Let's Talk
About Gender
Marlon
Projekte Schweiz

Wer sagt eigentlich, wie wir sein sollen?

Wie entstehen Rollenbilder und was braucht es für echte Gleichstellung? Jugendliche der Oberstufe Blumenau aus St. Gallen setzen sich im Medienbildungsprojekt «Let’s Talk About Gender» mit Klischees, Grenzen und gesellschaftlicher Vielfalt auseinander. In einer eigenen Radiosendung hinterfragen sie Vorurteile und sprechen aus, was ihnen wichtig ist.

Das rote Licht leuchtet, das Mikrofon ist offen. Zoe und Marlon, beide 13 Jahre alt, sitzen im Radiobus des powerup_radios. Zwei Tage lang setzen sie sich mit Geschlechterrollen, Gleichstellung und grenzüberschreitendem Verhalten auseinander.

Dürfen Männer weinen? Sind Mädchen schlechter im Fussball? Und wer entscheidet, wann ein Verhalten eine Grenze überschreitet? Im Projekt «Let’s Talk About Gender» diskutieren Jugendliche Fragen, die ihren Alltag unmittelbar betreffen. Dabei entwickeln sie eigene Radiobeiträge, die sie live ausstrahlen. So verbindet das Projekt die Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Vielfalt mit praktischer Medienbildung.

Radiomachen

Wenn Klischees den Alltag prägen Zoe spielt Fussball und weiss aus eigener Erfahrung, wie hartnäckig Geschlechterklischees sein können. «Mir wurde oft gesagt, Mädchen seien nicht gut im Sport, könnten sowieso nicht Fussball spielen und seien viel schwächer», erzählt sie. Solche Aussagen stören sie: «Wir können genauso gut Fussball spielen wie die Jungs.»

Auch Marlon hinterfragt solche Zuschreibungen: «Viele Klischees zwischen Frauen und Männern sind früher entstanden und stimmen heute überhaupt nicht mehr.» Für ihn bedeutet Gleichstellung, alle Menschen gleichermassen zu respektieren:

marlon

«Kein Mensch soll aufgrund seiner Identität diskriminiert werden.»

Marlon, Projektteilnehmer

Die Klasse diskutiert Themen zur Lohnungleichheit, sexueller Belästigung und persönlichen Grenzen. Für Zoe ist zentral, dass jede Person selbst bestimmen darf, welches Verhalten sich für sie richtig anfühlt. Was jemand kaum wahrnimmt, kann für eine andere Person bereits übergriffig sein. Die Schüler*innen lernen so, nicht nur die eigene Absicht, sondern auch die Wirkung ihres Verhaltens zu berücksichtigen.

Medien für Vielfalt nutzen

Nun werden die Jugendlichen zu Moderator*innen. Sie wählen Themen, entwickeln Fragen, bereiten ihre Sendung vor. Vor dem Mikrofon genügt es jedoch nicht, eine Meinung zu äussern. Die Jugendlichen müssen klar kommunizieren, aufmerksam zuhören und im richtigen Moment reagieren. So entsteht eine gemeinsame Sendung, in der unterschiedliche Stimmen Raum
erhalten.

Zoe

Die Schüler*innen erleben, dass ihre Perspektive zählt, aber auch Verantwortung mit sich bringt. Sie planen, produzieren und senden eigene Inhalte. Sie lernen, Medien bewusst, kritisch und respektvoll einzusetzen. Gleichzeitig nutzen sie das Format, um Vorurteile zu hinterfragen und gesellschaftliche Vielfalt sichtbar zu machen.

Zoe bringt ihre Vorstellung auf einen einfachen Nenner: «Jeder sollte die gleiche Chance in unserer Gesellschaft haben.» Marlon ergänzt: «Niemand soll wegen der eigenen Identität unter Druck geraten oder ausgeschlossen werden.» Als das rote Licht im Radiobus erlischt, haben Zoe und Marlon mehr produziert als eine Sendung. Sie haben Position bezogen, andere Stimmen gehört und erlebt, dass Medien gesellschaftliche Bilder nicht nur wiedergeben, sondern auch verändern können.

letstalk

Unterstützt durch das Amt für Soziales des Kantons St. Gallen, Abteilung Integration und Gleichstellung.

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