer Situation ist, in der es sich nicht gegenüber jedem öffnen kann, ist es wichtig, dass es sich auszudrücken weiss. Dies kann mit speziellen Methoden und Orientierungshilfen gefördert werden.

«Im Training bin ich zur Einsicht gelangt, dass Bestrafung nicht die Art ist, um ein Kind zu ändern.»

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Die beiden Vertrauenspersonen Jesca Emmanuel und Edmund Rugabamu im Direktorenbüro der Primarschule Kemondo in Bukoba am Viktoriasee.

Wie gelang es Ihnen, das nötige Vertrauen zu den Kindern aufzubauen?

Jesca Emmanuel: Das war gar nicht so einfach und passierte langsam. Die Kinder mussten zuerst lernen, dass sie hier etwas melden können, ohne eine negative Auswirkung befürchten zu müssen. Die im Projekt initiierten Kinderklubs helfen zusätzlich, denn sie geben Wissen über die Kinderrechte und mögliche Verletzungen an die anderen Schülerinnen und Schüler weiter. Mittlerweile sind die Kinder gut trainiert, sodass sie einen guten Weg finden, um einen Rapport zu machen, beispielsweise, wenn Eltern sich nicht um ein Kind kümmern oder es zuhause schlagen.

Wie oft vertrauen Ihnen Schülerinnen und Schüler Kinderrechtsverletzungen an?

Edmund Rugabamu: Pro Woche kommen bis zu sieben Kinder, die Rat suchen. Jesca Emmanuel: Ich kümmere mich um die Mädchen und die haben spezielle Anliegen und Probleme. Darum biete ich manchmal, wenn gewisse Themen häufiger auftauchen, einen Treffpunkt an, an dem ich dann mit allen Mädchen über ein Thema spreche. So bin ich nahe am Puls und weiss, was sie beschäftigt.

Nimmt die Anzahl der Fälle in der langen Sicht eher zu oder ab?

Jesca Emmanuel: Ich denke, dass sie zunehmen. Dies hängt aber damit zusammen, dass das Bewusstsein dafür gewachsen ist, dass man sich uns anvertrauen kann.

Wann sind Sie glücklich mit Ihrer Arbeit?

Edmund Rugabamu: Ich bin glücklich, wenn ich sehe, dass die Kinder sich mir anvertrauen. Wenn sie vorbeikommen und mit mir über Dinge reden, die sie sich zuhause vielleicht nicht anzusprechen trauen. Ich bin glücklich, wenn ich die Möglichkeit habe, ein Kind zu begleiten und am Ende zu sehen, dass es sich auf positive Weise verändert hat. Jesca Emmanuel: Ich bin so glücklich, da ich fühle, dass sich die Schülerinnen anders verhalten, wenn sie bei anderen Lehrerinnen in der Klasse sind. Ich bin den Kindern sehr nahe und sie vertrauen sich mir an. Ich bin mehr als eine Lehrerin für sie – das macht mich sehr zufrieden.

Wie reagieren die Eltern auf Ihre Arbeit?

Edmund Rugabamu: Die Eltern sind sehr glücklich, denn die meisten haben noch nie ein Training oder irgendwas erhalten. Wenn die Kinder sich schlecht verhalten, machen sie es traditionell und schlagen sie. Gleichzeitig sehen sie, dass dies nicht funktioniert. Dank der Trainings aus dem Projekt können wir neue Ansätze aufzeigen. Manchmal kommen Eltern zu mir und erzählen, dass sie es leid sind, ihre Kinder zu schlagen. Jetzt sehen sie die Veränderung und sagen: Danke, dass wir jemanden haben, der uns in diesen Dingen helfen kann.

«Die Kinder mussten zuerst lernen, dass sie hier etwas melden können, ohne eine negative Auswirkung befürchten zu müssen.»

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