Sprache – der Schlüssel zur Bildung

Am 21. Februar ist Internationaler Tag der Muttersprache 20.02.2019 - 14:48 | Christian Possa

In Thailands existiert nur eine offizielle Amtssprache: Thai. Für all jene, die eine der anderen über 70 existierenden Sprachen im Land sprechen, ist dies ein massiver Stolperstein auf ihrem Bildungsweg. Die Folgen sind schlechte Lernergebnisse, hohe Schulabbruchraten und der Verlust kultureller Identität.

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Karennikinder in einem Flüchtlingscamp in Nordthailand folgen dem zweisprachigen Unterricht.

Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi setzt sich seit über einem Jahrzehnt dafür ein, dass indigene Kinder und Jugendliche in Thailand in ihrer Muttersprache an die Amtssprache herangeführt werden. Auf dem Weg zum Kinderrecht auf Bildung in der eigenen Sprache hat sich der muttersprachbasierte multilinguale Unterricht als besonders wirksam bewährt.

Brücke zur Zweitsprache

Dessen Konzept sieht vor, dass sich Kinder schrittweise einer Zweitsprache annähern. Im ersten Kindergarten sprechen sie nur ihre Muttersprache, lernen ab dem zweiten Semester jedoch täglich ein paar Wörter Amtssprache. Im zweiten Jahr kommt Thai hinzu. In der Primarschule wird die Brücke zum Lesen und Schreiben geschlagen – im ersten Jahr noch angeleitet in der nativen Sprache. Ab der zweiten Stufe ist der Unterricht komplett bilingual ausgelegt. In der vierten Klasse folgt der Wechsel in die offizielle Amtssprache mit der Muttersprache als Unterrichtsfach.

Vom zweiten Kindergarten bis in die dritte Klasse unterrichtet die thailändische Lehrperson gemeinsam mit einer Assistenz-Lehrkraft, welche der Muttersprache der Schülerinnen und Schüler mächtig ist. Unterstützend wird stark mit visuellen Lehrmaterialien wie Bildergeschichten gearbeitet. Diese erarbeiten die Lehrpersonen meist selbst, damit sie die Bedürfnisse und die Lebenssituation der benachteiligten Kinder und Jugendlichen bestmöglich abbilden.

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Auf das Wesentliche konzentrieren

Die positive Bilanz nach zehn Jahren muttersprachbasiertem bilingualem Unterricht in Thailand hat die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi 2016 darin bestärkt, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Brigit Burkard, Programmverantwortliche Südostasien, konnte an der internalen Konferenz zu Sprache und Bildung in Bangkok sehr erfreuliche Entwicklungen vermelden. "Die Kinder und Jugendlichen aus unseren Projekten haben bei nationalen Tests bessere Lernergebnisse erzielt." Sie seien in Thai sowie in ihrer Muttersprache gut ausgebildet und lernten gerne.

Umso wünschenswerter ist es, die Methode national zu etablieren und so viel mehr Kindern und Jugendlichen sprachlicher Minderheiten einen Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Herausfordernd dabei ist vor allem die fehlende finanzielle Unterstützung auf politischer Ebene. Dazu kommt, dass die Implementierung sehr zeitaufwändig ist, da sie alle lokalen Anspruchsgruppen involviert. Gibt es an einer Schule zudem mehrere ethnolinguistische Gruppen, macht dies die Anwendung der Methode um einiges anspruchsvoller.

Übersicht unserer Projekte im Bereich Muttersprache

  • Thailand – Verbesserte Bildungsqualität für ethnische Minderheiten | Projektphase 1 – 2017-2020
  • Thailand – Spezialtraining für LehrerInnen der Karennikinder in Flüchtlingscamps | Projektphase 1 – 2018-2021
  • Thailand – Muttersprachbasierte, bilinguale und interkulturelle Bildung in Koh Lanta | Projektstart 2019
  • Myanmar – Qualitativ hochwertige Bildung für Karenkinder | Projektphase 2 – 2018-2020
  • Laos – Qualitative Bildung mit Hilfe von kinderzentrierten Unterrichtsansätzen | Projektphase 2 – 2018-2021
  • Laos – Verbesserte Grundausbildung für Lehrpersonen | Projektphase 1 – 2017-2020 (in diesem Projekt läuft der Prozess, den Unterricht von Laos als Zweitsprache in den Lehrplan aufzunehmen)
  • Tansania – Hochwertige Schulbücher für Kinder in ihrer Muttersprach Swahili | Projektphase 3 – 2017-2019
  • Äthiopien – Zugang zu Bildung für Kinder in der äthiopischen Wüste | Projektphase 1 – 2016-2018

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