Coronavirus: Politischer Appell zum Schutz von Kindern und Jugendlichen

In der aktuellen Corona-Krise drohen die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen weltweit und auch in der Schweiz vergessen zu gehen. Auch wenn Kinder nicht zur primären Risikogruppe des Virus gehören, so sind sie unmittelbar von den Auswirkungen der politischen Entscheide betroffen. In den Massnahmen für die Eindämmung des Coronavirus muss darum neben dem Schutz der Gesundheit der Gesamtbevölkerung und der Wirtschaft unbedingt auch der Schutz der Kinder und Jugendlichen sowie ihre psychische und physische Gesundheit berücksichtigt werden. Gemeinsam mit anderen Hilfswerken und Fachorganisationen fordern wir deshalb den Bundesrat in einem öffentlichen Appell auf, bei allen Massnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus den Schutz der Kinder und Jugendlichen zu berücksichtigen und die in der UN-Konvention verbrieften Kinderrechte zu garantieren.

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Wir fordern

Schulische Unterstützung für alle Kinder und Jugendlichen sicherstellen:

Durch die Schulschliessung sind Kinder und Jugendliche in ihrem Schulalltag zuhause vermehrt auf sich allein gestellt. Auch wenn Lehrpersonen und Eltern in diesen Tagen einen grossartigen Einsatz leisten, sind insbesondere schwächere Schülerinnen und Schüler oft überfordert. Die Chancenungleichheit in der Bildung droht sich in der Schweiz nochmal massiv zu verschärfen. Schulen müssen die nötigen Ressourcen erhalten, um allen Kindern und Jugendlichen die entsprechende schulische Unterstützung zu gewährleisten.

Gefährdete Kinder und belastete Jugendliche schützen und auffangen:

Weil Lehrpersonen sowie Schulsozialarbeitende die Kinder nicht mehr regelmässig vor Ort sehen, entfällt für gefährdete Kinder ein wichtiges Sicherheitsnetz und Frühwarnsystem. So fehlt vielen Kindern aus belasteten Familien nicht nur die nötige Betreuung und Unterstützung, sondern sie sind vermehrt dem Risiko von häuslicher Gewalt ausgesetzt. Zudem fallen mit der Schulschliessung sowohl die gewohnte Tagesstruktur wie auch die wichtigen sozialen Kontakte zu Freunden weg. Insbesondere vorbelastete Jugendliche leiden vermehrt unter Ängsten und Einsamkeit. Es braucht dringend Massnahmen sowie die nötigen zusätzlichen finanziellen Mittel, damit gefährdete Kinder und belastete Jugendliche geschützt und aufgefangen werden können. 

Eltern entlasten und gezielt unterstützen:

Alle Eltern sind enorm gefordert in diesen Wochen und stark unter Druck. Neben ihrer eigentlichen Betreuungsaufgabe kommt nun die Begleitung des Home Schooling dazu und in vielen Familien muss gleichzeitig auch Home Office stattfinden können. So sind die einen Eltern zwar zuhause, aber oft absorbiert und für viele Kinder verständlicherweise nicht in dem Masse verfügbar, wie es nötig wäre. Andere Eltern haben nicht die Möglichkeit für Home Office, bzw. können maximal während drei Tagen zu Hause bleiben, ohne finanzielle Einbussen in Kauf zu nehmen. Dies führt immer wieder dazu, dass Kinder auch unbeaufsichtigt oder in der Obhut von älteren Geschwistern daheim sind. Für ganz viele Kinder fällt zudem der gewohnte Kontakt zu ihren Grosseltern oder anderen Bezugspersonen wie Tagesmutter, Kita-Betreuungspersonen usw. für längere Zeit weg. Diese sind oft wichtige Bezugspersonen und spielen eine zentrale Rolle im Familiengefüge. Gerade jetzt, wo Verunsicherung und Ängste da sind, Freundschaften zu anderen Kindern nicht mehr wie gewohnt gepflegt werden können und die Eltern oft an ihre Grenzen kommen, fehlen diese Bezugspersonen sehr. Alleinerziehende Eltern sind über die bereits im normalen Alltag grossen Herausforderungen hinaus zusätzlich belastet. Familien, in denen der eine oder gar beide Elternteile aktuell nicht arbeiten können, haben Zeit für die Kinderbetreuung, sind aber oft belastet mit Ängsten der finanziellen Sicherheit. Sozio-ökonomisch bereits belastete sowie armutsbetroffene Familien sind noch stärker unter Druck, als bereits vor der Krise. Es braucht nun gezielte Massnahmen sowie die nötigen zusätzlichen finanziellen Mittel, um Familien zu unterstützen und Krisen sowie Notsituationen aufzufangen. Dabei müssen alle Familienformen und -modelle berücksichtigt werden.

Sie möchten den Bundesrat ebenfalls zum Handeln auffordern? Unterzeichnen Sie die Online-Petition von Pro Juventute.

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