Was Fruchtsalat mit Akzeptanz zu tun hat

Wie lernt man eigentlich, sachlich zu diskutieren und die eigene Meinung zu vertreten? SchülerInnen der dritten Oberstufe aus Mels haben an einem Projekttag zu den Themen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi eine Gemeindeversammlung inszeniert. Dabei haben sie erfahren, wie schnell unterschiedliche Meinungen zu Ausgrenzung führen können.

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Meinungen vertreten und andere Meinungen anhören, darum geht es am Themenprojekttag.

Eine Moschee inmitten der Gemeinde? Dieses Thema sorgt für viel Gesprächsstoff. Es steht nicht in der politischen Agenda der flächenmässig grössten Gemeinde St. Gallens, sondern ist die Hauptübung des Themenprojekttages in Mels, der in Zusammenarbeit mit dem Pfarramt der katholischen Kirchgemeinde Mels durchgeführt wird. Im Brennpunkt stehen Themen wie Rassismus, Ausgrenzung, Diskriminierung und Kooperation. Eine Schonfrist gibt es nicht. Nach einem kurzen Kennenlernspiel werden die Jugendlichen aufgefordert, ihre Komfortzone zu verlassen. In der Übung «getting comfortable with uncomfortable questions » setzen sich die Jugendlichen mit Fragen auseinander, die nicht leicht zu beantworten sind. «Können Frauen besser kochen?» «Sind Männer die besseren Präsidenten?» «Würde ich mich freuen, wenn mein Sohn einen Mann heiratet?» «Hat Terrorismus etwas mit Religion zu tun?» Mit solchen Fragen wird man selten konfrontiert. Dementsprechend fällt die Reaktion der Jugendlichen aus. Die Antworten kommen zögerlich. Die Stimmung ist angespannt. Die Oberstufenschülerinnen und -schüler realisieren anschliessend: «Wenn man seine Meinung sagt, kann man andere damit verletzen.»

Moschee – ja oder nein?

Zurück zur Hauptaufgabe des Tages. Jede Schülerin und jeder Schüler nimmt eine Rolle in einem fiktiven Fall ein. Es soll eine Moschee mitten in der Stadt gleich neben dem Einkaufszentrum gebaut werden. Die Finanzierung wird zu 70 Prozent von einem wohlhabenden Geschäftsmann gestemmt, 10 Prozent soll der muslimische Verein übernehmen, die Stadt trägt 20 Prozent zum Vorhaben bei.

«Als Ausländerin ist es nicht einfach. In meinem Heimatland werde ich auch als Ausländerin angesehen.»

Dafina – Schülerin
Dieser Fall wird an der Gemeindeversammlung besprochen und es wird darüber abgestimmt, ob die Moschee gebaut werden darf oder nicht. Verschiedene Parteien haben sich auf die Versammlung vorbereitet und erhalten die Möglichkeit, ihre Argumente vorzutragen. Jetzt geht's los. «Tack, tack!» Der Präsident eröffnet mit einem Hammerschlag die Gemeindeversammlung. Kurz stellt er die Sachlage vor. Vor der offenen Diskussion legt jede Partei ihr bestes Argument auf den Tisch. Die Diskussion beginnt. Die Debatte entpuppt sich als ziemlich hitzig. Eine emotionale Stimmung beherrscht den Raum. Vorurteile und Vorwürfe werden einander an den Kopf geworfen. Die Pädagoginnen der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi sowie die Lehrpersonen der Oberstufe Mels halten sich bewusst zurück. Das Zepter liegt beim Gemeindepräsidenten. Er hat die Entscheidungshoheit. Wer spricht? Wie lange hat eine Partei das Wort? Wie wird damit umgegangen, wenn jemand unfreundlich oder respektlos wird? Der Gemeindepräsident ist sich seiner Verantwortung völlig bewusst. «Alle haben durcheinandergeredet. Es war wirklich eine Herausforderung für mich», sagt er nach der Aufgabe.
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Faires Miteinander

Die Argumente der verschiedenen Parteien drehen sich um Tradition, Stadtbild, Toleranz und Kosten. Diskussionspunkte, wie sie aus dem Alltag bestens bekannt sind. Auf die Frage, wie das Rollenspiel auf die Jugendlichen gewirkt hat, antwortet die Mehrheit mit «ziemlich echt». Mit erlebnispädagogischen Ansätzen schafft es die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi, den Jugendlichen auf spielerische Weise einen Denkanstoss zu geben.

«Ein Themenprojekttag vor Ort ist für die Schüler und Schülerinnen sehr greifbar, da es sehr nahe am Alltag ist.»

Barbara Germann – Pädagogin

Eine Anregung, die eigene Meinung zu vertreten, sie gleichzeitig aber auch zu hinterfragen und andere Argumente anzuhören. Um andere Meinungen und Einstellungen annehmen zu können, braucht es viel Selbstreflexion. In der offenen Runde werden Fragen geklärt und Vorurteile innerhalb der Klasse abgeschafft.

Fehlendes Wissen schafft Vorurteile

Dafina ist Muslimin und in der Schweiz aufgewachsen, praktiziert ihren Glauben, trägt aber kein Kopftuch. «Wieso eigentlich?», fragt ein Klassenkamerad. «Meine Eltern überlassen mir die Entscheidung», sagt Dafina bestimmt. Sie schätze es sehr, dass die Frage aufgekommen sei. Vielen fehle das Wissen über ihre Religion. Durch solche Fragen könne sie falsche Annahmen berichtigen. Hannes wirft in die Runde: «Wir müssen uns mal fragen, was die Schweiz ohne Ausländer wäre.» Mit prägnanten Beispielen greift Pädagogin Monika Bont dieses Thema auf. Bananen, Kiwi, Mango – ein Fruchtsalat zum Nachtisch wäre ohne das Ausland nur halb so vielfältig. Nicht nur in der Lebensmittelindustrie ist die Schweiz vom Ausland abhängig. Egal ob Technologie oder Wirtschaftsmarkt, die Liste ist lang. Und die Ferien verbringt der Durchschnittsschweizer schon lange nicht mehr in der Alpenrepublik. «Wir alle wollen die Schätze der Länder, doch ihre Menschen wollen wir nicht», meint Monika Bont. Das Thema des Projekttages ist keine leichte Kost. Viele Meinungen prallen aufeinander.

«Nach diesem Tag habe ich gelernt, Vorurteile abzubauen.»

Sereina – Schülerin
Nur wer Problemthemen anspricht, kann sie beheben. Der Projekttag der Oberstufe Mels zeigt den Jugendlichen, wie wichtig es ist, ständig Neues zu lernen, immer neugierig zu bleiben und seine eigene Denkweise auch mal zu überdenken.

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