Frontalunterricht war gestern

20.02.2020 - 17:14 | Christian Possa

Im Verwaltungsbezirk Quiché setzt sich die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi seit fünf Jahren für kinderzentrierte Lernmethoden und bilingualen Unterricht ein. Wie sich dadurch das Lernumfeld verändert und wie sich dies auf die Kinder auswirkt, erzählt Domingo Sambrano Gomez im Interview.

Der Primarschullehrer arbeitet seit zehn Jahren an der Escuala Oficial Rural Mixta in San Felipe Chenlá. Er unterrichtet die zweite Klasse in den Fächern Umwelt, Sozial- und Naturwissenschaften, Kommunikation und Sprache (Ixil und Spanisch), Mathematik, Zeichnen und Musik sowie Staatskunde.
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Praktiziert interaktiven Unterricht: Domingo Sambrano Gomez mit seinen Schülerinnen und Schülern

Herr Gomez, was für Veränderungen beobachten Sie bei Ihren Schülerinnen und Schülern seit dem Projektstart vor fünf Jahren?

Sie lernen mit Abstand am meisten, wenn sie spielerisch lernen. Ich spüre auch, dass sie viel aktiver sind. Bevor das Projekt startete, unterrichteten wir sehr traditionell: Frontalunterricht, keine Zusatzmaterialien, strikt nach nationalem Lehrplan. Das war nicht so aktiv wie jetzt. Das Projekt hat uns die Hand gereicht und geholfen, neues Material zu entwickeln. Als Lehrer haben mir die Workshops am meisten geholfen.

Was haben Sie gelernt?

Wir haben Strategien kennengelernt, welche wir in den verschiedenen Fächern anwenden können. Zudem verfügen wir jetzt über ein Handbuch, welches uns dabei hilft, die richtige Methode zur rechten Zeit einzusetzen. So haben wir beispielsweise ein Plakat für die Anwesenheitskontrolle. Dort tragen die Kinder selbständig ein, wann sie gekommen sind oder ob sie zu spät waren. Auf einem anderen Plakat haben wir unsere gemeinsamen Werte aufgeschrieben. Immer ein Kind trägt die Verantwortung dafür, dass diese in der Klasse auch eingehalten werden. Ein anderer Ansatz ist es, gemeinsam Texte zu lesen oder Aktivitäten jeweils spielerisch zu beginnen. Den Tag beenden wir meist mit einer Runde, in welcher die Kinder rekapitulieren, was sie heute gemacht haben. So sehe ich gleich, was sie gelernt und ob sie es auch verstanden haben.

Zweisprachigkeit und lokale Kultur sind zwei wichtige Punkte im angepassten Lehrplan. Wie steht es um deren Umsetzung?

Die Realität und Kultur der Kinder verstärkt in den Unterricht einzubinden, ist im Lehrplan schon länger vorgesehen. Neu ist, dass wir über konkrete Strategien verfügen, um dies auch konsequent umsetzen zu können.

Wie reagieren die Kinder auf die neuen Unterrichtsmethoden?

Sie lernen sehr viel eigenständiger. Wenn beispielsweise eine Gruppenarbeit ansteht, wählen sie selber aus, mit wem sie diese machen. Es ist nicht mehr diktiert wie vorher. Die Lehrpersonen, die vierte bis sechste Klassen unterrichten, bestätigen, dass sie sehr grosse Unterschiede sehen bei den Kindern, welche die ersten drei Jahre mit den neuen Unterrichtsformen genossen hatten.

Welche Rolle spielen die Eltern der Kinder in diesem Prozess?

Wir treffen uns jeden Monat mit den Eltern. Der Projektpartner Appedibimi, mit dessen Team wir seit Projektbeginn sehr eng zusammenarbeiten, führt zudem regelmässig Workshops durch. Dort wird mit den Eltern besprochen, wie sich die Kinder im Schulalltag verhalten oder wie sie ihre Kinder zuhause stärker unterstützen können.

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