Von der Klatsche zum Klatschen

03.02.2019 - 09:11 | Christian Possa

Simeon Nkahulirwa Batunika pflegte ihre Klassen mit harter Hand zu führen. Das Projekt «Erhöhte Unterrichtspartizipation in einem gewaltfreien Schulumfeld» hat ihr neue Wege aufgezeigt – auf Schulbesuch am Westufer des Viktoriasees.

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Ist ihren Kindern dank der Trainings im Projekt viel näher als früher: Simeon Nkahulirwa Batunika.

Bukoba-District, Karwoshe Primarschule. 58 der insgesamt 478 Kinder hier besuchen die Preschool, das tansanische Pendant zum Kindergarten. Die winzigen Holztische und –bänke im Klassenzimmer formen ein breites Hufeisen. In dessen Mitte tanzen auf- und abspringend Schülerinnen und Schüler in ihren grün blauen Schuluniformen. Mittendrin schwingt Simeon Nkahulirwa Batunika ihre Hüften und gibt mit einem rhythmischen Klatschen den Takt an.

Die Augen geöffnet

Aktivitäten wie ein Lied, ein gemeinsamer Tanz oder ein Spiel baut die Lehrerin regelmässig in den Unterricht ein, um die drei- bis sechsjährigen Kinder zu aktivieren. Eine Vorschulklasse zu managen war für sie, die in den vergangenen acht Jahren eine sechste Klasse unterrichtete, Neuland. «Die Trainings im Projekt haben mir dabei geholfen, kleine Kinder ihren Bedürfnissen entsprechend zu unterrichten.» Simeon Nkahulirwa Batunika spricht offen darüber, dass es früher Usus war, die Kinder mit Stöcken zu züchtigen. Sie habe selber zu den Lehrern gehört, die brutal zu den Kindern gewesen seien. Mit dem Projekt hat sich viel verändert. Die Schule verfügt heute über eigene Kinderschutzrichtlinien und die Lehrpersonen über das nötige Wissen, den Unterricht entsprechend zu
gestalten. «Die Kinder sind heute viel näher bei mir und ich fühle mich mit ihnen verbunden», erzählt die Vorschul-Lehrerin. Die partizipativen Lehrmethoden brächten aber noch weitere Vorteile. «Man sieht beispielsweise viel einfacher und klarer, dass die Kinder den Unterricht verstehen.»

«Die Kinder sind heute viel näher bei mir und ich fühle mich mit ihnen verbunden.»

Simeon Nkahulirwa Batunika – Lehrerin

Vom Projekt ins Private

Simeon Nkahulirwa Batunika greift gerne auf einfache Unterrichtshilfen zurück, die sie in Workshops kennengelernt hat und selber zu entwickeln weiss. Ein Beispiel: Beschäftigen sie sich mit Zahlen, so hilft es, wenn sie die Zahl nicht nur an die Tafel schreibt, sondern die Kinder diese auch noch mit Kronkorken vor sich auf dem Tisch nachformen lässt.

Vieles, was die Lehrerin in den Trainings der lokalen Partnerorganisation Voluntary Service Overseas (VSO) gelernt hat, beeinflusst sie auch in ihrem Privatleben. So habe sich die Art und Weise, wie sie mit Kindern umgehe, auch im familiären Umfeld oder in der Nachbarschaft grundlegend verändert. Hat beispielsweise ein Kind etwas falsch gemacht und deren Eltern wollen gleich losschimpfen, regt sie an, zuerst mit dem Kind zu reden und zu schauen, was passiert ist. «Nur so kann das Kind aus der Situation lernen.»

Im Klassenzimmer der Karwoshe Primarschule ist der Moment für eine weitere Aktivität gekommen. Immer tiefer sinken die Kinder in ihre Sitzbänke oder fläzen auf den Ellbogen aufgestützt auf den Tischen. Simeon Nkahulirwa Batunika zieht unter ihrem Pult eine grosse Kartonkiste mit handgefertigten Bällen und geflochtenen Springseilen hervor. Eine Form der Unterrichtshilfen, die bei den Kindern besonders hoch im Kurs steht.

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