Wie ein positives Schneeballsystem

10.06.2020 - 16:19 | Christian Possa

Im direkten Austausch mit anderen hat Stasa sich selber gefunden. Aus der schüchternen Serbin ist eine selbstbewusste Person geworden, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Jugendlichen in ihrer Heimat dieselbe Erfahrung zu ermöglichen.

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Gibt an Workshops des Open Club, einer lokalen Partnerorganisation der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi, ihre Erfahrungen weiter: Stasa, 16, aus Niš.

250 Kilometer südöstlich von Belgrad liegt Niš, die drittgrösste Stadt Serbiens. An der Ucˇ itelj Tasa verbringt Stasa ihre gesamte Primarschulzeit. In den ersten Jahren bekundet sie jedoch Mühe, sich zurechtzufinden, wechselt in der Sechsten sogar die Klasse. «Ich hatte viele Probleme, mich einzufügen», erinnert sie sich. Dies änderte sich grundlegend, als sie in der Siebten beim Open Club, der Partnerorganisation der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi, mitzuarbeiten begann und später für einen zweiwöchigen Austausch nach Trogen reiste.

Verändert fürs Leben

«Bevor ich ins Kinderdorf ging, war ich sehr unsicher und mein Selbstvertrauen war nicht das beste», erzählt Stasa. Sich an den Workshops mit den eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen, habe ihr sehr geholfen. Sie lernte, über ihre Probleme zu sprechen, diese zu akzeptieren und aus einer anderen Perspektive zu betrachten. «Als ich zurückkam, begann ich wirklich, mich selber zu akzeptieren und ich realisierte, dass mich niemand so schnell herunterziehen kann.» Diese Veränderung spürte auch ihr persönliches Umfeld. Viele Menschen stellten fest, dass sie glücklicher war und sich weniger darum kümmerte, was andere von ihr dachten.

Zu diesen Personen zählt auch Jovana Canji, Koordinatorin beim Open Club und enge Vertrauensperson von Stasa. Das Level der Veränderung bei den Kindern sei verblüffend, schwärmt sie. «Niemand weiss, wie sie das im Kinderdorf in solch kurzer Zeit machen.» Sie würden hier mit ihrem Aktivismus fortfahren und auch während der Oberstufe durch ein höheres Level an Partizipation auffallen.

Erfahrungen weitergeben

Stasas persönliche Entwicklung zeigt dies exemplarisch. Als Neuling beim Open Club durchläuft sie verschiedene Workshops zu Themen wie Kinderrechte, Diskriminierung oder Gewalt. Wenig später lanciert sie mit Gleichgesinnten verschiedene Aktionen im Umfeld ihrer Schule. Das Ziel: Schülerinnen und Schüler sollen mehr mitbestimmen und ihre eigenen Rechte besser kennenlernen. Nach dem Austausch in der Schweiz beginnt sie damit, eigene Workshops zu leiten. «Es regt mich an, darüber zu sprechen, was ich sah und lernte.» Denn viele Jugendliche in Serbien hätten nicht die Möglichkeit, ins Kinderdorf zu gehen und all die Workshops zu besuchen. Jovana lobt die Arbeit von Stasa in den höchsten Tönen: «Ich liebe es, wie Stasa für andere eintritt und wie sie die Führungsrolle übernimmt, wenn es darum geht, andere zu unterrichten oder Workshops zu leiten.»

Insofern ist beim Projekt «Kinderrechtsbildung in Serbien» durch die Verknüpfung der Projektaktivitäten im Land und im Kinderdorf ein wertvolles Instrument entstanden, um viele Kinder und Jugendliche zu erreichen und zu involvieren. Ein Schneeballsystem im positiven Sinne. Fokussiert die Arbeit an den Projektschulen in Serbien mehr auf die Entwicklung der Kinderrechtskompetenzen und die Stärkung der Partizipation, stehen bei den Austauschprogrammen in Trogen die persönliche Entwicklung und die sozialen Kompetenzen im Vordergrund. «Ich mag es, mit anderen zu arbeiten und neue Dinge zu lernen», umschreibt Stasa ihre Motivation. «Und ich denke, dass es wirklich wichtig ist, dass alle die gleichen Rechte haben.»

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