Rund 50 Kinder aus der Deutsch- und Westschweiz brachten ihre Forderungen dorthin, wo Entscheidungen fallen: ins Bundeshaus. Im Rahmen der nationalen Kinderkonferenz 2026 trafen sie dort auf drei Nationalrät*innen und nutzten die Gelegenheit, um ihre Forderungen zu platzieren.
«Warum dürfen wir nicht mitreden? Es geht ja auch um unsere Zukunft.» Diese Frage stellte eine Teilnehmerin der Kinderkonferenz den Nationalrät*innen Samira Marti, Katharina Prelicz-Huber und Jean Tschopp im Bundeshaus und brachte damit auf den Punkt, worum es an diesem Tag ging.
Die nationale Kinderkonferenz reiste mit vier Dutzend Kindern aus der Deutschschweiz und der Romandie in die Hauptstadt. Die Kinder der 4. bis 6. Klasse hatten dabei einige Forderungen im Gepäck: mehr Barrierefreiheit in ihren Gemeinden, besserer Schutz vor Gewalt, mehr Mitsprache im Unterricht, schnellerer Schulzugang für Geflüchtete. Insgesamt waren es 28 konkrete Anliegen, die sie zuvor im Kinderdorf Pestalozzi erarbeitet hatten.
Kinder ergreifen das Wort
Nach der Führung durch das Bundeshaus hatten die Kinder die Gelegenheit, ihre Forderungen und Wünsche bei den Vertreter*innen des Parlaments zu platzieren. Die Kinder hakten nach, verlangten Antworten und zeigten den Erwachsenen auf, was ihnen für ihre Zukunft wichtig ist.
«Warum entscheiden bei Kinderfragen immer die Erwachsenen? Es betrifft doch die Kinder, deshalb sollten wir über unsere Anliegen entscheiden können», fragte eines der Kinder. Ein anderes ergänzt: «Wir haben keinen Schulrat, obwohl wir bei gewissen Themen mitreden wollen.» Die Antwort von Prelicz-Huber war klar: «Na dann – fordert das ein!»
Auf die Frage, wie Kinder sich am wirkungsvollsten für ihre Rechte einsetzen können, antwortete Marti: «Genau so, wie ihr es jetzt macht. An Konferenzen, in Jugendparlamenten, im Gespräch mit Erwachsenen.»
«Schulrat? Haben wir nicht.»
Die Anliegen der Kinder sind dieses Jahr besonders breit gefächert. Neben Themen rund um Schule und Mitsprache – mehr kreative Freiräume, weniger Druck, Lifte in Schulhäusern – fordern die Kinder mehr Massnahmen gegen Gewalt: anonyme Briefkästen in Gemeinden und Schulen, eine internationale Hilfswebseite, mehr Fachpersonen. Ein weiterer Schwerpunkt: geflüchtete Menschen. Die Kinder fordern, dass Unterkünfte für Schutzsuchende besser ausgestattet sind, geflüchtete Kinder schnell Zugang zu Schulen erhalten und die Kinderrechte auch für sie gelten.
Prelicz-Huber machte deutlich, dass viele dieser Forderungen umsetzbar wären, aber Kantone und Gemeinden das letzte Wort haben. Ihr Rat an die Kinder: nicht aufgeben. Veränderung brauche Zeit, aber sie komme.
Kleine Schritte, grosse Wirkung
Dass das keine leere Vertröstung ist, zeigt die Geschichte der Kinderkonferenz: Eine Anti-Mobbing-Kampagne des Bundes geht auf eine frühere Kinderkonferenz zurück. Und manchmal geht es auch schneller: An einer Schule wurden nach einer Kinderkonferenz die Garderoben umgebaut, weil die Mädchen es eingefordert hatten.
Die nationale Kinderkonferenz hat erneut gezeigt, dass Kinder durchaus wissen, was sie wollen. Ihre Forderungen sind konkret, die Fragen unbequem, die Dringlichkeit gross. Ob daraus echte Veränderungen werden, liegt nun bei den Erwachsenen.