Seinem Ziel ein Stück näher

10.06.2020 - 15:55 | Christian Possa

2016, als wir ihn zum ersten Mal trafen, träumte Ezekiel davon, Medizin zu studieren, um Menschen wie seinem blinden Grossvater helfen zu können. Welche Träume der 14-Jährige heute verfolgt, zeigt ein neuerlicher Besuch im tansanischen Songambele.

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Viele kennen seine Geschichte aus dem 360-Grad-Film, der im Besucherzentrum der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi gezeigt wird: Ezekiel während des Interviews in der Bibliothek seiner ehemaligen Schule in Songambele.

Ezekiel sitzt im Schneidersitz auf dem Boden der Bibliothek. In den Händen hält er eine Bildergeschichte, neben ihm kauert ein grosser Stofftiger. Unzählige Stunden hat er während seiner Primarschuljahre genau so verbracht. Ezekiel erinnert sich gerne an die Zeit an der Projektschule der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi zurück. Nicht nur, weil er hier Lesen und Schreiben gelernt hat, sondern auch, weil ihn die Lehrpersonen förderten und in seiner Entwicklung unterstützten. Ezekiel hat den Sprung in die Sekundarschule mit Bestnoten geschafft. Von all den Geschichten, die er in der Bibliothek aufgesogen hat, ist ihm eine besonders geblieben: die Ameise, die den Elefanten besiegt.

Mehr als Nachhilfe

Die Sekundarschule von Songambele liegt auf einer Anhöhe am Rande des Dorfes. Ezekiel kommt hier gut zurecht, auch wenn es für ihn sehr herausfordernd ist, dass der gesamte Unterricht auf Englisch gehalten wird. Er habe sich deshalb einen Diktionär gekauft, erklärt er. «Nun schlage ich alle Wörter nach, die ich nicht verstehe.» Der 14-Jährige liest nach wie vor viel, jetzt aber vorwiegend Fachbücher. Als Ezekiel bei einem Besuch vor drei Jahren in seine Zukunft blickte, wollte er Medizin studieren. Mit dem Wechsel in die Oberstufe hat sich sein Berufswunsch verändert. Er arbeitet nun darauf hin, Ingenieur zu werden. «Das wird mir die Möglichkeit geben, die Nation aufzubauen und ihr zu helfen », erklärt er selbstbewusst.

Selina Kadawele glaubt fest an den Jungen. Sie ist Primarschullehrerin und Predigerin in Songambele und wohnt unweit von Ezekiel und seinen Grosseltern. «Er arbeitet hart und ist sehr kreativ», erzählt sie. Einzig die Trennung von seinen Eltern belaste den Jungen stark. Darum unterstützt sie Ezekiel nicht nur akademisch, sondern auch spirituell. Er isst regelmässig bei ihr, wenn es daheim nicht genug gibt, oder er kommt zum Lernen vorbei, da zuhause die Elektrizität fehlt – kurz: Sie ist ein Teil seines Lebens. Selina Kadawele ist überglücklich, dass Ezekiel den Sprung in die Sekundarschule geschafft hat. «Wir haben das auch in der Kirche gefeiert. Das war schon etwas Grosses.»

«Ich kann kämpfen und mich anstrengen und eines Tages dasselbe erreichen wie sie.»

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Lehrerin aus Leidenschaft und enge Vertraute von Ezekiel: Selina Kadawele.

Der 14-Jährige hat erst im Nachhinein realisiert, wie sehr ihn seine Lehrerin damals unterstützt hat. «Sie war sehr fordernd und hart», erinnert er sich und folgerte daraus, dass sie ihn nicht mögen würde. Heute weiss er es besser. «Sie opferte sehr viel Zeit, wenn sie samstags mit mir zum Lernen hierherkam. Dafür bin ich sehr dankbar.»

Ein Kämpferherz

Die Verbindung zu Selina Kadawele und zu seiner alten Schule hat Ezekiel nicht abreissen lassen. Wenn Siebtklässler etwas nicht verstehen, wenden sie sich an ihn. Und wenn er ein persönliches Anliegen hat, bespricht er dieses mit seiner Vertrauenslehrerin und sie hilft, wenn sie kann. In schwierigen Momenten erinnert sich Ezekiel gerne an die Bildergeschichte, die er in der Bibliothek so oft las. Diejenige des Elefanten, der ausser Rand und Band war. Verschiedene kräftige Tiere versuchten ihn zu bändigen, scheiterten jedoch allesamt. Am Schluss war es eine Ameise, die durch seinen Rüssel in sein Gehirn kroch und ihn so zur Vernunft brachte. Ezekiel bestärkt diese Geschichte in seiner Überzeugung, dass kleine Dinge Grosses bewirken können. Wenn manche ihn klein machen wollen, weil er aus armen Verhältnissen stammt, ruft er sich Folgendes in Erinnerung: «Ich kann kämpfen und mich anstrengen und eines Tages dasselbe erreichen wie sie.»

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