Bewährtes bewahren

18.12.2019 - 14:56 | Christian Possa

Mit dem Projekt «Verbesserte Bildungsqualität für ethnische Minderheiten» entstand in Mae Chan im Westen Thailands 2017 das Karen Hermit Community Learning Centre. Ergänzend zum regulären Lehrplan wird hier lokales Wissen gelehrt.

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Rund zehn Familien leben gemeinschaftlich im Dorf. Die Behausungen der Karen sind zu grossen Teilen aus Bambus gefertigt und demonstrieren die handwerkliche Geschicklichkeit des Bergvolkes. Die Infrastruktur des Dorfes passt sich nahtlos an die Umgebung an und scheint wie in den Dschungel gegossen. Darin wird eine wichtige Philosophie des Volkes sichtbar: Leben im Einklang mit der Natur. Vieles von dem, was die Dorfgemeinschaft braucht, gibt ihnen die Natur, respektive der Wald. Jeweils am Samstag kommen zwischen 35 und 45 Kinder aus benachbarten Dörfern hierher, um zu lernen. Unterrichtet werden Pflanzenkunde, Wanderfeldbau, Kunsthandwerk sowie die Sprache der Karen.
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Die meisten Personen, die im Karen Hermit Community Learning Centre unterrichten, sind keine ausgebildeten Lehrpersonen. So auch Naw Bee Pongmeta, die einen halbtägigen Fussmarsch auf sich nimmt, um ihr Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. In Workshops im Projekt hat sie verschiedene kinderzentrierte Unterrichtsmethoden wie beispielsweise das bewegte Lernen (Total Physical Response) kennengelernt. Am liebsten verwendet sie grosse Bilderbücher mit Inhalten aus der lokalen Kultur. «Ich merke, dass die Kinder mehr Freude am Unterricht haben», erzählt die 39-Jährige. «Sie zeichnen und lernen mehr und stellen sogar beim Schreiben Verbindungen her.»
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Som Hmai Subrangsitkul ist der Dorfälteste und aufgrund seiner Erfahrung eine Respektsperson. Ihm ist es ein grosses Anliegen, das Wissen der Karen an die Nachkommen weiterzugeben. Beim Lernzentrum gehe es nicht nur darum, lesen und schreiben zu lernen. «Es geht darum, mehr über den Wald, das Wasser und die Sonne zu lernen – über die Interaktion zwischen den Elementen, über das Ökosystem als Ganzes.» Die Gemeinschaft der Karen hat zusammen mit dem Projektteam begonnen, das lokale Wissen in einem Buch niederzuschreiben. Die Vision des Dorfältesten ist es, dass die Kinder in Einklang mit der Natur zu leben lernen. «Die Aufgabe der Lehrkräfte ist es, den Kindern zu zeigen, wie sie dieses Wissen erfassen und aufschreiben können.»
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Im Fach Handwerkskunst lernen die Knaben Techniken kennen, um aus Bambus Körbe oder andere nützliche Tragehilfen zu flechten. Während Anfänger einen ganzen Tag für einen Korb brauchen, fertigt ein Geübter in der selben Zeit drei Körbe. Geflochten wird in der Gruppe. Der soziale Austausch zieht sich durch fast alle Lebenslagen der Karen. Neben dem Flechten lernen Jungs, wie man Messer herstellt. Bei der täglichen Arbeit ist es ein derart wichtiges Instrument, dass es jeder Mann zusammen mit seiner Umhängetasche stets mit sich führt.
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Die Mädchen werden von den Frauen im Dorf in die Kunst des Webens eingeführt. Gewoben wird im Sitzen. An einer Bambuskonstruktion, die sich über mehrere Meter in die Breite zieht, können etwa sechs Mädchen gleichzeitig arbeiten. Über einen breiten Gurt, der die Taille und den unteren Rücken umfasst, kontrollieren die Mädchen die Spannung auf den Längsfäden. Aus den gewebten Stoffen entstehen später traditionelle Tücher und Trachten.
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Prapada ist 12 Jahre alt. Unter der Woche besucht sie die 6. Klasse der in Thailand verbreiteten Grenzpolizeischule, die hier die Aufgabe einer Primarschule übernimmt, am Samstag die 3. Klasse des Community Learning Centre. An der öffentlichen Schule in einer ihr fremden Sprache unterrichtet zu werden, fiel ihr schwer. «Zu Beginn dachte ich, dass ich nie Thai werde sprechen können. Mittlerweile kann ich mich mit meinen Freundinnen und Freunden unterhalten.» Trotzdem bevorzugt sie den lokalen Unterricht im Dorf. Die Lehrpersonen hier seien sehr nett und ruhig. Zudem hätten die Trainings viel bewirkt. «Wir machen beispielsweise Aufwärmübungen vor dem Unterricht und lernen mit unterschiedlichen Materialien, Bildern und Fotos. Das macht es für mich sehr einfach, zu verstehen.»

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