«Mehr auf die Fähigkeiten der Kinder vertrauen»

04.09.2018 - 07:50 | Christian Possa

Wendy wächst in Honduras Hauptstadt Tegucigalpa auf. Über einen Projektpartner der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi kommt sie in jungen Jahren mit den Kinderrechten in Berührung – eine Begegnung, die sie bis in die Schweiz führt.

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Caux, oberhalb des Genfersees. Ende Juli tauschen sich 162 Kinder aus der ganzen Welt am internationalen Forum CATS (Children as Actors for Transforming Society) darüber aus, wie Gewalt an Kindern verhindert werden kann. Neben Bolivien und Uruguay ist aus Lateinamerika auch Honduras am Forum vertreten. Die Repräsentantin: die 17-jährige Wendy. «Ich habe erst bei der Ankunft in Genf realisiert, dass wir wirklich ein Teil von CATS sind und sie unsere Stimme hören wollen», erinnert sie sich.

«Kinder wissen sehr genau, was ihre Realität ist. Sie haben Ideen und mit der Unterstützung der Erwachsenen können sie diese Ideen umsetzen.»

Begegnungen, die berühren

«Es war unglaublich bereichernd, mit Menschen verschiedener Länder, Kulturen und sozialer Schichten Erfahrungen austauschen zu können», erzählt die Jugendliche. Gleichzeitig seien beispielsweise die Erzählungen der palästinensischen Jugendlichen schockierend für sie gewesen. «Ich werde nie vergessen, dass sie ungeachtet der Gewalt, der sie tagtäglich ausgesetzt sind, immer noch ein Lächeln mit der Welt zu teilen haben.»

Wendy wächst in sehr einfachen Verhältnissen auf. Die Mutter arbeitet seit sie 18 ist auf dem Markt, der Vater transportiert Kokosnüsse aus einer kleinen Stadt im Norden von Honduras in die Hauptstadt. Als 6-Jährige wird sie ins Programm von Alternativas y Opportunidades aufgenommen, einer lokalen Partnerorganisation der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi. Was sie dort im Laufe der Jahre lernt, verändert sie nachhaltig. «Es geht darum, wie man als Kind für seine Recht einstehen kann – in Bezug auf die Schule, aber auch auf das Leben insgesamt.»

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Bewusstsein schaffen

Die 17-Jährige ist voller Elan aus Genf zurückgekehrt und will sich zukünftig noch intensiver damit beschäftigen, wie Erwachsene und Kinder im Sinne der Kinderrechtskonvention besser zusammenarbeiten können. Sie glaube schon, dass Erwachsene das Potenzial von Kindern anerkennen würden. «Wenn aber die Erwachsenen alle Entscheidungen treffen, ist dies schwierig.»

Wendy ist davon überzeugt, dass ein besseres Wissen über die Kinderrechte helfen kann. «Das sind Rechte, die unseren Schutz garantieren. Wären sich alle Kinder ihrer Rechte bewusst, wären sie nicht in dem Masse der Gewalt ausgesetzt, wie dies heute der Fall ist.» Geht es nach der jungen Honduranerin, so sollten alle Kinder in ihrer Heimat die Möglichkeit erhalten, geschult zu werden und zu lernen, über ihre Probleme oder über die Gesellschaft zu sprechen. «Kinder können nur vor Gewalt geschützt werden», resümiert die 17-Jährige, «wenn wir Räume schaffen, wo sie wirklich partizipieren können.»

Sie weiss, dass ihr Heimatland punkto Kinderrechte noch Aufholbedarf hat. Ihr geht es aber ganz grundsätzlich darum, dass Erwachsene ihre Muster verändern. «Sie sollten mehr in die Fähigkeiten der Kinder vertrauen. Kinder wissen sehr genau, was ihre Realität ist. Sie haben Ideen und mit der Unterstützung der Erwachsenen können sie diese Ideen umsetzen.»

Wendy steht kurz vor ihrem Highschool-Abschluss. In der Zukunft möchte sie sich verstärkt bei Alternativas y Opportunidades einbringen und dort ihre eigenen Erfahrungen mit anderen Kindern teilen. Und sie möchte an der Universität studieren – Innendesign, Rechtswissenschaften oder auch Sozialarbeit. Auch wenn dies zurzeit finanziell nicht drin liegt, bleibt die 17-Jährige optimistisch und hofft, dass es vielleicht im nächsten Frühling klappt.

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