Weil Kinder besonders verletzliche Menschen sind

14.11.2018 - 08:56 | Christian Possa

Vom ersten Anlauf der Kinderrechtsbewegung bis zur UN-Kinderrechtskonvention vom 20. November 1989 vergehen 65 Jahre. Alle UNO-Mitgliedstaaten ausser den USA haben die Vereinbarung mittlerweile ratifiziert.

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Kinder aus dem europäischen Ausland und der Schweiz setzen sich beim gemeinsamen Workshop im Kinderdorf in Trogen mit den Kinderrechten auseinander.

Mit der UN-Konvention über die Rechte des Kindes ist ein wichtiger Grundstein gelegt worden, um für alle Kinder auf der Welt die gleichen Rechte zu schaffen. Die insgesamt 54 Artikel sind universell gültig für jeden Menschen unter 18 Jahren. Vier Grundprinzipien sind für die Erfüllung aller Rechte von besonderer Bedeutung: das Recht auf Nicht-Diskriminierung, das Kindeswohl das Recht auf Mitwirkung sowie das Recht auf Leben, Überleben und eine optimale Entwicklung.

Dreieck Kind-Eltern-Staat

Die Umsetzung der Kinderrechte geschieht im Wechselspiel von Staat, Eltern und Kindern. Eltern haben das Recht sowie auch die Pflicht, ihre Kinder zu schützen, zu unterstützen und anzuleiten. Der Staat hat die notwendigen Voraussetzungen dafür zu schaffen, die Eltern in ihrer Aufgabe zu unterstützen und einzugreifen, falls Eltern der Aufgabe nicht gewachsen sind.

Über den Fortschritt der Umsetzung müssen die Unterzeichnerstaaten dem UN-Kinderrechtsausschuss periodisch Bericht erstatten. Ergänzend dazu verfassen Nichtregierungsorganisationen sogenannte Schattenberichte, in welchen sie sich kritisch mit den Staatenberichten auseinandersetzen. In der Schweiz schaut das Netzwerk Kinderrechte Schweiz dem Bund genauer auf die Finger. Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi engagiert sich als Gründungsmitglied seit November 2003 im Vorstand.

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Bereits während der Workshops erarbeiten die Kinder Massnahmenpläne, um das Erlernte in ihrem persönlichen Umfeld weitergeben zu können.

Kinderrechtsbildung auf mehreren Ebenen

Die Projekte der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi orientieren sich an den Kinderrechtskonventionen. Sie zielen darauf ab, Kindern den Zugang zu relevanter, an ihren Bedürfnissen orientierter Bildung zu ermöglichen. Besonders wichtig ist dabei eine Beteiligung der Kinder, die es ihnen ermöglicht, eine Meinung zu bilden und diese zu formulieren, um die Gesellschaft aktiv mitgestalten zu können.

In den zwölf Projektländern der Stiftung in Südosteuropa, Ostafrika, Südostasien und Zentralamerika zielen die Projekte darauf ab, Kinderrechtsbildung in die jeweiligen Lehrpläne zu integrieren sowie in ausserschulischen Aktivitäten zu verankern. Ausserhalb der Klassenzimmer fördert die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi Kinder- und Jugendnetzwerke, themenspezifische Anlässe und unterstützt den Aufbau von Instrumenten wie Kinder-Ombudsstellen oder Studierendenräten. Um dem Thema Kinderrecht nachhaltig mehr Kraft zu geben, werden explizit auch Lehrpersonen, Schulleitende, Eltern sowie die lokale Gemeinschaft mit eingebunden.

Bei den Projekten im Kinderdorf in Trogen steht die Kinderrechtsbildung auf drei Säulen. Die Kinder und Jugendlichen lernen ihre Rechte kennen, sie sind in einen Lernprozess involviert, welcher die Kinderrechte respektiert, und sie erhalten Möglichkeiten, ihre Ansprüche geltend zu machen. Was heisst das konkret? In Workshops beschäftigen sich Schweizer Schulklassen sowie Teilnehmende aus dem Ausland mit den Kinderrechten und arbeiten Regeln aus, wie sie zusammenleben wollen. Die Lehrmethoden und Ansätze stellen die Bedürfnisse des Kindes ins Zentrum. Sie fördern die aktive Teilnahme und machen so die Kinderrechte erfahrbar. Bereits während der Workshops erarbeiten die Kinder Massnahmenpläne, um das Erlernte in ihrem persönlichen Umfeld weitergeben zu können. Symptomatisch für den kindzentrierten Umgang mit den Kinderrechten sind die Radioprojekte. Hier haben die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre eigene Meinung auszudrücken und ihre Stimme zu einem Thema zu erheben, das sie beschäftigt. So machen sie sich auf eine selbstbestimmte und aktive Art und Weise für ihre eigenen Rechte stark.

2018 führen Norwegen, Island und Portugal das Ranking an. Auf Platz vier bis zehn folgen Spanien, die Schweiz, Holland, Finnland, Deutschland, Frankreich und Slowenien. Die Platzierung der einzelnen Länder darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es überall noch Aufholbedarf gibt. Der Schweiz beispielsweise wird empfohlen, die Gesetze besser mit der UN-Konvention in Einklang zu bringen. Ebenso legt das Netzwerk Kinderrechte Schweiz nahe, eine nationale Kinderrechtspolitik und -strategie zu entwickeln sowie das Datenerhebungssystem unverzüglich zu verbessern.

Die Kinderrechtskonvention wird nächstes Jahr 30 Jahre alt. Sie wird langsam, aber sicher erwachsen. Trotzdem gibt es noch viel zu tun. Das Berichtsverfahren läuft wieder an und die Frage steht im Raum, wie sich die Situation der Kinderrechte seit 2015 verändert hat. In der Schweiz kann die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi Aussagen zur Kinderrechtsbildung machen. Und sie kann Kinder selber am Bericht mitwirken lassen und ihnen damit eine Stimme geben, die gehört wird.

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