«Unser Bildungssystem gleicht einer Packung Instant-Nudeln»

01.02.2019 - 16:42 | Sereina Meienhofer

Sirirat Chaloemthai, bekannt als «Koi», arbeitet als Projektverantwortliche Bildung in Thailand. Seit sie zur Schule gegangen ist, hat sich in ihrer Heimat einiges verändert.

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Unterstützt die lokalen Partnerorganisationen im Land bei der Planung und Umsetzung der Projekte sowie bei Themen wie Kinderrechte, Kinderschutz oder interkulturelle Bildung: Sirirat Chaloemthai.

Sirirat Chaloemthai ist in Bangkok geboren. Heute lebt die 43-Jährige in Chiang Mai, im Norden Thailands. Obwohl sie nur eine jüngere Schwester hat, ist Sirirat in einer Grossfamilie aufgewachsen. «Meine Oma hatte sieben Kinder», sagt Sirirat. Wenn ihre Mutter spät von der Arbeit nach Hause kam, genoss sie das Abendessen bei ihrer Tante und sie verbrachte viel Zeit bei der Grossmutter. Familie und Freunde nennen sie «Koi». Ihr Kosename hat aber keinen Zusammenhang mit dem japanischen Zuchtkarpfen. Koi ist thailändisch für «kleiner Finger». Mit zwei Jahren war sie noch so klein, dass sie Babykleider tragen konnte.

Sirirat besuchte eine private Mädchenschule. Die Knaben habe sie in der Schule nie vermisst. Da in ihrem Viertel viele Knaben wohnten, spielte sie einfach nach dem Unterricht mit ihnen. In der Schulzeit spürte Sirirat den Leistungsdruck. Die Schülerinnen wurden in eine bessere Klasse versetzt, wenn sie gute Leistungen erbrachten. Dadurch entstand Konkurrenzkampf. «Heute ist es zum Glück nicht mehr so», sagt Sirirat erleichtert. Was sie immer noch beobachtet, ist das Kastenwesen. Viele Lernende aus der thailändisch sprechenden Mehrheitsbevölkerung möchten nicht mit indigenen Kindern spielen. Die Kinder schämen sich für ihre ethnische Zugehörigkeit. So fest, dass die Kinder nicht wollen, dass ihre Eltern die traditionellen Kleider tragen, wenn sie von der Schule abgeholt werden. Als Konsequenz wechseln die Kinder oft die Schulen.

Partnerschaft auf Augenhöhe

Nach ihrem Bachelorabschluss in Kommunikation und Journalismus in Bangkok zog Sirirat nach Chiang Mai, um dort den Master in Bildungspsychologie und -führung abzuschliessen. Sie arbeitet seit 2013 für die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi. Seit 2018 ist sie als Projektverantwortliche Bildung tätig. Einerseits unterstützt sie das Projektteam bei der Planung und der Umsetzung der Projekte, andererseits ist sie für die Themen Kinderrechte, Kinderschutz und interkulturelle Bildung verantwortlich. Sie schätzt die Arbeit für die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi sehr. «Es ist eine richtige Partnerschaft zwischen der Stiftung und den Partnerorganisationen entstanden. Entscheidungen werden gemeinsam gefällt.»

«Es ist eine richtige Partnerschaft zwischen der Stiftung und den Partnerorganisationen entstanden. Entscheidungen werden gemeinsam gefällt.»

Sirirat Chaloemthai – Projektverantwortliche Bildung
Verbesserungspotenzial sieht Sirirat vor allem im Bildungssystem Thailands. Der Unterricht findet in der Landessprache statt. Doch in Thailand leben 72 verschiedene ethnische Minderheiten mit eigenen Sprachen. Die Lehrpersonen sprechen oft nur Thai und viele Kinder können dem Unterricht nicht folgen. «Unser jetziges Bildungssystem gleicht einer Packung Instant-Nudeln. Alle erhalten das Gleiche, doch die Bedürfnisse sind individuell.» Wenn sie spricht, ist die Motivation für ihre Arbeit deutlich zu spüren. Sie will das Bildungssystem aktiv ändern. Durch die Projekte des Kinderdorfes Pestalozzi gelingt ihr das.

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