Unter dem Strich eine Bereicherung

17.02.2020 - 14:33 | Christian Possa

Kinderrechtsbildung mit Arithmetik zu kombinieren, rechnet sich. Die Primarschule Ucitelj Tasa im serbischen Nis zeigt, wie sich mit fächerübergreifender Bildung das Wissen über die eigenen Rechte multiplizieren lässt.

schueler_malt_kinderrechtsbildung_serbien_kinderdorf-pestalozzi
Kinderrechtsbildung im Mathematikunterricht: Für die einen gibt es einen Apfel, für die anderen eine Aufgabe.

Milena Mladenovich eröffnet den heutigen Mathematikunterricht mit einer Verlosung. Jedem Zettel in der weissen Kartenbox ist ein Tisch im Klassenzimmer zugewiesen. Nachdem alle Kinder gezogen und sich entsprechend platziert haben, zeigt sich folgendes Bild: An manchen Tischen sitzen zwei Kinder ganz einsam, an anderen drängen sich fünf bis sieben Kinder in einer bunten Runde.

Bruchrechnen: auf den Geschmack kommen

Da jede Arbeitsgruppe aus vier Mitgliedern bestehen soll, sieht sich die Klasse damit konfrontiert, selbständig zu entscheiden, wer seinen Platz wechselt. Als nächstes folgt ein Lehrstück in Sachen Diskriminierung. Willkürlich verteilt Milena Mladenovich ihrer Klasse Aufgaben. Manche Kinder erhalten einen knackigen Apfel, den sie zur Hälfte essen dürfen, andere müssen sich eine trockene Mathematikaufgabe zum Thema Bruchrechnen zu Gemüte führen – keine leichte Kost. Knapp zehn Minuten später löst die Lehrerin die Situation auf. Sie bespricht mit ihren Schülerinnen und Schülern die Lösung der Mathematikübungen und schlägt dann die Brücke zum Thema Kinderrechte. «Findet ihr es gerecht, wie ich die Aufgaben verteilt habe? Wie habt ihr euch dabei gefühlt?» Rasch entflammt eine angeregte Diskussion zum Thema Diskriminierung und soziale Gerechtigkeit, in welcher die Kinder ihre eigenen Erfahrungen mit Ungerechtigkeiten miteinbringen. Über die angeknabberten Apfelhälften führt Milena Mladenovich ihre Schülerinnen und Schüler sehr anschaulich und plastisch zum Bruchrechnen zurück. Die Unterrichtsbewertung – passend zum Thema auf einer Skala von 1/5 bis 5/5 – rundet die Lektion ab.

«Die Kinder beschäftigen sich intensiv mit ihren Rechten und sind sehr sensitiv.»

Milena Mladenovich – Lehrerin

In den Köpfen angekommen

In der Leichtigkeit, mit der an der Schule Ucitelj Tasa Kinderrechtselemente in alle möglichen Fächer eingeflochten werden, spiegelt sich das grundlegende Umdenken wider, welches das Projekt «Kinderrechtsbildung in Serbien» bewirkt hat – bei der Schuldirektion, den Lehrpersonen sowie den Schülerinnen und Schülern. «Die Kinder beschäftigen sich intensiv mit ihren Rechten und sind sehr sensitiv», schwärmt Milena Mladenovich. Und auch wenn es noch einiges zu tun gibt, freut sie sich über all die Lehrerinnen und Lehrer, die im Verlaufe der Jahre ihre eigenen Ansichten durchbrachen und sich dem kinderrechtszentrierten Ansatz verschrieben. «Als Lehrpersonen haben wir die Gewohnheit, alles auf uns zu nehmen und zu kontrollieren. Jetzt stellen wir die Kinder in den Mittelpunkt des Lernens, denn viele Dinge machen sie für sich selber bereits perfekt.»

Weitere Artikel von Christian Possa

Spenden

Placeholder disclamer

Ja, ich möchte für die dringendsten Projekte spenden.

Ja ich möchte für das Kinderdorf spenden.

Ja ich möchte für Ostafrika spenden.

Ja ich möchte für Südostasien spenden.

Ja ich möchte für Südosteuropa spenden.

Ja ich möchte für Zentralamerika spenden.

Ja ich möchte für Zentralamerika spenden.

Ja, ich möchte dem Freundeskreis beitreten.

Herzlichen Dank für Ihre Spende

Erzählen Sie Ihren Freunden vom Kinderdorf Pestalozzi.

Weitersagen