Lorbeeren für Öko-Schulen

04.05.2019 - 13:04 | Christian Possa

Die von der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi entwickelten Kriterien für Clean&Green-Schulen sind von Myanmars Bildungsministerium auf nationalem Level angenommen worden. Die Programmverantwortliche Brigit Burkard erklärt im Interview, warum dies so wichtig ist und was daraus entstehen kann.

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Brigit Burkard, Programmverantwortliche Südostasien der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi, im Gespräch über den Projekterfolg in Myanmar/Burma

Brigit Burkard, was bedeutet diese Anerkennung?
Es ist ein riesiger Erfolg, weil man jetzt sagen kann: Etwas, das wir entwickelt haben, wird im ganzen Land angewandt. Wir als kleine NGO, nicht einmal aus dem Umweltbereich. Wir hatten dieses Ziel seit über einem Jahr an unserer Planungstafel in Trogen hängen, jetzt ist es plötzlich soweit.

Warum ist dies so wichtig?
Wir arbeiten seit 2016 mit dem Umweltministerium zusammen. In einer Vereinbarung haben wir verschiedene Punkte festgehalten, die wir erfüllen müssen. Darunter fiel beispielsweise eine Umfrage zur umwelttechnischen Situation an den Schulen in unserer Projektregion. Sprich: haben sie sauberes Wasser? Gibt es ein Abfallsystem? Haben sie energiesparende Öfen usw.? Zudem hält die Absichtserklärung fest, dass wir fünf ökologische Modellschulen entwickeln. Myanmar hat sich im Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) zur Entwicklung von Öko-Schulen verpflichtet, verfügte aber über keine Erfahrung in diesem Bereich. Also haben wir diese Nische genutzt, da wir uns der Problematik sowie der damit verbundenen Möglichkeiten und Chancen bewusst sind. Dank der Anerkennung des Bildungsministeriums kann jetzt theoretisch jede der gut 47000 Schulen im Land mithilfe unserer Kriterien eine eigene Öko-Schule aufbauen.

Warum arbeiten wir nicht direkt mit dem Bildungsministerium zusammen?
Unsere Vereinbarung besteht nur mit dem Umweltministerium. Unser Langzeitziel ist natürlich eine direkte Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium, da wir dann offiziell an allen Schulen arbeiten könnten. Dies ist jedoch sehr schwer zu erreichen. Die Regierung schreibt den beiden Ministerien eigentlich vor, die Öko-Schulen gemeinsam zu entwickeln. Wir haben erreicht, dass eine erste fruchtbare Zusammenarbeit entstanden ist. Das ist auch ein Erfolg. Und im Bildungsministerium kennt man uns jetzt. Es ist wichtig, dass sie wissen, dass es einen starken Nutzen für sie hat.

Können wir darauf Einfluss nehmen, ob Schulen die national anerkannten Kriterien anwenden?
Momentan hängt dies noch von den Schuldirektorinnen und –direktoren ab. Wie motiviert sind die verantwortlichen Personen? Wir können Interessierte in unsere Modellschulen einladen und ihnen zeigen, wie ein Abfallsystem aussehen oder wie der sparsame Umgang mit Brennholz funktionieren kann. Zudem arbeiten wir in anderen Projekten mit unserem Umwelthandbuch für Lehrpersonen.

Was hat es damit auf sich?
Das Handbuch ist ebenfalls im Rahmen der Vereinbarung mit dem Umweltschutzministerium entwickelt worden. Es unterstützt Lehrerinnen und Lehrer dabei, Umweltthemen zu unterrichten. Es gibt fünf Bände, die sich Themen wie Wasser, Erde oder Luft widmen. Das erste Buch ist allgemein gehalten, die folgenden vier aufeinander aufbauend. Die Bücher sind vom Umweltschutzdepartement anerkannt und bereits ins Englische übersetzt worden.

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Kann dieses bestehende Wissen Projekt- oder sogar Länderübergreifend multipliziert werden?
Das Umweltdepartement nutzt die Handbücher, um ihre eigenen Leute auszubilden. Wir setzen unser Handbuch über Partnerorganisationen in anderen Projekten auch an öffentlichen Schulen ein. In Laos arbeiten wir mit dem Lehrerinnen- und Lehrer-Kollegium zusammen. Die haben ebenfalls die Aufgabe, grüne Schulen zu entwickeln. Sie kommen in diesem Jahr nach Myanmar, um unsere Modellschulen zu besichtigen. Es sind immer ähnliche Auflagen der Regierungen. Und meist hat niemand irgendwelche Kriterien. Deshalb werden wir sicherlich unsere Kriterien mit ihnen teilen. Auch das Handbuch werden wir teilen, und es kann dem Kontext angepasst werden.

Warum ist Umweltbildung in vielen Ländern Südostasiens so ein grosses Thema?
Myanmar beispielsweise wird regelmässig von tropischen Wirbelstürmen heimgesucht, Überschwemmungen fluten ganze Dörfer. Gleichzeitig gibt es viele Trockenzonen, wo die Verwüstung rasant voranschreitet. Mit der Öffnung des Landes ist noch eine neue Problematik in ungeahnten Dimensionen dazugekommen: Abfall. Für Elektrogeräte oder Plastik gibt es in ganz Myanmar kein Entsorgungssystem, da man zuvor stark im Einklang mit der Natur lebte.

Was können unsere Modellschulen zu einer Verbesserung der Situation beitragen?
Es hat sich im Kleinen schon viel verändert. Vorher gab es an diesen Schulen kein Abfallsystem. Plastik warf man achtlos weg. Heute liegt nichts mehr herum. Es wird recycelt und sensibilisiert, möglichst wenig zu brauchen. Die Schule organisiert sich gemeinsam mit der Dorfgemeinschaft in verschiedenen Gruppen (Pflanzen, Wasser, Abfall).

Was sind die nächsten grossen Ziele, welche die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi in Myanmar anvisiert?
Wir haben das Ziel, nationale Richtlinien für Öko-Schulen zu entwickeln. Es geht darum, detailliert festzuhalten, wie man vorgeht und welche Schritte einzuhalten sind. Sodass jede Schule, die zur Öko-Schule werden möchte, eine klare Richtlinie hat, wie sie vorgehen muss.

Im folgenden Video erzählen die Verantwortlichen unserer Modell-Schule, wieso sie ihre Schule in eine Clean&Green-School entwickeln.

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