Auf der Flucht - ohne Heimat sein heisst leiden

09.11.2017 - 11:29 | Michael Ulmann

… dies sagte einst der berühmte russische Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewski. Jahr für Jahr müssen unzählige Menschen ihre Heimat verlassen und setzen ihr Leben aufs Spiel auf der Suche nach einer besseren Zukunft. Sie fliehen innerhalb ihres Landes oder suchen Schutz über die Landesgrenzen hinweg. Etwa die Hälfte von ihnen sind Kinder. Die Stiftung Pestalozzi Kinderdorf macht sich für sie stark.

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Noch nie befanden sich so viele Menschen auf der Flucht: Ende letzten Jahres waren es rund 65,6 Millionen Hilfsbedürftige. Knapp zwei Drittel von ihnen sind Binnenvertriebene: Menschen, die innerhalb ihres Landes fliehen. Ihr Heimatland verlassen dagegen rund ein Drittel, die Flüchtlinge.

Gründe für Flucht

Warum sich Menschen auf die Flucht begeben, hat viele Ursachen. Häufig verbergen sich dahinter politische oder religiöse Gründe, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nationalität oder einer sozialen beziehungsweise ethnischen Gruppe. Menschen werden wegen ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihrer sexuellen Orientierung verfolgt. Bei Frauen oder Mädchen kann auch Zwangsheirat ein Fluchtgrund sein, bei Jungen die Zwangsrekrutierung zum Militärdienst. In einigen Regionen sind auch Naturkatastrophen die Ursache.

Flüchtlinge – über die Landesgrenzen hinweg

Flüchtlinge verlassen ihr Land, weil ihr Staat sie nicht mehr schützen kann oder will. Daher werden sie zur Flucht gezwungen und können nicht gefahrlos in ihre Heimat zurückkehren. Mehr als die Hälfte aller Flüchtlinge weltweit stammt aus drei Ländern: Syrien gefolgt von Afghanistan und dem Südsudan.

Getrieben von Furcht und in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, riskieren täglich tausende Flüchtlinge ihr Leben, um in die Europäische Union einzureisen. Viele von ihnen entscheiden sich für den gefährlichen Wasserweg übers Mittelmeer. Die Hauptroute führt dabei nach Italien und Spanien, alternativ geht es über die Türkei nach Griechenland. Ein anderer Weg führt übers Land auf der West-Balkan-Route in die EU.

Da es keine legale Zuwanderungsmöglichkeit gibt, bleibt den Flüchtlingen meist keine andere Möglichkeit, als sich an sogenannte Schlepper zu wenden. Für diese Reise zahlen viele nicht nur jede Menge Geld, sondern bisweilen auch mit ihrem Leben, da sie oftmals auf seeuntauglichen oder überladenen Schiffen transportiert werden.

Kinderdorf Pestalozzi hilft jungen Asylsuchenden

Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi bietet Flüchtlingen im Kinderdorf Pestalozzi im appenzellischen Trogen eine zeitweilige Heimat: Seit Mai 2016 stellt das Kinderhilfswerk zwei Wohnhäuser für circa 30 unbegleitete minderjährige Jugendliche zur Verfügung. Begleitet und betreut werden diese durch den Verein tipiti. Die Finanzierung des Integrationsprojekts erfolgt gemäss Schweizer Asylrecht durch den Kanton Appenzell Ausserrhoden.

Binnenvertriebene – Flucht innerhalb des Landes

Die grösste Gruppe von schutzbedürftigen Menschen – sogenannte Binnenflüchtlinge – flieht innerhalb ihres eigenen Landes. Ende 2016 galten rund 40 Millionen Menschen als binnenvertrieben. Der häufigste Grund dafür ist ein bewaffneter Konflikt, bei dem die Bevölkerung zwischen die Fronten gerät. Oftmals kommt es auch vor, dass Angehörige bestimmter ethnischer oder religiöser Gruppen oder (angebliche) politische Gegner gewaltsam aus einem Gebiet vertrieben werden. Die Vertriebenen müssen auf ihrer Flucht oft sehr lange Strecken zu Fuss zurücklegen. Dabei haben sie meist weder etwas zu trinken noch zu essen. Zudem werden sie nicht selten von bewaffneten Gruppen verfolgt und ausgeraubt.

Junge Menschen brauchen Perspektiven

Etwa die Hälfte der Menschen, die sich auf der Flucht befinden, sind Kinder, die zum Teil ohne ihre Familie aus den Krisenregionen flüchten. Nach der schmerzlichen Trennung sind sie ganz auf sich allein gestellt und müssen sich den Strapazen und Gefahren der Flucht stellen. Innerhalb des Landes werden sie oftmals von Soldaten rekrutiert, als Zwangsarbeiter ausgebeutet oder vergewaltigt. Verlassen sie das Land, müssen sie gefährliche Fluchtrouten auf sich nehmen. Immer wieder werden sie dabei Opfer von Menschenhändlern. Ihre Rechte, wie Schutz vor Grausamkeit, Ausnutzung und Verfolgung, nicht zuletzt auch jenes auf Bildung, werden missachtet.

Recht auf Bildung – Chance auf ein selbstbestimmtes Leben

Geflüchtete Kinder und Jugendliche sind dem Bildungssystem entrissen – ihr Recht auf Bildung wird ihnen verweigert. Doch gerade in Flüchtlingslagern ist es besonders wichtig, Kinder zu unterrichten. Denn neben der Chance auf ein eigenbestimmtes Leben werden sie dank Bildungsangeboten vom belastenden Alltag abgelenkt und erhalten einen strukturierten Tagesablauf.

In Myanmar/Burma fliehen aufgrund des langanhaltenden bewaffneten Konflikts unzählige Menschen entweder über die Landesgrenzen hinweg oder innerhalb des Landes in Flüchtlingslager. In diesen macht sich die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi gemeinsam mit Partnerorganisationen vor Ort für die Kinder stark und sorgt für Bildungsangebote. Angekommen im Camp bekommen die jungen Vertriebenen Nachhilfeunterricht, um den Unterrichtsstoff aufzuholen, den sie während der Flucht verpasst haben. Zudem sind die Kinder traumatisiert und erhalten psychologische Betreuung – bis sie in die öffentliche Schule gehen können.

Erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe des Magazins mehr über die Flüchtlingsproblematik und informieren Sie sich über weitere Neuigkeiten aus dem Kinderdorf und den internationalen Projekten.

Das Magazin steht weiter unten bereit zum Herunterladen.

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