Plötzlich landesweit gefragt

10.06.2020 - 16:05 | Christian Possa

Sifrasi Nyakupora ist im Projekt der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi zu einer Spezialistin für kinderzentrierte Unterrichtsmethoden geworden. Dies hat sich herumgesprochen, sodass nun auch die Regierung regelmässig bei ihr anklopft und sie in nationalen Bildungsprogrammen einsetzt.

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Ist durch das Projekt in die Position geraten, der Gesellschaft etwas zurückgeben zu können: Lehrerin Sifrasi Nyakupora.

«Die Arbeit in anderen Projekten ist für mich sehr befriedigend, da ich der Gesellschaft etwas zurückgeben kann», schwärmt Sifrasi Nyakupora. Oft kommt die Lehrerin an abgelegenen Schulen zum Einsatz, wo die Kapazitäten fehlen, um kindergerecht zu unterrichten. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen gibt sie bei Trainings für Lehrerinnen und Lehrer oder für Bildungsverantwortliche der Lokalregierungen weiter. An der Universität von Dodoma hat sie ein Erwachsenenbildungsprogramm aufgebaut, das die Alphabetisierung auf Gemeindeebene zu verbessern versucht.

Am Anfang war ein Stück Papier

Neben all ihren Engagements unterrichtet Sifrasi Nyakupora im Kongwa- Distrikt. Genauer gesagt an der Viganga- Primarschule, knapp 100 Kilometer östlich der Landeshauptstadt Dodoma. Hier nahm mit dem Start des Projektes «Hochwertige Schulbücher für Kinder in ihrer Muttersprache Swahili» alles seinen Lauf. Wie viele ihrer Arbeitskolleginnen und -kollegen lernt Sifrasi Nyakupora in Trainings der lokalen Partnerorganisation Children’s Book Project Tanzania (CBP) kinderzentrierte Lehrmethoden kennen. Sie lernt, wie man Lesebücher sowie Unterrichtshilfen entwickelt und diese in den Unterricht integriert oder wie man Bibliotheken organisiert und Leseklubs fördert. 2015 hält sie die «Training of Trainer»-Bescheinigung in ihren Händen – ein kleines Stück laminiertes Papier, das ihr Tür und Tor öffnet. «Dank des Zertifikats bin ich vom Bildungsministerium anerkannt und in ihr nationales Bildungsprogramm involviert.»

Aktiver lehren und lernen

Da sich Sifrasi Nyakupora oft im Bildungssektor bewegt, erlebt sie die Veränderungen, die das Projekt auslöst, hautnah mit. Früher seien beispielsweise viele Lehrpersonen ohne Vorbereitung und ohne Unterrichtshilfen in die Klassen gegangen. Fehlendes Wissen, aber vor allem die Gewissheit, dass die Regierung als potente Arbeitgeberin den Lohn regelmässig ausbezahlt, hat viele in ihrer Trägheit gefangen. «Im Projekt konnte ich anderen Lehrerinnen und Lehrern die Vorteile aufzeigen, den Unterricht mit Materialien aus der Umgebung auf simple Weise aufzulockern und Schülerinnen und Schüler mehr zu involvieren.»

Die grössten Veränderungen sieht Sifrasi Nyakupora bei den Kindern selbst. «Durch die neuen Lehrmethoden nehmen die Schülerinnen und Schüler viel aktiver am Unterricht teil. Und die Unterrichtshilfen wecken ihr Interesse, was sich in deutlichen Verbesserungen beim Lesen, Schreiben und Rechnen niederschlägt.»

Kraft des Lesens

Ein zentrales Element des Bildungsprojektes der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi in den Distrikten Kongwa und Chalinze sind die Bibliotheken der 45 Projektschulen. Sie schaffen die Grundlage, auf welcher die Kinder eine Gewohnheit fürs Lesen entwickeln können. «Dürfen Kinder die Erfahrung machen, in einer Bibliothek zu sitzen und zu lesen, dann stellen die meisten fest, dass sie es mögen, ja gar lieben, Bücher zu lesen», betont Suleiman Kingo, der für die Lokalregierung im Projekt involviert ist. Sifrasi Nyakupora geht sogar noch einen Schritt weiter. «Wenn die Kinder Bücher ausleihen und zuhause lesen, dann weckt dies auch das Interesse der Eltern.» Sie hat darum ein Programm angestossen, bei dem Eltern Bücher ausleihen können. An Elterntreffen hat man später die Vielleser angesprochen und in den Gemeinschaften als Botschafter für die Wichtigkeit von Bildung eingesetzt.

Auch wenn beispielsweise im Bereich des Kindesschutzes noch viel Arbeit ansteht, ist Sifrasi Nyakupora davon überzeugt, dass das Projekt den Lehrkräften sehr hilft. Jungen Lehrerinnen und Lehrern, die ihre Ausbildung abschliessen, fehlten meist wichtige Unterrichtskompetenzen punkto Lesen, Schreiben und Rechnen. «Und wie soll jemand unterrichten, wenn er keine Methodik zur Hand hat?», fragt sie. Sie sei selber ein gutes Beispiel dafür. In den zehn Jahren nach der Universität unterrichtete sie nie Unterstufe, weil sie sich nicht kompetent fühlte. Die Arbeit im Projekt habe ihr das nötige Fachwissen und die Motivation gegeben, genau dies zu tun. Darum steht für sie fest: «Ohne solche Programme wären die Schulen und die Leistungen der Schülerinnen und Schüler viel schlechter, als sie jetzt sind.»

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