Gemeinsam die Zukunft gestalten

Brückenbauen zwischen Moldawiens Kulturen 21.07.2020 - 09:55 | Carolin Hofmann

Regelmässig kommt es in Moldawien zu Spannungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Diskriminierung und Ausgrenzung gehören dort zum Alltag.
Wie kann es gelingen, gegenseitiges Verständnis zu stärken? Indem man sich auf Kinder und Jugendliche konzentriert, da sie die Gesellschaft von morgen bilden.
Im interkulturellen Theater treffen junge Menschen unterschiedlicher Kulturen aufeinander, um voneinander zu lernen und dem Unbekannten offener und mit Respekt zu begegnen. Bühne frei für weniger Vorurteile und mehr Toleranz.

Alle Bild- und Tonaufnahmen sind in der Zeit vor der Corona-Pandemie entstanden.

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Miteinander statt Trennung, gegenseitiges Verständnis statt Vorurteile. Sie inspirieren sich gegenseitig und wollen die Zukunft Moldawiens mitgestalten: Jugendliche während einer Aufwärmübung am interkulturellen Theater in Chisinau.

Der grosse Raum im Gemeindezentrum an der Strada Bulgara im moldawischen Chisinau gleicht einem Theater:
Gestufte Sitzreihen, beigebraune Stoffbezüge, Bühne mit Rednerpult. Stolz prangt das Nationalwappen auf weissem Hintergrund. Vorfreude und Stolz schwingt auch bei den rund 250 Jugendlichen mit, die aus allen Teilen des Landes angereist sind, um die ethnische Vielfalt ihrer Heimat zu zelebrieren. Sieben Kulturnationen sind vertreten, darunter auch Jugendliche mit russischen, ukrainischen, armenischen oder bulgarischen Wurzeln. In kurzen Theaterstücken thematisieren sie Probleme, denen sie in ihrem Alltag begegnen. Oft seien es Situationen aus der Schule, sagt Ana Climisina, lokale Projektkoordinatorin. «Es geht den Jugendlichen aber auch darum, zu zeigen, wie die Gesellschaft Moldawiens funktioniert.» Begleitet werden die jungen Akteure von Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeitern, Lehrpersonen und den lokalen Projektverantwortlichen. Dabei steht die Vermittlung von Toleranz und Respekt gegenüber anderen Menschen und Kulturen im Fokus.

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«Es ist inspirierend, Menschen aus allen Teilen des Landes zu treffen, die aufzeigen, wie etwas verändert werden kann.»

Ian Godonoga – Freiwilliger Helfer der Organisation National Youth Council of Moldova (CNTM)

Zwischen den Kulturen

Moldawien gilt als eines der ärmsten Länder Europas und grenzt an zwei kulturelle Grossregionen, Zentraleuropa und dem Teil Osteuropas, der historisch an Russland orientiert war. Die kulturelle Vielfalt birgt Chancen, bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Konflikten zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen prägen den Alltag. Davon betroffen sind besonders ethnische Minderheiten. Aufgrund ihrer Lebensweise, ihrer ethnischen und sprachlichen Merkmale sind sie starker Diskriminierung ausgesetzt. Bereits ihre Kinder erfahren Ausgrenzung und Intoleranz in der Schule.

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Moldawien beheimatet viele ethnische und kulturelle Minderheiten. Wird der interkulturelle Dialog nicht gefördert, kommt es zu Vorurteilen und Konflikten.

Die politische Instabilität und die langsame, wirtschaftliche Entwicklung des Landes haben bislang verhindert, dass der interkulturelle Dialog und die Integration von Minderheiten von der Regierung gefördert werden. Auch das Bildungs- ministerium investierte lange nicht in die interkulturelle Bildung des Landes. Lehrpersonen und SchulinspektorInnen verfügen weder über genügend Kenntnisse, noch über die Fähigkeiten, interkulturelle Bildung in den Schulalltag zu integrieren. Dies hat zur Folge, dass den Kindern und Jugendlichen der Umgang mit anderen Kulturen schwerfällt und sie weiterhin ein hohes Mass an Intoleranz gegenüber Gleichaltrigen anderer ethnischer Gruppen hegen. Ein respektvolles und friedliches Zusammenleben auf Augen- höhe ist so nicht möglich.

