«Aus Abfall entsteht etwas Wunderschönes»

17.12.2019 - 16:40 | Christian Possa

Ahmed Seif Khaled – Lehrer von Beruf und Künstler im Herz – entwickelt an der Nyamigota Primarschule einfaches Anschauungsmaterial, sogenannte Unterrichtshilfen. Im Interview erklärt er, was es dazu braucht und warum sie Kinder zum Kreativsein anregen.

Im Geita-District am Victoriasee engagiert sich die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi an 20 Projektschulen für eine verbesserte Lernumgebung mit gewaltfreien Lehrmethoden. Die Unterrichtshilfen, welche die Lehrkräfte selber zu entwickeln lernen, sind dabei der Kitt, der die partizipativen Lehrmethoden zusammenhält.
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In seiner Brust schlagen zwei Herzen, das eines Lehrers und das eines Künstlers: Ahmed Seif Khaled mit einem Relief Afrikas, gestaltet mit Muscheln aus dem Viktoriasee.

Ahmed, du zeigst Lehrpersonen, wie man Unterrichtshilfen entwickeln kann. Was ist das Herausfordernde daran? 
Als ich hierherkam, waren die Unterrichtshilfen sehr grob und simpel. Die Lehrerinnen und Lehrer sind deshalb dazu übergegangen, selber Anschauungsmaterial für den Unterricht herzustellen. Sie greifen dazu auf einfachste Materialien aus ihrer direkten Umgebung zurück. Das können Flaschendeckel sein, oder Steine, Lehm, Bananenblätter und vieles mehr. Das reduziert die Kosten und regt Schülerinnen und Schüler dazu an, über die bisherigen Grenzen hinauszudenken. Zudem halten wir so die Umgebung sauber. Man sammelt Abfall und macht daraus etwas Wunderschönes.

Kannst du ein paar Beispiele von Unterrichtshilfen nennen? 
Ja klar. Es entstehen beispielsweise Plakate und Poster zu bestimmten Unterrichtsthemen, Rechenschieber, simple Uhren zum Üben der Zeit, ausgestopfte Tiere aus Plastik, Zahlenreihen mit Kronkorken oder Landschaften aus Pappe und Lehm für die Geografiestunde.

Wie reagieren die Kinder auf die Unterrichtshilfen? 
Kinder haben sehr vielfältige Talente. Wenn sie sehen, dass ihre Lehrperson so etwas Schönes herstellen kann, dann sind sie sehr inspiriert und bringen selber Materialien aus ihrer Wohnumgebung mit. So können wir gemeinsam etwas daraus machen. Wichtig ist es, ihnen Zeit zu geben, die Ideen umzusetzen, die sie in ihren Köpfen entwickelt haben. So entstehen beispielsweise einfache Gitarren oder Kochtöpfe aus Lehm. Wenn wir die Talente der Kinder würdigen, geben wir ihnen die Möglichkeit, sich kreativ auszudrücken.

«Man muss Kindern die Zeit geben, ihre Ideen umzusetzen.»

Ahmed Seif Khaled – Lehrer

Wie fühlt es sich an, wenn du merkst, dass deine Arbeit die Kinder anspricht? 
Ich bin sehr glücklich, dass sie inspiriert sind und mit eigenen Ideen aufkommen. Und ich fühle mich, als ob ich ihnen etwas zu verdanken habe, denn ihre Begeisterung erfüllt mich. Mein Ziel ist es, dass sie ihre lokale Umgebung wahrnehmen, sich ihrer Schönheit bewusst werden und daraus eigene Sachen kreieren.

Gibt es bestimmte Klassen, wo Schüler und Lehrer kreativ sein können? 
Wir haben einen Kunst- und Kulturclub gestartet. Leider fehlt uns momentan noch die Zeit dafür. Er findet einmal pro Woche ausserhalb der regulären Unterrichtszeit statt. Die Kinder sind aber auch zuhause kreativ. Manchmal bringen sie Sachen mit, die sie gestaltet haben und stellen sie hier noch fertig.

Kann man kreative Lernhilfen auch in Fächer wie Mathematik integrieren?
Ja klar. Gerade dort braucht es Unterrichtshilfen, damit der Unterricht nicht noch herausfordernder wird. Die Schülerinnen und Schüler lernen beispielsweise schneller, wenn sie auf visuelle Hilfsmittel zurückgreifen können. Dies ist sehr eindrücklich zu beobachten.

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