Veränderung braucht Zeit

Gesamtschau El Salvador, Guatemala, Honduras 29.04.2019 - 15:26 | Simon Roth

Wie reagiert die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi auf die Herausforderungen der Region? Und was machen wir anders als andere Organisationen? Antworten auf diese Fragen liefert unsere Programmverantwortliche Zentralamerika.

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Gisela Wattendorff, Programmverantwortliche Zentralamerika

Gisela Wattendorff, welche Themen bewegen die Region Zentralamerika in diesem Jahr?
In El Salvador und Guatemala finden Präsidentschaftswahlen statt. Dies hat möglicherweise einen Wechsel in den jeweiligen Bildungsministerien zur Folge. Dabei drohen Errungenschaften verloren zu gehen, was uns in unserer Agenda zurückwerfen würde. Auf solche Veränderungen müssen wir uns immer wieder einlassen. Ein weiteres grosses Thema ist die Migration von unbegleiteten Kindern, Jugendlichen und Familien in Richtung USA.

Die sogenannte Migrationskarawane hat vergangenen Herbst den US-Wahlkampf befeuert. Inwiefern spielt sie in unseren Projekten eine Rolle?
Eine kontinuierliche Analyse der politischen Situation in den Projektländern ist unabdingbar, um die Problemherde zu erkennen. Aus dieser leiten wir die Strategie für die nächsten Jahre ab. Die letzte Analyse vor zwei Jahren hatte unter anderem Migration als wichtige Problematik erkannt. Dies bestätigt uns in der Stossrichtung unserer Projekte. Die Migration aus Zentralamerika wird uns weiterhin beschäftigen. Wir müssen als Stiftung auf diesen Trend reagieren, so wie wir dies beispielsweise in Honduras planen.

Was machen wir konkret in Honduras?
In der Stadt San Pedro Sula sind wir auf eine Organisation aufmerksam geworden. Diese hat Erfahrung mit der Wiedereingliederung von Kindern aus benachteiligten Gegenden ins Schulsystem. Viele dieser Kinder haben einen missglückten Migrationsversuch hinter sich. Durch unser Projekt sollen ebendiese Kinder darin unterstützt werden, den verpassten Schulstoff aufzuholen, ohne die Klasse wiederholen zu müssen. Falls nötig werden traumatisierte Kinder psychologisch betreut.

Welche weiteren Themen beschäftigen uns?
Ein weiteres grosses Thema ist die Armut. In Guatemala etwa migrieren viele Menschen als Folge wiederkehrender Dürren als Wanderarbeiter nach Mexiko. Die Kinder gehen während dieser Zeit nicht zur Schule. Trotz dieser Widrigkeiten sollen sie Zugang zu Bildung erhalten. Hier müssen Alternativen gesucht werden. Einen gewichtigen Teil unserer Arbeit nimmt deshalb die sorgfältige Planung der Projekte ein.

Wie sieht eine sorgfältige Planung aus?
Vor der Zusammenarbeit erstellen wir mit den Partnern eine Bedarfsanalyse. Woran fehlt es vor Ort? Welche Probleme und Herausforderungen bestehen? Welche Kompetenzen müssen entwickelt, welche Ressourcen bereitgestellt werden? Diese und mehr Fragen müssen wir klären, um einen Bedarf feststellen zu können. Diesen Prozess entwickeln wir in enger Zusammenarbeit mit unseren lokalen Partnern.

Wie verschaffen wir den Ideen und Methoden der Stiftung Gehör?
Das langfristige Ziel ist es, unsere Leitlinien zum Thema Kinderrechte und kindzentrierte Pädagogik in das nationale Bildungssystem einfliessen zu lassen. Das geht aber nicht von heute auf morgen. Wichtig ist es deshalb, mit Organisationen zu arbeiten, die gut verwurzelt sind und Entscheidungsträger kennen. Dabei muss man aber sensibel vorgehen. So ist es manchmal besser, die Diskussion durch gezielte Fragen zu lenken, zuzuhören und nicht sofort mit vermeintlichen Lösungen zu kommen. Die richtigen Fragen sind der Beginn der Veränderung.

Und wenn etwas nicht wie geplant verläuft?
Dann müssen wir das Gespräch mit der Partnerorganisation suchen. Das geschieht auf Augenhöhe. Auch von unserer Seite muss die Bereitschaft da sein, zu lernen. Wir müssen es jedoch vermeiden, jene Lösungsansätze zu wiederholen, die jahrzehntelang nicht funktioniert haben. Die Probleme sollen an der Wurzel angepackt werden. Wir beziehen das komplette Umfeld ein. Nur so ist eine nachhaltige Veränderung möglich.

Dieser Artikel ist im Patenschaftsbericht 01|2019 erschienen.

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