Seit zehn Jahren arbeitet die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi mit der Organisation National Youth Council of Moldova (CNTM) zusammen, um Kindern und Jugendlichen mit ganz unterschiedlichen wirtschaftlichen, sozialen und ethnischen Hintergründen interkulturelle Kompetenzen mit auf den Lebensweg zu geben. Junge Menschen setzen sich im Rahmen unserer Projekte mit Interkulturalität auseinander: Sie hinterfragen Vorurteile, werden für die Themen Diskriminierung und Rassismus sensibilisiert und tragen mit ihrer Toleranz für das Unbekannte zu einem friedlichen Zusammenleben bei. Der langjährige Einsatz für den interkulturellen Dialog hat in Moldawien viel bewegen können.

Wer ein Ziel hat, findet den Weg

Um sich optimal auf den Auftritt vor dem nicht gerade kleinen Publikum vorzubereiten, wurden die jungen Charaktere rund zwei Monate lang von einem professionellen Schauspieler begleitet und gecoacht. Auf Körpersprache, deutliches Sprechen und vor Publikum die Ruhe bewahren, lag dabei das Hauptaugenmerk. Übung macht bekanntlich den Meister. Nach jeder Aufführung jubelte und applaudierte die Menge voller Enthusiasmus und Euphorie. «Es herrschte eine angenehm heitere Atmosphäre. Man merkte den Jugendlichen an, dass ihnen die Möglichkeit, Gleichaltrige zu treffen, gefiel», so die Länderverantwortliche Natalia Balta.

Nach der Aufführung durften alle Gruppen voller Stolz ihre Teilnahmeurkunden entgegennehmen. «Alle Jugendlichen wie auch die Lehrpersonen waren vom Ergebnis des Events begeistert» resümierte Natalia Balta. Da die Schwerpunkte Toleranz und Anti-Diskriminierung auf spielerische Weise gefördert wurden, konnten diese Themen besser verstanden werden. Dies beeinflusste die persönliche Entwicklung der Jugendlichen spürbar. Lokale Partner aus acht Projektregionen und deren Partnerschulen nahmen diesen Event aufgrund der überaus positiven Resonanz in die ausserschulischen Aktivitäten auf und erreichten mehr als 1'200 Jugendliche und Lehrpersonen.

«Wenn ich sehe, dass unsere Kinder und Jugendlichen glücklich, aktiv und enthusiastisch sind, dann glaube ich, dass dieses Land eine Zukunft hat.»

Ana Climisina – Lokale Projektkoordinatorin

Seit Beginn des Projekts «Interkultureller Dialog in Moldawien» in 2010 konzentrierten sich die Aktivitäten auf interkulturelle Bildung und Integration entsprechender Themen in schulische und ausserschulische Massnahmen.
Je mehr Kinder an Angeboten zum Thema interkultureller Bildung teilnehmen, umso grösser wird die Thematik im Bewusstsein verankert. Neue Sichtweisen und Lösungswege können entstehen. 

Als fester Bestandteil des Projekts liess das interkulturelle Theater in einem friedlichen, geschützten Rahmen unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen. Die eigene kulturelle Identität und Prägung jedes Einzelnen wurde dadurch wechselseitig erfahrbar. Junge Menschen nahmen im Schauspiel oder beim Gesang andere Perspektiven ein und beschäftigten sich mit dem Unbekannten, ohne dabei vorschnelle Schlüsse zu ziehen. Um das Gegenüber zu verstehen, muss man sich seiner selbst und seiner Ansichten bewusst werden. Auf der Bühne treten die fremde und eigene Kultur in gegenseitigen Austausch. Man lernt sich kennen, fängt an sich zu verstehen und erkennt, dass man mit den gleichen Problemen konfrontiert ist. In diesem Dialog unter Gleichaltrigen werden Vorurteile abgebaut. Nach und nach entsteht aus Fremdsein, Vertrautheit, die sich jeweils in die eigene Kulturerfahrung integrieren lässt. Dies spiegelt sich sowohl im Schulalltag als auch in der Freizeit wider. Echte Veränderungen geben Hoffnung für Moldawiens Zukunft.

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