Von der Gesellschaft alleine gelassen

15.02.2020 - 12:08 | Christian Possa

Nolvia Zelaya ist Psychologin im Projekt «Ich komme zurück, lerne und bleibe!». Im Interview erzählt sie von ihrer Arbeit mit Kindern, die einen Migrationsversuch hinter sich haben und erklärt, warum Eltern die psychologische Betreuung oft nötiger haben als ihre Kinder.

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Hilft zurückkehrenden Kindern bei der Reintegration in die Schule: Projektpsychologin Nolvia Zelaya

Was für Bedürfnisse haben die Kinder im Projekt?
Die grössten Probleme sind emotionaler Natur. Bei vielen Kindern sind die Eltern getrennt. Eine Person ist hier, die andere lebt in einem anderen Land. Das löst bei vielen Kindern die Vorstellung aus, dass es hier in Honduras schlecht und anderswo gut ist. Die meisten haben Mühe, sich den Problemen hier vor Ort zu stellen. Dadurch gelingt es ihnen nicht, herauszufinden, was sie wirklich brauchen und wie sie die Probleme lösen können. Sie gehen einfach. Und die Fähigkeit, dem Leben entgegenzutreten, fehlt ihnen.

Welche Rolle spielen Traumata, die während der Migration entstehen?
Die emotionale Instabilität, die viele Kinder mitbringen, ist der Stress, mit dem sie leben. Viele Eltern laden ihre eigenen Probleme auf ihre Kinder ab, da sie sonst keinen Weg wissen, damit umzugehen. Um diesen Umstand wirklich beheben zu können, brauchen wir im Projekt vor allem die Unterstützung der Familien, damit eine Klärung stattfinden kann.

Wie gewinnst du das Vertrauen der Eltern?
Wichtig ist es, ihre Bedürfnisse zu kennen. Meist muss ich nicht zweimal mit ihnen reden. Die Eltern wollen mit ihren Kindern zusammenarbeiten, wissen aber einfach nicht wie. Deine Arbeit ist zeitintensiv, die Nachfrage gross.

Was braucht es, damit das Projekt ein Erfolg werden kann?
Als Psychologin kann ich den Kindern Werkzeuge mitgeben, damit sie sich dem Leben stellen können. Ein viel grösseres Bedürfnis ist es, das Bewusstsein der Erwachsenen zu formen. Viele Erwachsene fühlen sich von der Gesellschaft alleine gelassen und projizieren dies unbewusst auf das Kind. Damit nehmen sie diesen die Möglichkeit, gesund aufzuwachsen. Darum ist für mich das Wichtigste, sich auf die Bildung der Erwachsenen zu fokussieren.

«Die Kinder begegnen unserer Arbeit mit viel Offenheit und sie sind sehr dankbar für die Hilfe, die wir bieten.»

Nolvia Zelaya – Projektpsychologin
Was stellt dich bei deiner Arbeit auf?
Am meisten beeindruckt mich die Arbeit mit den Kindern. Viele haben nur ein sehr kleines Selbstwertgefühl. Wenn man ihnen jedoch ein wenig Zeit widmet und ihnen zeigt, wie sie sich selber sehen können, wirkt dies wie ein Aha-Moment. Die unendliche Liebe, welche Kinder ihren Familien gegenüber haben, und wie sehr sie sich den Kopf darüber zerbrechen, wie sie ihre Eltern unterstützen können, hat mich extrem berührt. Die Kinder begegnen unserer Arbeit mit viel Offenheit und sie sind sehr dankbar für die Hilfe, die wir bieten.

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