«Einfluss auf die Lehrerausbildung nehmen»

03.06.2019 - 11:23 | Christian Possa

Brigit Burkard ist Programmverantwortliche Südostasien. Im Interview erzählt sie von der Bedeutung der Regierungswahlen in Thailand, von den Früchten der Arbeit in Laos und vom anhaltenden Kachin-Konflikt in Myanmar.

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Was beschäftigt Thailand derzeit?
Seit 2014 wird das Land vom Militär regiert. Mit den Wahlen, die Ende März stattfinden, wächst die Hoffnung, dass eine neue Partei an die Macht kommt und das Land demokratisiert. Thailand hat in den vergangenen 86 Jahren 13 Militärputschs, 29 Premierminister und 20 Verfassungen durchlebt. Darum ist es dem Land bisher nicht gelungen, starke demokratische Institutionen zu etablieren.

Inwiefern beeinflusst die Wahl unsere Projekte?
Eine neue Regierung bedeutet meist eine neue Gesetzgebung. Kommt eine Partei an die Macht, die gleiche Bildungschancen für alle begrüsst, dann wird dies gefördert. Werden die Prioritäten anders gesetzt, fliesst kein Geld. Ein Beispiel dafür sind die Löhne der Assistenztrainer in unseren Projekten mit muttersprachbasiertem zweisprachigem Unterricht, wenn die Lehrperson nicht die Muttersprache der Kinder spricht und darum eine zweite Lehrkraft vor Ort ist. Früher wurde ein Teil bezahlt; seit der Militärregierung nicht mehr. Hier erschweren finanzielle Aspekte die Nachhaltigkeit.

«Da wir mit der Hochschule für Lehrpersonen zusammenarbeiten, können wir direkt Einfluss auf die Lehrerausbildung nehmen.»

Wo werden 2019 wichtige Etappenziele erreicht?
In den Flüchtlingscamps an der Grenze zu Myanmar entstehen die Lehrpläne für die erste und zweite Klasse. Aus unseren Projektschulen in der Tak Provinz werden weitere Jugendliche am Tonkla-Netzwerk teilnehmen, welches sich für die Rechte marginalisierter Kinder, für sprachliche Minderheiten sowie für interkulturelle Bildung stark macht.

Bleiben wir bei den Höhepunkten. Was steht in Laos an?
Dadurch, dass wir mit der Hochschule für Lehrpersonen zusammenarbeiten, können wir direkt Einfluss auf deren Ausbildung nehmen. Angehende Lehrpersonen lernen, wie man indigenes Wissen in den Lehrplan integriert. Diese Arbeit wird dieses Jahr Früchte tragen. In den Primarschulen verfügen Lehrerinnen und Lehrer über viel bessere Hilfsmittel, um den Unterricht kinderzentriert und partizipativ zu gestalten.

Wie ist die aktuelle Lage in Myanmar?
Im Kachin-Konflikt im Norden des Landes sieht es nicht danach aus, dass die Auseinandersetzungen bald beigelegt werden könnten. Das Traurige ist, dass selbst wenn der Konflikt beendet würde, die Menschen aus den Flüchtlingslagern noch lange nicht zurückkehren könnten, da viel Land vermint ist. Ausserdem ist Myanmar aktuell natürlich auch noch stark mit der Rohingya-Krise beschäftigt, in dieser Region haben wir allerdings derzeit keine Projekte.

Worauf fokussiert sich unsere Arbeit in den Camps?
Auf die Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen. Diese sind selber Flüchtlinge und nicht ausreichend ausgebildet. Zudem werden sie in der Trauma-Arbeit geschult, damit sie sich den Kindern und Jugendlichen annehmen können, die von der Flucht traumatisiert sind. So können sie ihnen einen strukturierten Alltag mit Spielen und Lernen bieten.

Dieser Artikel ist im Patenschaftsbericht 01|2019 erschienen.

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