Freundschaft = Amicizia = Ystävyys

Im Kinderdorf Pestalozzi ist der erste Schnee gefallen. Vor über sieben Jahrzehnten mussten die Kinder hier oben länger darauf warten – das erzählen sie unter anderem in der ersten Ausgabe der Zeitschrift Freundschaft.

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«Endlich Sonne und Schnee! Darauf hatten wir den ganzen Winter gewartet.» Obwohl – im Kinderdorf Pestalozzi in Trogen mussten wir gar nicht den ganzen Winter warten, bis sich die weisse Pracht in diesen Tagen bereits gezeigt hat. Lösen wir die Verwirrung auf: «Es war der dritte März, fast der einzige richte Skitag im Winter 1950. Ungeachtet des schneearmen Winters waren alle im Schuss, und die Spannung war gross, als die ersten Junioren 09.30 am Start der Abfahrt standen. Und dann ging es los. Damen zuerst! Rosine hatte die Ehre, dieses internationale Rennen zu eröffnen. Im Laufe des Vormittags hatte man im Programm nur Abfahrt und ca. 11.15 waren alle Kanonen durch das Ziel gesaust und alle hatten gewonnen. Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin hatte ohne geringsten Unfall eine relativ schnelle Abfahrt absolviert. Vor allem: Der richtige Sportgeist hatte einen siegreichen Tag.»

Dieser Auszug entstammt einem Beitrag der Zeitschrift Freundschaft. Mit ihr ging 1950 ein grosser Wunsch von Walter Robert Corti, dem Gründer des Kinderdorfs Pestalozzi, in Erfüllung. Die Kinderdorf-Zeitschrift wurde bis 1992 von den Kindern selbst geschrieben, illustriert und gesetzt und war eine friedensfördernde Publikation, die aus dem Leben in diesem heute noch speziellen Dorf im Appenzellerland erzählte. Insgesamt 125 Ausgaben gestaltete die Redaktion, der anfangs Kinder aus acht, später aus noch mehr Nationen angehörten.

Symbol der Solidarität

Die mit Linol- und danach Holzschnitten illustrierte «Freundschaft» ist ein Ausdruck des kulturellen Zusammenhalts und ein Symbol der Solidarität in einer Zeit nach dem Krieg. Die erste Ausgabe, durch die man sich in der Galerie oben klicken kann, ist auch in die Ausstellung im Besucherzentrum integriert. Physisch wird sie wie alle weiteren Ausgaben der Zeitschrift nach internationalen Museumsstandards im Archiv im Kinderdorf in Trogen aufbewahrt, wo sie auf Anfrage auch eingesehen werden können.

Ihre Kontaktperson

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«Die Freundschaft ist ein wichtiger Nachlass, der den Alltag im Kinderdorf von einst dokumentiert – bei Fragen dazu stehe ich gerne zur Verfügung.»

Jeanette Badura
Kuratorin

j.badura@pestalozzi.ch