Wachsendes Bewusstsein für Kinderrechte

01.04.2019 - 07:19 | Christian Possa

Das thailändische Wort Tonkla bedeutet junger Spross. Das gleichnamige Netzwerk der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi und ihrer lokalen Partner bringt Kinder und Jugendliche aus ganz Thailand zusammen, damit sie sich vereint für die Kinderrechte stark machen und landesweit Gehör erlangen.

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Die Mitglieder des Tonkla-Netzwerkes machen sich gemeinsam für die Kinderrechte stark.

Schulen mit insgesamt 743 Jugendlichen in ganz Thailand haben sich im Netzwerk der indigenen Kinder und Jugendlichen zusammengeschlossen – Tendenz steigend. Eines der involvierten Lernzentren befindet sich sieben Fahrstunden nordöstlich von Bangkok im Sangklaburi-Distrikt unweit der Grenze zu Myanmar. Hier hat die ganze Gemeinschaft mitangepackt und gemeinsam mit der lokalen Verwaltung ein Community Learning Center realisiert, wo 35 Jugendliche aus der Region lernen können.

Kulturelle Vielfalt fördern

Als die Idee für eine lokale Oberstufe vor fünf Jahren geboren wurde, besuchten 19 Studierende das Sanehpong Community Learning Center. Damals war dieses jedoch noch kein Zentrum im Sinne des Wortes. «Es gab keine Schulgebäude, die Studierenden lernten unten den Bäumen», erinnert sich Schuldirektor Nanwimol Sainitat. Heute gibt es mehrere Schulgebäude aus Lehm, 35 Kinder von der siebten bis zur elften Klasse, vier reguläre Lehrkräfte sowie fünf Lehrpersonen, die lokales Wissen lehren. Das traditionelle Wissen des Bergvolkes der Karen zu erhalten und an die Jugendlichen weiterzugeben, ist das Hauptanliegen des Lernzentrums sowie auch des Projektes der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi. Für Nanwimol Sainitat ist es wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen selbstbewusst genug sind, um sich als Zugehörige der Karen ausdrücken zu können. «Man geht hinaus, weiss aber immer noch genau, wer man ist.» Ein Grossteil der thailändischen Bevölkerung hat wenig Bewusstsein für die Kulturen der indigenen Minderheiten. Dadurch entstehen vorurteilsbehaftete Haltungen und verschiedene Formen von Diskriminierung. Dies beschneidet die Rechte der betroffenen Kinder und Jugendlichen speziell beim Zugang zu Bildung. Das Projekt antwortet auf diese Herausforderung, indem es die Umsetzung der Kinderrechte fördert und das Tonkla-Netzwerk in seinen Strukturen stärkt.

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Nanwimol Sainitat, Schuldirektor am Sanehpong Community Learning Center

Kinderrechte erlebbar machen

Eine Methode in diesem Prozess ist das exkursionsbasierte Lernen. Dieses Jahr reisen die Schülerinnen und Schüler der zehnten und elften Klasse in den Norden des Landes, um in verschiedenen Gemeinden ihre eigene Kultur zu präsentieren und andere Menschen sowie deren Lebensweisen kennen zu lernen. Herzstück dieses Austausches ist ein Theater zu den Kinderrechten, das die Jugendlichen selbst inszeniert haben. «Wenn sie zurückkommen, werden sie ihrer Gemeinschaft präsentieren, was sie erlebt und gelernt haben; speziell auch bezüglich Kinder rechte», erklärt der Schuldirektor. «Das wird ein wichtiger Zugang sein, um die Kinderrechte auch den Mitgliedern der Gemeinde näherzubringen.» Tonkla ist 2014 aus einem Projekt der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi erwachsen und wird seither von allen thailändischen Partnerorganisationen der Stiftung getragen. Um die Strukturen des noch jungen Netzwerkes zu stärken, haben die Projektpartner verschiedene Aktivitäten durchgeführt. Im Sommer trafen sich die Jugendlichen aus dem Sangklaburi-Distrikt am Tag der indigenen Völker in Chiang Rai mit Gleichgesinnten. Im Oktober nahmen sie an einem Führungs- Workshop in Chiang Mai teil. «Ich finde es sehr wichtig, dass die Jugendlichen hinausgehen, um mit anderen Verbindungen herzustellen», betont Nanwimol Sainitat. «Dadurch bauen sie Selbstvertrauen auf und entwickeln sich zu Leitfiguren, die ihre Horizonte erweitern.»

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Schulalltag im Sanehpong Community Learning Center

Kleine Teile eines grossen Ganzen

Spricht man mit den jungen Tonkla- Mitgliedern, so scheinen sich die Vorstellungen des Schuldirektors zu bewahrheiten. Aus den jungen Sprossen erwachsen selbstverantwortliche und engagierte Individuen. Mali beispielsweise möchte Lehrerin werden, damit sie als Teil ihrer Gemeinschaft die lokale Schule weiterentwickeln kann. Waraporn hat sich entschieden, eines Tages Krankenschwester zu werden, damit sie anderen etwas von dem zurückgeben kann, was sie heute in Form von Unterstützung erhält. «Ich wünsche mir ein Gesundheitssystem für unsere Gemeinde, damit ich kranke Menschen hier heilen kann.» Supatchai möchte die Erfahrungen, die er im Projekt sammelt, gerne als Vorsteher der Gemeinschaft einbringen. «Ich will das Dorf entwickeln und Arbeitsplätze für die Menschen kreieren, damit sie ein Einkommen haben und auch hierbleiben können.»

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